16:18 17 Februar 2020
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    Wie können Verbraucher besser erkennen, welche Lebensmittel ungesund sind? Ernährungsministerin Julia Klöckner will dazu im Sommer eine Nährwert-Kennzeichnung vorstellen. Aus internen Emails geht jetzt hervor, dass die CDU-Politikerin anscheinend eine wichtige Studie zu dem Thema vertuschen wollte – zu Gunsten der Lebensmittelindustrie.

    Es könnte so einfach sein: Eine Kennzeichnung von Lebensmitteln mit einer kleinen Ampel könnte je nach Farbe anzeigen, wie gesund oder ungesund ein Produkt ist. Dagegen läuft die Lebensmittelindustrie allerdings Sturm: Ferrero, Coca Cola und viele weitere Konzerne müssten auf ihren Waren eine rote und damit äußerst ungesunde Kennzeichnung fürchten. Ernährungsministerin Julia Klöckner scheint sich in dieser Frage nicht für Verbraucher, sondern für die Lebensmittel-Lobby einzusetzen.

    Kurz nachgeschaut…

    Die Debatte dreht sich um den so genannten „Nutri-Score“, eine kleine Tabelle, die Lebensmittel in fünf Kategorien einteilt. Dabei geht die Skala von A – Dunkelgrün für besonders gesunde Produkte bis hin zu E – Rot für sehr ungesunde Waren. Über die Frage, wie der Gehalt an Fett, Salz, oder Zucker bei Lebensmitteln gekennzeichnet werden soll, wird seit mehr als zehn Jahren gestritten.

    Unter Verschluss…

    Aus einer internen Email aus dem Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung geht nun hervor, dass Ministerin Klöckner über den Nutzen des „Nutri-Scores“ eine Studie anfertigen ließ, doch das Ergebnis gefiel der CDU-Politikerin anscheinend nicht. Wie die Verbraucherschutzorganisation „Foodwatch“ berichtet, habe das Studienergebnis des Max-Rubner-Instituts der Kennzeichnungs-Tabelle ein positives Zeugnis ausgestellt – bereits vor einem halben Jahr. Klöckner habe die Erkenntnisse laut „Foodwatch“ jedoch vertuscht. In einem internen Vermerk heiße es, die Ministerin habe „ausdrücklich darum gebeten" im Zusammenhang mit der Studie „größte Vertraulichkeit sicherzustellen".

    ​Es wäre nicht das erste Mal, dass die Ministerin vor der Lebensmittelindustrie einnkickt. Als es um eine festgeschriebene Zuckerreduktion für besonders ungesunde Lebensmittel ging, setze Klöckner auf eine „freiwillige Selbstverpflichtung“ der Branche, das Ergebnis war dementsprechend überschaubar. Als es um das Thema Lebensmittelverschwendung ging, wollte die Ministerin der Industrie ebenfalls keine Vorgaben machen, sie kündigte Gespräch und einen „runden Tisch“ an. Auch hier: Das Ergebnis überschaubar. Im Sommer will Klöckner nun final eine für Deutschland mögliche Nährwertkennzeichnung vorstellen. Eine Kennzeichnungspflicht ist aber auch hier kaum zu erwarten, auf freiwilliger Basis wird das System aber wohl ebenfalls nur einen überschaubaren Nutzen haben.

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    Tags:
    Kennzeichen, Foodwatch, Studie, Julia Klöckner, Lebensmittel