10:35 07 Dezember 2019
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    Das ausgebrannte Flugzeug Suchoi Superjet-100 auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo

    Computerbediener statt Piloten: Zusammenhang zwischen Boeing-737-Abstürzen und Crash in Moskau?

    © AFP 2019 / CITY NEWS AGENCY MOSCOW
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    Das Ermittlungskomitee überprüft Versionen der Bruchlandung des Flugzeugs Suchoi Superjet-100 am Sonntagabend, in deren Folge 41 Menschen ums Leben gekommen sind: unzureichende Qualifikation von Piloten und Fluglotsen, technische Defekte der Maschine, ungünstige Wetterbedingungen. Experten äußerten ihre Meinungen gegenüber Sputnik.

    Der Grund für den Absturz könne das Fehlen manueller Steuerungsfähigkeiten der Besatzung gewesen sein, sagte der ehemalige stellvertretende Minister für Zivilluftfahrt der UdSSR und Verdienter Pilot der UdSSR Oleg Smirnow. Bei der Bewertung der objektiven Ursachen des Unfalls stellte er fest, dass es keine Voraussetzungen für den Unfall gegeben habe: ein neues Flugzeug, gutes Wetter, Tagzeit. Die Kommission müsse feststellen, warum die Besatzung beschlossen habe, zum Flughafen Moskau-Scheremetjewo zurückzukehren, und warum das Flugzeug bei der Landung zusammengebrochen sei. Die Meldung des Piloten, dass das Flugzeug vom Blitz getroffen worden sei, kommentierte der Experte wie folgt: 

    „Im Laufe der Jahre haben Blitze die Flugzeuge begleitet. Es gibt im Luftverkehr internationale und nationale Vorschriften, nach denen das Eindringen in dicke Haufenwolken streng verboten ist. Es gibt doch Risiken, die nicht vermieden werden können. Dabei handelt es sich um auf- und absteigende Strömungen, die das Flugzeug wie eine Streichholzschachtel zerstören können, sowie Blitzeinschläge. Flugzeugmetall nimmt während des Fluges statische Elektrizität auf, Wolken häufen auch statische Elektrizität an. Wenn sie sich einander nähern, ereignet sich ein Blitz. Der Blitz ist kein katastrophales Phänomen, aber er deaktiviert die Funktechnik und Elektronik, was diesmal der Fall war. Das Flugzeug verlor die Funkkommunikation, die automatischen Steuerungssysteme des Flugzeugs versagten. Und selbst in dieser Situation war eine Katastrophe nicht unvermeidlich“, versichert der Experte.

    Den Grund für die Bruchlandung sieht Smirnow in der Unfähigkeit der modernen Crew, die Maschine manuell zu steuern. Dies sei ein Fehler, den die Flugzeughersteller und Fluglinienbesitzer in den letzten Jahren gemacht haben, um Geld zu sparen.

    „Der tragische Fehler liegt darin, dass aus einem Flugkapitän ein Computerbediener gemacht wurde. Dies war die Ursache der Flugzeugabstürze in Äthiopien, Indonesien sowie des Absturzes des französischen Flugzeugs, das von Brasilien nach Paris flog und im Atlantik unterging. Die Franzosen kamen zu dem Schluss, dass die Katastrophe darauf zurückzuführen ist, dass die Besatzung nicht trainiert wurde, das Flugzeug im Falle eines Ausfalls der Elektronik manuell zu steuern. Das führte zu den aufgeführten Katastrophen und enormen Menschenopfern“, so der ehemalige Pilot.

    Der psychophysiologische Zustand der Besatzung spiele in Notsituationen auch eine große Rolle, sagt der Verdiente Militärpilot Russlands Wladimir Popow.

    „Wenn wir an Simulatoren arbeiten, wissen wir, dass wir auf dem Boden sind und nicht vom Stuhl geworfen werden. Aber wenn wir in der Luft sind, wird der Stress stärker und wir brauchen Professionalität, Ausdauer und Mut, um unseren Zustand und das Versagen der Maschine zu besiegen. Die Hauptsache – das Leben der Passagiere retten, nicht um jeden Preis landen. Vielleicht entschied die Besatzung, dass das Feuer nicht kritisch war und die Steuerung des Flugzeugs nicht beeinträchtigte. Daher wurde eine Entscheidung über ein kurzes Landesystem getroffen.“

    Foto nach dem Flugzeug-Brand in Moskau
    © Sputnik / Ermittlungsausschuss Russlands
    Der Luftfahrtexperte Dmitri Drosdenko wies darauf hin, dass die Handlungsvorschriften bei Notfallsituationen von jeder Flugzeugbesatzung immer streng befolgt würden. Die Gesellschaft Aeroflot, der die verunglückte Maschine gehöre, sei bei der Ausbildung der Besatzungen verantwortungsbewusst. „Die Flugzeuge des Typs Suchoi Superjet-100 sind Qualitätsmaschinen, und die Kommission wird entscheiden, ob es sich um eine Art Funktionsstörung des Flugzeugs handelt. Aber ich denke, dass dies eine Verkettung unglücklicher Umstände ist“, so der Experte.

    Die Suchoi Superjet-100 ist die erste Neuentwicklung des russischen Flugzeugbaus nach dem Ende der Sowjetunion, der Kurzstreckenflieger ist seit 2011 zugelassen. Die Fluggesellschaft Aeroflot hatte erst im vergangenen Herbst den Kauf von weiteren 100 Jets des Typs angekündigt.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Augenzeugen berichten von ersten Minuten nach Flugzeug-Brand in Moskau<<<

    Die Maschine des Typs Suchoi Superjet-100 der Fluggesellschaft Aeroflot war am Sonntag 28 Minuten nach dem Start in Richtung Murmansk umgekehrt und im Flughafen Scheremetjewo notgelandet. Von den 78 Menschen an Bord haben 37 den verheerenden Brand überlebt. Laut offiziellen Angaben sind 41 Menschen ums Leben gekommen.

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    Scheremetjewo, Moskau, Notlandung, Brand, Flugzeug