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    Görlitzer Park in Berlin (Archivbild)

    Skurriler Service: Berlin weist Drogendealern Verkaufsplätze zu

    © AFP 2019 / JOHN MACDOUGALL
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    „Bitte nehmen Sie Ihre Plätze ein“ – Der Berliner Bezirk Kreuzberg plant eine Maßnahme, die wie eine Serviceleistung für Drogendealer anmutet. Für einen „ordnungsgemäßen Betrieb der Grünanlage“ sollen Dealern feste Plätze im Görlitzer Park zugewiesen werden, an denen sie ihrer illegalen Arbeit nachgehen können. Die Polizei übt scharfe Kritik.

    Schuldbürgerstreich oder skurrile Idee? Zur Sicherung eines ordnungsgemäßen Betriebs in der Kreuzberger Grünanlage „Görlitzer Park“ wurden an einem der Eingänge Flächen mit Sprühfarbe markiert. Darauf sollen sich mutmaßliche Dealer künftig aufhalten, um ihrem Geschäft nachzugehen. Laut RBB soll so eine direkte Konfrontation der Männer mit anderen Parkbesuchern, insbesondere Müttern mit kleinen Kindern, verhindert werden.

    Scharfe Kritik an dem Projekt übt vor allem die Berliner Polizei. Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro, nennt die Maßnahme gegenüber Medien eine „Beihilfe“ zum Drogenverkauf. Wer mit Drogen deale, begehe eine Straftat:

    „Die politisch Verantwortlichen müssen langsam aber sicher entscheiden, was für einen Park sie wollen: Soll er drogen- und damit kriminalitätsfrei werden, bedarf es dauerhaften polizeilichen Druck, juristische Entschlossenheit und politische Rückdeckung.“

    Falls man Kriminelle als Parkbesucher neben spielenden Kindern integrieren wolle, so Jendro weiter, seien die Markierungen eine gute Beihilfe, um Cannabis und Heroin dort zu verkaufen.

    Dauerthema Drogenhandel

    Über 250 Männer machen vor allem in den warmen Monaten ihre Geschäfte mit Marihuana und anderen Drogen im Görlitzer Park. Die meisten stammen aus Schwarzafrika oder dem Maghreb. Der stetige Drogenhandel im Görlitzer Park ist seit Jahren ein Dauerthema. Zeitweise war die Polizei nahezu täglich in der Grünanlage präsent, um den Handel einzudämmen und Dealer zu kontrollieren. Doch in der Regel müssen festgenommene Dealer schon nach kurzer Zeit wieder freigelassen werden.

    Integration statt „Null Teleranz“

    Die „Null-Toleranz-Politik“ eines früheren Berliner CDU-Innensenators erwies sich als erfolglos: Trotz Razzien tauchten die Dealer immer wieder auf. Der Bezirk setzt nun auf eine Lösung ohne großangelegte Polizeieinsätze. Verbanne man den Drogenhandel aus dem Görlitzer Park, finde man ihn woanders wieder, man müsse mit den Realitäten vor Ort umgehen, hieß es seitens des von den Grünen regierten Stadtbezirks.

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    Tags:
    Drogenhandel, Drogen, Kreuzberg, Drogendealer, Berlin