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    Gotische Marienkathedrale in der britischen Stadt Salisbury

    Vergiftung der Skripals: Dieses Detail kann britische Polizei nicht erklären

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    Der Giftanschlag auf den Ex-GRU-Agenten Sergej Skripal und seine Tochter im britischen Salisbury liegt mehr als ein Jahr zurück. Bis heute gibt es viele Fragen ohne Antworten. Die britische Polizei hat derzeit Schwierigkeiten damit, für einige Details eine logische Erklärung zu finden.

    Die beiden Russen, denen die britische Polizei die Vergiftung der Skripals vorwirft – Ruslan Boschirow und Alexander Petrow – sollen einen Tag nach dem Anschlag einen „mysteriösen Anruf“ erhalten haben, berichtet die Zeitung „The Guardian“ unter Berufung auf eine namentlich nicht genannte Quelle.

    Kurz nach dem Anruf seien die beiden Männer zum Heathrow-Flughafen gefahren, um nach Moskau zurückzufliegen.

    „Laut einer Theorie hatten die beiden auf eine Nachricht gewartet, ob der Anschlag erfolgreich gewesen war“, zitiert das Blatt seine Quelle. Der rätselhafte Anruf sei womöglich eine Bestätigung des Erfolgs der Operation gewesen.

    Die britische Polizei hat laut der Zeitung jedoch große Schwierigkeiten damit, einen wichtigen Teil der Skripal-Geschichte zu erklären. Die Quelle soll gegenüber „The Guardian“ eingeräumt haben, dass manche Details wenig Sinn ergäben.

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    Konkret geht es um das Fläschchen mit dem tödlichen Nervengift der Klasse Nowitschok, das knapp vier Monate nach dem Anschlag auf die Skripals entdeckt wurde. Dabei handelt es sich Medienberichten zufolge um ein Parfüm-Fläschchen. 

    Sie sei von einem Anwohner, Charlie Rowley, entdeckt worden. Der Brite soll den Behälter in einem Mülleimer in Salisbury gefunden und das „Parfüm“ später seiner Partnerin Dawn Sturgess geschenkt haben. Diese spritzte sich die Flüssigkeit auf die Handgelenke und starb kurze Zeit später.

    Die Ermittler fragen sich, so „The Guardian“, wie das Nowitschok-Fläschchen mehrere Monate lang nach dem eigentlichen Anschlag in dem Mülleimer bleiben konnte.

    „Der Mülleimer, in dem die Flasche gefunden wurde, wird regelmäßig geleert. Deshalb scheint es undenkbar, dass sie dort seit März gewesen war“, so die Quelle weiter. Es gebe auch keine Klarheit darüber, ob die Flasche versiegelt worden sei oder nicht, als sie gefunden wurde. 

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    Die Ermittler hätten deshalb dieses Parfüm-Fläschchen bislang nicht mit Boschirow und Petrow in Verbindung bringen können und seien sich auch nicht sicher, ob das Nervengift, mit dem die Skripals vergiftet wurden, überhaupt aus diesem Behälter stamme.

    „Die Polizei ist sich nicht ganz sicher, dass die Nowitschok-Flasche, die zum Tod von Dawn Sturgess führte, gegen die Skripals eingesetzt wurde“, zitiert das Blatt weiter.

    Das sei auch der Grund, warum die britische Polizei die beiden Russen der Vergiftung der Skripals beschuldige, es aber bislang unterlassen habe, sie des Todes von Sturgess zu beschuldigen.

    Laut der offiziellen Version der britischen Polizei hatten Boschirow und Petrow – nach britischer Darstellung Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU – den Türgriff des Hauses, in dem die Skripals lebten, mit dem Nervengift bestrichen.

    Die Internetplattform Bellingcat, die sich als investigativ beschreibt, will die wahren Namen der beiden Russen herausgefunden haben. So hießen Boschirow und Petrow in Wirklichkeit Anatoli Tschepiga und Alexander Mischkin, behauptet Bellingcat.

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    Giftanschlag auf die Skripals

    Der frühere russisch-britische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia wurden am 4. März 2018 in Salisbury in einem Park bewusstlos aufgefunden. Sie waren nach Darstellung der britischen Regierung mit dem tödlichen Giftstoff A234, im Westen unter dem russischen Namen Nowitschok bekannt, vergiftet worden. Ihre schnelle Genesung halten Experten jedoch für überraschend.

    Die britische Regierung machte umgehend Russland für das mutmaßliche Attentat verantwortlich. Russland weist diesen Vorwurf von sich und fordert eine unabhängige Aufklärung. Die britische Premierministerin Theresa May ließ als Reaktion 23 russische Diplomaten ausweisen. Aus „Solidarität“ mit London wiesen auch die USA, Deutschland und viele weitere EU-Staaten Dutzenden russischen Diplomaten die Tür.

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    Salisbury, Moskau, Russland, Polizei, Großbritannien, Alexander Petrow, Ruslan Boschirow, Anschlag, Nowitschok, Vergiftung, GRU, Geheimdienst, Julia Skripal, Sergej Skripal