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    Ein Künstlergarten am Kulturforum Berlin, von den Künstlern Seok Hyan Han, Seung Hwoe Kim, Kurator Keumhwa Kim

    Vereinigtes Korea in Kunstprojekt - „Das dritte Land“

    © Foto : Das Dritte Land/Keum Art Projects/Christian Frey
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    Beata Arnold
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    Auf einer Berliner Parzelle am Kulturforum erschaffen koreanische Künstler im Jubiläumsjahr des Mauerfalls ihre „blühende Landschaft“: Grün aus Nord- und Südkorea soll hier zusammenwachsen. Das Projekt ist garantiert nicht nur rein pflanzlich: Der Garten spiegele deutsche Geschichte und koreanische Gegenwart, so Kuratorin Keumhwa Kim im Interview.

    „Das dritte Land“ ist ein Künstlergarten, der das geteilte Land Korea symbolisch vereint: Mitten auf dem Berliner Kulturforum, gar nicht weit vom ehemaligen Grenzverlauf der Berliner Mauer. Von Mai bis November zum 30. Jahrestag des Mauerfalls sollen hier Pflanzen aus Nord- und Südkorea einträchtig zusammenwachsen. Auf dem fruchtbaren Boden der deutsch-deutschen Wiedervereinigung.

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    „Natur kennt keine Grenze“, sagt Keumhwa Kim, die Kuratorin des Projekts: Inspiriert von der neueren deutschen Geschichte wollen die südkoreanischen Künstler Han Seok Hyun und Kim Seung Hwoe das Vorhandensein von Grenzen und die Hoffnung auf ihre Überwindung ins öffentliche Bewusstsein zurückholen. Der politische innerkoreanische Konflikt gelangt im Garten auf eine besondere sinnlich erfahrbare Ebene. Mit den Mitteln der Kunst ist der Konflikt hier – zumindest temporär -  gelöst.

    Landschaftsdarstellungen in koreanischer Tuschemalerei des 17. Jahrhunderts von Gyeomjae Jeong Seon dienten als Vorbild. Entgegen dem vorherrschenden Duktus chinesischer Malerei, wonach die Landschaft universell abgebildet wurde, zeigte er die Realität.

    Und so sind am Kulturforum nicht etwa schnöde Einheits-Beete zu sehen: Der Garten hat vielmehr eine der Felsenstruktur des Baekdu-Daegan-Gebirges nachempfundene Form. Die Bergkette zieht sich auf der koreanischen Halbinsel vom Norden in den Süden des Landes.

    Von den 23 nordkoreanischen und 37 südkoreanischen Pflanzenarten, die dort typischerweise wachsen und für „Das dritte Land“ ausgewählt wurden, konnten bisher 45 Setzlinge und Samen nach Berlin geholt werden.

    Direktimporte aus Nordkorea habe es jedoch nicht gegeben, räumt Kim ein, obgleich es ursprünglich so gedacht war und dafür auch Hoffnung bestanden habe: Nach dem Regierungswechsel 2017 herrschte politisches Tauwetter, es habe bei den Olympischen Spiele sogar eine gemeinsame Koreanische Nationalmannschaft gegeben, erinnert sie sich.

    Mit der Genehmigung vom Wiedervereinigungsministerium hätten die Künstler ihr Vorhaben noch im Februar diesen Jahres in der Nordkoreanischen Botschaft präsentieren dürfen, berichtet Kim. Dort sei es wohlwollend aufgenommen und mit der Empfehlung an das Verbindungsbüro in Kaesong, welches auch für kulturellen Austausch eingerichtet wurde, versehen worden. Die Pflanzen-Liste sollte auf diesem Wege zum Botanische Garten in Pjönjang gelangen.

    Hauptanliegen der Künstler sei, über das Projekt einen Dialog zu intiieren, auf dass überhaupt eine Kommunikation zwischen den beiden Staaten stattfände. Eine eigene politische Aussage hätten sie gar nicht treffen wollen. Aber über Kunst und Natur könne man schließlich auch ohne politischen Hintergrund und frei von Ideologien sprechen, erläutert Kim. Der Dialog schien etabliert.

    Doch dann fand im März das Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un in Hanoi statt. Seither funktioniere nichts mehr im Verbindungsbüro, es könnten keine Projekte mehr vorgeschlagen werden, auch die Pflanzenliste käme nicht weiter: „Es bleibt alles stehen. Still.“

    Unter den insgesamt 1.500 nach Berlin gebrachten koreanischen Pflanzen sind nun solche, die auf dem Gebiet Südkoreas und dem von Nordkorea vorkommen.

    Bei der Eröffnung des Gartens erklingen Johann Strauß` „Frühlingsstimmen“: Prominente Unterstützung findet das Projekt nämlich durch Opernstar Sumi Jo. Kuratorin Keumha Kims Lieblingsblume ist im „Dritten Land“ übrigens als erste erblüht. Es ist eine Anemonen-Art: Typisch für die Grenzregion - im Norden wie im Süden.

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    Tags:
    Kim Jong-un, Donald Trump, Kultur, Malerei, Landschaft, Koreakrieg, Korea-Halbinsel, Korea-Problem, Bewusstsein, Überwindung, Hoffnung, Projekt, Natur, Mauerfall, Wiedervereinigung Deutschlands in 1989, Wiedervereinigung, Pflanzen, Künstler, Deutschland, Berlin, Kunst, Nordkorea, Südkorea, Korea