15:51 26 Juni 2019
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    Iwan Golunow

    Moskau: Experten finden keine Drogenspuren an Händen des Investigativ-Journalisten Golunow

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    Experten haben keine Drogenspuren an den Händen des Journalisten Iwan Golunow von der Nachrichtenplattform Meduza gefunden, dem der Versuch des Verkaufs von Drogen vorgeworfen wird. Dies erklärte Pawel Tschikow, Leiter der internationalen Menschenrechtsorganisation „Agora“, deren Anwälte die Interessen des Journalisten vertreten.

    Zuvor hatte der externe Hauptdrogenarzt des russischen Gesundheitsministeriums, Ewgeni Brjun, mitgeteilt, dass der Drogentest von Golunow ein negatives Ergebnis zeige, aber die Untersuchung werde fortgesetzt.

    „Beim Kontrollspülen der Handflächen und Fingernägel von Iwan Golunow haben die Experten des Innenministeriums keine Drogenmittel und psychotropen Stoffe entdeckt“, schrieb er.

    Tschikow veröffentlichte unter anderem in seinem Telegram-Account eine Kopie des Gutachtens, das seine Aussagen bestätigt.

    Am Sonntag hatte ein Moskauer Gericht für Golunow Hausarrest bis zum 7. August angeordnet. Die Untersuchungsbehörde bestand auf der Inhaftierung.

    Der Journalist Iwan Golunow des Online-Nachrichtenportals Meduza war am Freitag im Zentrum von Moskau festgenommen worden. Bei ihm sollen Drogen gefunden worden sein. Laut der Expertise handelt es sich um Mephedron. Die Polizei teilte mit, dass in der Wohnung des Festgenommenen auch „drei Beutel und ein Paket mit pulverähnlichem Stoff sowie eine Feinwaage“ entdeckt worden seien. Der Korrespondent und sein Anwalt weisen diese Vorwürfe zurück und erklären die Festnahme mit der journalistischen Tätigkeit Golunows.

    Der Anwalt des Journalisten, Dmitri Dschulai, äußerte gegenüber Sputnik die Vermutung, dass seinem Mandanten die Drogen bei der Festnahme möglicherweise untergeschoben worden seien.

    Am Samstag hatte das Innenministerium Russlands die Medienberichte zurückgewiesen, wonach Golunow bei seiner Festnahme von Polizeibeamten tätlich angegriffen worden sei. Dabei teilte die Vizechefin der russischen gesellschaftlichen Aufsichtskommission, Ewa Metkatschjowa, mit, Golunow habe den Beobachtern der Aufsichtskommission erzählt, dass er von einem Polizeibeamten mit der Faust gegen den Kopf geschlagen worden sei. Der zweite Polizist soll ihm gegen die Brust getreten haben.

    Im Krankenhaus, in das der Journalist gebracht wurde, wurde bestätigt, dass die medizinische Untersuchung nichts Ernsthaftes an seinem Zustand entdeckt habe. Demnach wurden bei dem Journalisten keine Rippenfraktur oder sonstige Knochenbrüche festgestellt. „Bei Golunow ist eine Schürfwunde auf dem Rücken und ein Hämatom an einem Auge festgestellt worden“, hieß es vom Krankenhaus. Später berichtete das kremlkritische Online-Nachrichtenportal Meduza, dass Golunow aus dem Krankenhaus entlassen worden und ins Gericht gebracht worden sei.

    Der Menschenrechtsrat beim russischen Präsidenten hat ein Gesuch an die Staatsanwaltschaft und die Polizei gerichtet, die Rechtmäßigkeit der Festnahme und das Vorgehen der Polizeibeamten zu prüfen. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass sie den Fall auch kontrolliere. Der Helfer des russischen Präsidenten, Anton Kobjakow, erklärte, dass er persönlich das Verfahren studieren werde.

    Der Fall sorgt derzeit für viel Aufsehen in Russland. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin hat den Polizeichef der russischen Hauptstadt Oleg Baranow gebeten, den Fall Golunows unter seine persönliche Kontrolle zu nehmen und ihn „maximal objektiv aufzuklären“. Golunow selbst erklärt die Festnahme mit seiner journalistischen Arbeit. Der Journalist beschäftigt sich mit Korruptionsfällen in Russland.

    ak/sna

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    Gericht, Drogen, Festnahme, Journalist, Moskau, Russland