03:41 21 November 2019
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    Warum fettes Essen Überernährung provoziert – Forscher erläutern

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    Molekular-Biologen haben im Darm von Menschen und Mäusen besondere Rezeptoren entdeckt, die die Erzeugung von Sättigungshormonen beim Verzehr von fetten oder süßen Gerichten verhindern. Ihre Sperrung kann laut den Forschern helfen, der Entwicklung von Fettleibigkeit vorzubeugen. Dies zeigen ihre Berichte im Fachmagazin „Frontiers in Physiology“.

    „Wenn wir einen Apparat entwickeln, der die Funktion von Cannabioiden-Rezeptoren sperrt und ihnen nicht ermöglicht, Eiweißsignale der Sättigung auszuscheiden, dann machen wir einen großen Schritt zur Lösung des Problems, von dem Millionen Menschen auf der ganzen Erde befallen sind“, sagte Nicholas V. DiPatrizio von der University of California in Riverside, USA.

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    In den letzten Jahren finden die Wissenschaftler immer mehr Anzeichen dafür, dass sich Fettleibigkeit und die damit verbundenen Probleme des Stoffwechsels nicht nur aus genetischen Gründen oder Problemen mit der Willenskraft bei korpulenten Menschen entwickeln, sondern auch, weil der Verzehr von solcher Nahrung die Arbeit des Gehirns verändert.

    Vor einigen Jahren hatten die Biologen beispielsweise festgestellt, dass kalorienreiche Nahrung die normale Arbeit des Gens störe, das die Aktivität der Zellen im Zentrum der Sättigung im Gehirn der Mäuse managt. Später hatten sie entdeckt, dass dicke Menschen eine ungewöhnlich hohe Empfindsamkeit für den Essensgeschmack haben und süßes Essen leckerer als andere Leute finden – und dies wegen der Veränderungen bei der Arbeit ihrer Geschmacksrezeptoren und der Gehirnrinde.

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    Vor zwei Jahren hatten DiPatrizio und seine Kollegen eine weitere Gesetzmäßigkeit entdeckt, indem sie mit Ratten experimentierten, die im Laufe von mehreren Monaten immense Mengen an Zucker und Fetten verzehrt hatten.

    Die Forscher bemerkten, als sie die Nagetiere beobachteten, dass die immer mehr zu fressen begannen, was die Gewichtzunahme beschleunigte und unerwartet zur Entwicklung von Fettleibigkeit führte. Dabei wurde der Appetitanstieg von einem jähen Anstieg der sogenannten Endocannabioiden im Darm und im Blut der Mäuse begleitet.

    Sie stellen Analoga jener Stoffe dar, die in Marihuana enthalten sind und die unser Organismus in geringen Mengen für eigene Zwecke synthetisiert. Eine große Anzahl von Nervenzellen, die auf solche Moleküle reagieren, ist im Darm des Menschen enthalten.

    Vor drei Jahren hatten die Forscher ermittelt, dass der unerklärbare Wunsch, etwas zu essen, der bei den „Gras“-Freunden entsteht, infolge der Wirkung von TGK-9 – einem Wirkungsstoff von Marihuana – auf diese Rezeptoren auftaucht. Dies hatten DiPatrizio und seine Kollegen auf den Gedanken gebracht, dass Fettleibigkeit geheilt werden könnte, wenn diese Rezeptoren gesperrt werden.

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    Die ersten Experimente dieser Art endeten unerfreulich – die Blockierung dieser Nervenzellen führte zu einer Reihe von unangenehmen Nebenwirkungen und Veränderungen in der Psyche der Tiere. Dies zwang die Forscher, noch detaillierter die Arbeit von derartigen Neuronen zu untersuchen, um letztendlich diejenigen auszusondern, die mit dem Sättigungsgefühl direkt verbunden waren.

    Eine neue Serie von Experimenten, die diesmal an Mäusen durchgeführt wurde, zeigte unerwartet, dass die Endocannabioiden den Appetit und das Sättigungsgefühl nicht direkt, sondern die Unterdrückung der Moleküle des Eiweißes CCK-8 (das die Rolle des Sättigungssignals spielt) in besonderen Darmzellen beeinflussen.

    Die Forscher haben geprüft, was passiert, wenn entweder die Cannabioiden-Rezeptoren oder jene Nervenzellen blockiert werden, die für das Ablesen von Sättigungssignalen zuständig sind. Wie die Tests zeigten, begannen die Mäuse im ersten Fall, normale Mengen an Nahrung zu verzehren; im zweiten verwandelten sie sich in vollwertige Gargantuas und verloren das Sättigungsgefühl unabhängig davon, was sie gegessen hatten.

    Wie konkret fette und süße Nahrung die Arbeit dieser Rezeptoren verändert, wissen die Wissenschaftler noch nicht, denn sie konnten weder bei der Aktivität der Gene, die für die Erkennung von Endocannabioiden zuständig sind, noch in der Struktur der Eiweißmoleküle, für deren Zusammenbau sie Verantwortung tragen, irgendwelche Veränderungen fixieren.

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    DiPatrizio und seine Kollegen hoffen, dass weitere Experimente ihnen helfen zu verstehen, was konkret passiert und wie am besten der Entwicklung einer Überernährung vorzubeugen ist.

    ek

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    Tags:
    Fachmagazin "Frontiers in Physiology", Stoffwechsel, University of California, Riverside, Sättigung, Darm, Fettleibigkeit, Gene, Überernährung, Essen