08:29 15 November 2019
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    Isländischer Handball-Trainer Alfred Gislason (Archiv)

    Meistertitel? Her damit, aber dann ist Schluss in Deutschland – Posse um Alfred Gislason

    © AFP 2019 / SASCHA SCHUERMANN
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    Mehr als 22 Jahre hat der isländische Handball-Trainer Alfred Gislason deutsche Handball-Clubs zu Weltklasse-Leistungen geführt. Nach Auslaufen seines Vertrages, meldete sich Gislason ordnungsgemäß bei der Arbeitsagentur als arbeitssuchend. Doch die hat keine Verwendung für den Top-Trainer, wie sie Gislason kühl mitteilte.

    Elf Jahre trainierte Alfred Gislason den deutschen Rekordmeister im Hallenhandball, den THW Kiel. Alleine mit diesem norddeutschen Ausnahmeclub erarbeitete sich Gislason 20 Titel. Am 30. Juni endet sein Vertrag in Kiel.

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    Gislason meldete sich, so wie es das Gesetz vorsieht, drei Monate vor diesem Termin bei der zuständigen Arbeitsagentur als arbeitssuchend. Die Agentur sandte ihm auch eine Nachricht mit einem Terminvorschlag für ein Beratungsgespräch.

    „Sie sind nicht vermittelbar“

    Doch dazu kam es nicht, wie Alfred Gislason, offenbar amüsiert über den Vorgang, den „Kieler Nachrichten“ erzählte. Demnach habe ihn vor dem Termin eine Sachbearbeiterin der Arbeitsagentur in Kiel angerufen und wortwörtlich gesagt:

    „Arbeitsagentur Kiel, wir können nichts für Sie tun. Sie sind nicht vermittelbar. Wenn Sie aber einen Beratungstermin wahrnehmen wollen, können Sie gerne vorbeikommen – ansonsten viel Glück in Hamburg!“

    So jedenfalls zitieren die Kieler Nachrichten die Erinnerung von Gislason an dieses Telefonat. Doch Gislason wird, wenn überhaupt, sein Glück zunächst in Magdeburg suchen müssen. Denn dort hat der 59-jährige Isländer seine Wahlheimat und wird dort hinziehen. Was bedeutet, er muss sich bei der Arbeitsagentur der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt zum 1. Juli als arbeitslos melden.

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    Sich „zum Brennmeister fortbilden zu lassen“, findet Gislason „witzig“

    Offenbar sehr fröhlich, erzählte Gislason nun, wie er sich das vorstellt:

    „Jetzt überlege ich, dort zum Arbeitsamt zu gehen und mich zum Brennmeister fortbilden zu lassen. Das wäre witzig.“

    Ob die gewohnheitsmäßig herz- und teilnahmslose Art und Weise wirklich witzig ist, wie deutsches Recht selbst mit einem international anerkannten Erfolgstrainer wie Alfred Gislason umspringt, mögen andere beurteilen. Gislason muss sich aller Voraussicht nach nicht mit den zweifelhaften Segnungen von Hartz IV herumschlagen.

    Aber sein Fall zeigt, was die verlogene Phrase vom „Fordern und Fördern“, mit der dieses staatliche Niedriglohnprogramm bis heute eisern verteidigt wird, wirklich wert ist.

    Denn wenn ein Mensch, der 22 Jahre ein Spitzentrainer in der Handball-Bundesliga gewesen ist und fünfmal zum „Trainer des Jahres“ gekürt wurde, sich behandeln lassen muss, als sei er ein nutzloser Kostgänger, benötigt man nicht viel Fantasie, sich vorzustellen, wie Hertha und Otto Normalverbraucher in solchen Fällen in Arbeitsagenturen angeblafft und kujoniert werden.

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    Tags:
    Recht, Hartz IV, Arbeitslosigkeit, Sachsen-Anhalt, Magdeburg, Hamburg, Kieler Nachrichten, Trainer, Kiel, Island, Deutschland, Handball