Widgets Magazine
02:54 20 Juli 2019
SNA Radio
    Begräbnis für den ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke

    Fall Lübcke: Verdächtiger stammt aus NPD-Szene – und verübte bereits rechtsextremen Anschlag

    © REUTERS / Pool/Swen Pfoertner
    Panorama
    Zum Kurzlink
    14727

    Im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke übernimmt der Generalbundesanwalt die Ermittlungen. Derweil gibt es neue Details zum dringend Tatverdächtigen.

    Der Generalbundesanwalt soll den Fall um den ermordeten Regierungspräsidenten des Bezirks Kassel, Walter Lübcke (CDU), übernehmen, weil sich der Verdacht eines rechtsextremistischen oder rechtsterroristischen Hintergrunds erhärtet hat.

    Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft erklärte am Montagnachmittag, die Ermittler gingen nach derzeitigem Stand von einem rechtsextremistischen Hintergrund der Tat aus.

    Demzufolge würden über den in der Nacht zum Sonntag festgenommenen 45 Jahre alten Verdächtigen bereits polizeiliche Erkenntnisse über Landfriedensbruch, Körperverletzung und Waffenbesitz vorliegen. Es soll ein langes Vorstrafen- beziehungsweise Erkenntnisregister bei den Behörden zu dem Verdächtigen geben.

    >>>Weitere Sputnik-Artikel: Fall Walter Lübcke: Polizei schnappt „dringend Tatverdächtigen“<<<

    Zudem soll er einen Youtube-Kanal gehabt haben. Darin soll er erklärt haben, es werde bald Tote geben, falls die Regierung nicht handele.

    Bei der Durchsuchung seiner Wohnung seien zudem Waffen gefunden worden, allerdings nicht die Tatwaffe.

    Der Mann soll aus Lichtenfels in Bayern stammen und in der Vergangenheit bereits eindeutige Verbindungen in die rechtsextreme Szene gepflegt haben. Er soll im Umfeld der hessischen NPD und der Autonomen Nationalisten tätig gewesen sein.

    In den 1990er Jahren saß er offenbar eine Haftstrafe wegen eines Angriffs auf Geflüchtete in Hessen ab. Offenbar soll er eine Sprengstoffexplosion herbeigeführt haben. So soll der dringend tatverdächtige Stephan E. im Jahr 1993 laut der „Zeit“ mit einer Rohrbombe eine Asylbewerberunterkunft im hessischen Hohenstein-Steckenroth angegriffen haben.

    Auch weitere Gewalttaten gegen Ausländer, aber auch gegen eine Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), sollen vorliegen.

    Eine zunächst für Montag geplante Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Kassel zusammen mit dem Landeskriminalamt wurde abgesagt.

    Zugleich wird betont, dass auch nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine ganze rechtsextreme Bande am Werk gewesen sei. Dies soll genau ermittelt werden. „Wir haben aus den Fällen NSU und Amri gelernt“, so ein Ermittler.

    Die Hintergründe

    Der Kasseler Regierungspräsident Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni vor seinem Haus im hessischen Wolfhagen-Istha mit einer Schusswaffe ermordet worden.

    Lübcke hatte wegen seines öffentlichen Eintretens für die deutsche Asylpolitik viele Feinde gehabt und in der Vergangenheit zahlreiche Morddrohungen erhalten.

    >>>Weitere Sputnik-Artikel: Erschossener Regierungspräsident Lübcke in Heimatort beigesetzt<<<

    Vor allem im Jahr 2015, als sich der Regierungspräsident mit der Unterbringung von Flüchtlingen beschäftigt hatte, war er zum Ziel zahlreicher verbaler Angriffe geworden.

    Insbesondere seine Aussage, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen, hatte in sozialen Netzwerken zu einer Drohungswelle geführt.

    Nach seinem Tod jubelten zudem mutmaßlich rechtsextreme Nutzer öffentlich im Netz, was bundesweit für Empörung gesorgt hatte.

    SB/ng

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Tatverdächtige, Rechtsextremisten, Rechtsextremismus, Ermittlungsfall, Ermittlungen, Ermittler, Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), Generalstaatsanwalt, Ermordung, Walter Lübcke