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23:45 19 Juli 2019
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    Angehörige der jugoslawischen Armee ziehen einen ausgemusterten Kampfjet vor das Flugzeugmuseum in Belgrad (Archivbild)

    Mit Kampfjet-Attrappen gegen die Nato: Warum die Serben sich bis heute unbesiegt fühlen

    © AP Photo / Sasha Radic
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    Die Bombenangriffe auf Jugoslawien waren der erste „antiseptische Krieg“ der Nato, den die Allianz hoch aus der Luft führte, um sich weniger schmutzig zu machen. Dennoch fühlen sich die Serben angesichts der Dauer der dreimonatigen Operation und der geringen Verluste von Mensch und Material trotz der Ungleichheit der Kräfte bis heute als unbesiegt.

    Der Militärexperte Miroslav Lazanski behauptet, dass die Luftangriffe gegen die jugoslawische Armee im Kosovo wirkungslos waren – die Bomben der Allianz vernichteten deutlich mehr zivile Autos und Militärtechnik-Attrappen als echte Militärtechnik und Artilleriekanonen der jugoslawischen Streitkräfte selbst. Laut dem Experten fanden Forschergruppen der US-Luftstreitkräfte, die nach dem Ende der Operation viele Wochen lang zu Fuß und von Hubschraubern aus das Kosovo durchstreiften, Beweise nur für 58 der 744 angeblich bestätigten Einschläge der Nato-Fliegerkräfte während der Bombenangriffe.

    >>>Mehr zum Thema: „Unsichtbar? Sorry, wussten wir nicht“ – Wie Serben einen F-117-Kampfjet abschossen<<<

    „Bei den Kampfhandlungen in Jugoslawien sagte der Chef des Joint Chiefs of Staff, Henry Shelton, mehrmals, dass bei den Nato-Luftangriffen rund 120 jugoslawische Panzer, 220 Schützenpanzerwagen und bis zu 450 Artilleriekanonen vernichtet wurden. Der damalige Kommandeur der Nato-Kräfte in Europa, General Wesley Clark, war vorsichtiger bei seinen Einschätzungen. Er antwortete auf die Frage, wie viele jugoslawische Panzer und andere Technik im Kosovo vernichtet wurden, stets: ‚ausreichend‘. Als der Kommandeur der Dritten jugoslawischen Armee, General Nebojsa Pavkovic, am Ende des Kriegs sagte, dass die Serben im Kosovo nur 13 Panzer verloren hätten, erwiderte Clark, dass es sich dabei um serbische Desinformation handelt“, so der Experte.

    Ihm zufolge war die jugoslawische Armee angesichts der quantitativen und technischen Überlegenheit der Nato-Kräfte darauf angewiesen, auf Manövrierfähigkeit und Tarnung zu setzen. Die kreativste Idee der Serben bezüglich Tarnung waren Attrappen der MiG-29, dank denen die jugoslawischen Luftstreitkräfte knapp ein Drittel ihrer Flotte vor den Nato-Bomben retten konnten – fünf von 16 Kampfjets MiG-29, die im Dienst der jugoslawischen Armee zu Beginn der Nato-Aggression standen, blieben bis zum Ende der Luftangriffe unversehrt.

    Die einfache Idee, aus Behelfsmaterial und Schrott Flugzeug-Attrappen herzustellen und sie für gegnerische Geschosse aufzustellen, geht auf den Oberstleutnant der Luftstreitkräfte, Djorde Ivanov, zurück. Er erzählte gegenüber Sputnik, wie die Attrappen zusammengebastelt wurden und wie viel Geld dadurch eingespart wurde:

    „Diese Idee kam mir zu Beginn des Krieges, ich fand ein gutes Team von Handwerksmeistern aus Nova Pazova, die diese Idee unterstützten – einen Tischler, einen Schlosser… Wir machten sie aus Schrott und Stöcken. Wissen Sie, es ist nicht einfach, ein lebensgroßes Modell eines Flugzeuges zu bauen, wenn dir beinahe die ganze Zeit Bomben auf den Kopf fallen“, erinnert sich Ivanov.

    Er sagt, dass alles Mögliche eingesetzt wurde – die serbischen Fake-Kampfjets bestanden vor allem aus Bestandteilen, die auf Mülldeponien gefunden wurden: Reifen von alten Autos und Traktoren, Holz, Rohre, billiges Blech… Laut dem „alternativen Flugzeugbauer“ war es am wichtigsten, dass es von oben einem echten Flugzeug ähnelte und das Modell leicht und mobil war, damit man es leicht verlegen und die Aufklärung des Gegners täuschen konnte.

    „Eine Attrappe kostete rund 2000 Euro. Eine echte MiG-29 kostet rund 18 bis 20 Millionen Dollar. Fünf unserer Modelle wurden vollständig vernichtet, in das sechste schlug eine Rakete ein, doch sie explodierte nicht. Meine persönliche Meinung: Wenn wir damals nicht auf diese Idee gekommen wären, dann weiß ich nicht, was von unseren Luftstreitkräften übrig geblieben wäre“, so Ivanov.

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    Tags:
    Attrappen, MiG-29, Luftabwehr, Luftangriffe, Albaner, Serbe, NATO, Jugoslawienkrieg