SNA Radio
    Eine Frau schwimmt in einer Nürnberger Badehalle (Archivbild)

    Hitzköpfe vermiesen Badespaß – Schwimmmeisterverband beklagt zunehmende Aggressivität

    © AFP 2019 / DPA / DANIEL KARMANN
    Panorama
    Zum Kurzlink
    21470
    Abonnieren

    Der Bundesverband deutscher Schwimmmeister beklagt eine immer mehr um sich greifende Aggressivität von Badegästen. Es müsse knallhart durchgegriffen werden, forderte Verbandspräsident Peter Harzheim in der „Rheinischen Post“. Anlass ist ein aktueller Angriff auf einen Bademeister in einem Essener Schwimmbad.

    Am Montag sind im „Oststadt“, einem der beliebtesten Schwimmbäder der nordrhein-westfälischen Großstadt Essen zwei Bademeister von einer Gruppe junger Männer angegriffen worden, berichtet die „Rheinische Post“. Demnach habe sie einer der beiden Bademeister aufgefordert, penetrantes Wasserspritzen zu unterlassen. Daraufhin sei es zum Streit gekommen, in dessen Verlauf einer der Bademeister attackiert wurde. Als er Hilfe und Beistand von seinem Kollegen und den beiden Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes erhielt, flüchtete die Männergruppe. Dabei wurde auch ein 12-jähriges Mädchen attackiert, das dem oder den Schlägern wohl unglücklich im Weg stand. Sowohl das Mädchen als auch der angegriffene Bademeister erlitten leichte Verletzungen.

    Nach den Tätern und den Mitgliedern der Gruppe wird gefahndet. Die Polizei erklärte, die Verdächtigen hätten mehr oder weniger alle gleich ausgesehen. „Sie hatten wohl kurze, dunkle Haare“, zitiert die Rheinische Post, die Sprecherin der Polizei Essen. Sehr viel deutlicher wurde der Vorsitzende des Bundesverbandes der deutschen Schwimmmeister (BDS e.V.), Peter Harzheim. Er könne sich vor Interview-Anfragen kaum retten, erklärt er in einem kurzen Telefonat mit Sputniknews Deutschland. Dabei hatte Harzheim der „Rheinischen Post“ nicht allzu viel gesagt, sondern erklärt, „die Stimmung in den Freibädern werde immer aggressiver.“ Harzheim traf im Gespräch mit der Zeitung auch die Feststellung, dass die Situation seit rund 15 Jahren von Jahr zu Jahr schlimmer werde. Und Harzheim fordert: „Wir müssen da knallhart durchgreifen.“

    Täter mit Migrationshintergrund oder allgemeine Aggressivität und Respektlosigkeit?

    Die Polizei in Essen sah sich nicht in der Lage über die Häufigkeit ihrer Einsätze in Schwimmbädern Auskunft zu erteilen, wie die Zeitung weiter erfuhr. Als Grund wurden fehlende statistische Daten genannt. Der Vorfall im Essener Oststadt-Bad reiht sich ein in eine Reihe von ähnlichen Vorkommnissen im gesamten Bundesgebiet. Auch in der deutschen Hauptstadt Berlin berichten die Medien jedes Jahr über Streitigkeiten vorwiegend junger Männer, die häufig mit rücksichtsloser Brutalität ausgetragen werden. Inzwischen gehören Sicherheitsdienste und Taschenkontrollen, die denen an Flughäfen ähneln, zum gewohnten Bild bei Freibad-Besuchen.

    Die Debatten im Internet kreisen derweil immer wieder um die Frage, ob vor allem junge Männer mit Migrationshintergrund überproportional häufig zu den Gewalttätern gehören oder nicht. Die Äußerungen der Essener Polizeisprecherin lassen ein paar Rückschlüsse zu. Andere Medienberichtete der jüngsten Zeit sprechen mehr oder weniger offen von „südländisch aussehenden“ Jugendlichen oder jungen Männern, die sich mit Machogehabe in öffentlichen Badeanstalten immer wieder aufführen, als befänden sie sich sozusagen auf ihrem Privatgelände. In Berlin überschlugen sich vor einigen Jahren dramatische Berichterstattungen vor allem aus dem so genannten Columbia-Bad, wo es offenbar regelrechte Bandenkriege gegeben habe, die selbst mit Polizeieinsatz nur schwer unter Kontrolle zu bringen waren. Besonders hervor traten dabei auch jugendliche Angehörige der inzwischen einschlägig bekannten Großfamilien, von denen einige überproportional häufig in kriminelle Machenschaften und schwerste Gewaltdelikte involviert seien.

    Bademeister ganz grundsätzlich ein aussterbender Beruf?

    Ob die hohen Temperaturen mit ursächlich dafür sind, dass manche Mitmenschen schneller als üblich ihre Selbstbeherrschung verlieren, gehört inzwischen ebenso zu den immer wiederkehrenden Erklärungsversuchen wie die allgemein beklagte Respektlosigkeit gegenüber staatlichen Autoritäten oder Regeln und die Berücksichtigung von Interessen anderer.

    Organisationen wie die der Bademeister oder die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) legen den Fokus dagegen vor allem auf die massive Krise des Berufes der Bademeister. Mehr als 2500 dieser speziell geschulten Aufsichtskräfte sollen bundesweit fehlen. Hauptgründe vor allem: Arbeitszeiten und Entlohnungen, die als extrem unattraktiv empfunden werden. Doch auch die Aussicht, in gesundheitsgefährdende Handgemenge mit mehr oder weniger pubertierenden Halbstarken und notorischen Machos zu geraten, steigert die Attraktivität des Jobs sicherlich nicht. In Essen soll jetzt eine personelle Verstärkung des Sicherheitsdienstes kurzfristig das Sicherheitsgefühl der Besucherinnen und Besucher des Freibades stärken helfen.

    ape/rp

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Prügelei, Essen, NRW, Schwimmbad