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13:50 18 Oktober 2019
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    Das Büstenreliquiar St. Blasius’ aus dem Welfenschatz bei einer Austellung im Kunstgewerbemuseum in Berlin (Archiv)

    Dank „Reichsfluchtsteuer“ erworben – Frankfurter Museum gibt Gemälde an jüdischen Erben zurück

    © AFP 2019 / TOBIAS SCHWARZ
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    Nach 80 Jahren gibt das Historische Museum Frankfurt am Main ein Gemälde von Karl Peter Burnitz an den Erben des jüdischen Juweliers Hermann Netter zurück. Der Erbe erhebt auch Anspruch auf den sogenannten „Welfenschatz“.

    „Mit dieser Restitution können wir nicht nur ein Objekt an seinen rechtmäßigen Eigentümer übergeben, sondern zugleich einen weiteren Baustein dieses düsteren Kapitels der Museums- und Stadtgeschichte erforschen und bekannt machen“, erklärte Museumsdirektor Jan Gerchow am Donnerstag. Der Erbe hatte das Museum 2012 gebeten, die Herkunft des undatierten Gemäldes „Motive aus dem Frankfurter Stadtwald“ von Burnitz (1824-1886) zu prüfen.

    „Mein Großvater, Mitinhaber des später arisierten Hofjuweliers Robert Koch, Förderer der Städel-Stiftung und hoch angesehener Bürger der Stadt Frankfurt, wurde seit der Machtübernahme der Nazis 1933 als Jude verfolgt und verlor bis zu seiner Flucht aus Deutschland sein gesamtes Vermögen“, so der Juwelierserbe in einer Pressemitteilung.

    Netter habe seine Kunstsammlung 1938 bei der „Reichsfluchtsteuer“ schätzen lassen, die er damals bei seiner Auswanderung zu zahlen hatte, hieß es in der Mitteilung. Bei seinem Gang ins Exil im Sommer 1939 ging das Bild neben weiteren Werken zunächst in den Besitz eines Kunsthändlers über, bevor es einige Zeit später vom heutigen Historischen Museum Frankfurt am Main erworben wurde.

    Netter soll Teil einer Gruppe jüdischer Kunsthändler gewesen sein, deren Nachfahren Anspruch auf den sogenannten „Welfenschatz“ erheben. Dieser umfasst kostbare Altaraufsätze, Schmuckkreuze und Schreine aus dem Braunschweiger Dom. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat den Großteil des Schatzes seit der Nachkriegszeit in ihrer Obhut und wehrt sich gegen die Klage der Nachfahren, die davon ausgehen, dass die Objekte ihren Vorfahren von den Nazis scheinlegal weggenommen wurden. Die Stiftung gab unlängst bekannt, in dem Streit vor den U.S. Supreme Court ziehen zu wollen.

    ba/dpa

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    Tags:
    Gemälde, Erbe, Drittes Reich, Nationalsozialismus (Nazismus), Nazis, Museum, Verfolgung, Juden, Deutschland, Kunst