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02:38 21 Juli 2019
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    Hausschlüssel (Symbolbild)

    Hauskauf nicht möglich: Österreichischer Ort weist muslimische Familie ab

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    In Österreich macht seit mehreren Wochen ein Fall Schlagzeilen, der die Integrationsdebatte in der Alpenrepublik angeheizt hat. Medienberichten zufolge wollte eine elfköpfige muslimische Familie ein Haus in der kleinen niederösterreichischem Gemeinde Weikendorf kaufen, stieß dabei allerdings auf Widerstand der örtlichen Behörden.

    Da die palästinensische Familie Abu El Hosna nicht die österreichische Staatsbürgerschaft hat (die Familie ist staatenlos und lebt seit neun Jahren in Österreich – Anm. d. Red.), muss die Grundverkehrskommission des Landes Niederösterreich dem Hauskauf zustimmen.

    Wie österreichische Medien berichteten, soll die Familie einen Kredit aufgenommen haben, um eine Liegenschaft in Dörfles, einem Ortsteil von Weikendorf, zu erwerben. Doch daraus wurde nichts, weil die Gemeinde scheinbar „kein Interesse“ am Zuzug der Abu El Hosnas habe. Die kulturelle Zugehörigkeit der palästinensischen Familie sei offenbar der Grund, warum sie nicht nach Weikendorf passen würde.

    Der Bürgermeister der 2000-Seelen-Gemeinde Weikendorf, Johann Zimmermann, lehnte Ende April den Erwerb eines Hauses durch die Familie in dem Ort ab. In einer entsprechenden Stellungnahme lautete die Begründung gegenüber der Grundverkehrskommission:

    „Die unterschiedlichen Kulturkreise der islamischen sowie der westlichen Welt liegen in ihren Wertvorstellungen, Sitten und Gebräuchen weit auseinander.“

    Wie das Portal der österreichischen Zeitung „Heute“ Anfang Juni berichtete, hat die Familie diesbezüglich einen Anwalt eingeschaltet. Aus Sicht des Familienvaters Khalid Mansor Abu El Hosna hat das Amt der niederösterreichischen Landesregierung keinen Grund, den Kauf des Grundstücks zu verhindern.

    „Wir hoffen auf eine positive Entscheidung der Grundverkehrskommission“, so der 43-Jährige.

    Nachdem der Fall publik wurde, hat die Ablehnung der Familie eine Debatte bei den Menschenrechtlern ausgelöst.

    Auch im Ortsteil Dörfles machte der Fall die Runde. Der Konsens eines Großteils der Menschen von Dörfles scheint mit der Behördenentscheidung im Einklang zu stehen.

    So wurde am 12. Juni 2019 laut „Heute“ eine Unterschriftenaktion in Dörfles gegen den Zuzug der muslimischen Familie gestartet. Nach etwa einer Woche hatten mindestens 100 der 300 Einwohner dieses Ortsteils von Weikendorf gegen den Zuzug der Abu El Hosnas unterschrieben.

    Das Land forderte die Gemeinde daraufhin zu einer Stellungnahme auf. Nach dem großen Wirbel um diesen Fall sagte die Gemeinde zu, den Fall neu zu prüfen.

    Aktivisten und Menschenrechtler weiterhin alarmiert

    Wie das Portal von „Heute“ berichtete, fand am Sonntag eine Dialogversammlung mit dem Motto „So ist Weikendorf nicht – Miteinander reden“ in der Gemeinde statt.

    Laut den Organisatoren der Veranstaltung, Muhammed Yüksek und Mustafa Durmus, sollten damit Ängste und Vorurteile abgebaut werden.

    So fanden sich insgesamt etwa 20 Menschen vor dem Rathaus in Weikendorf ein. Das Medieninteresse war dafür umso größer - rund zehn Medienvertreter waren vor Ort. Viele Weikendorfer beobachteten das Ganze aus der Entfernung.

    Nach der Veranstaltung zeigte sich Mustafa Durmus zufrieden: „Es gab sehr, sehr gute Gespräche. Die wichtigsten Punkte, die ich mitgenommen habe, sind: Die Weikendorfer sind keine Rassisten. Es ist aber auch normal, dass die Menschen Sorgen haben. Ab und zu ging es hitziger zu, dann erzählte ich einem älteren Herren von meiner Bundesheerzeit und wir fanden wieder einen Nenner. Meine Motivation für diese Veranstaltung war, dass lange Zeit nicht geredet worden war, ich bin selbst am Land in der Südoststeiermark aufgewachsen und war Teil des Dorfes.“

    am/gs

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    Tags:
    Rassismus, Menschenrechtler, Ortseinwohner, Niederösterreich, Kultur, Familie, Muslime, Debatte, Integration, Haus, Ablehnung, Migration, Österreich