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14:21 18 Oktober 2019
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    Edward Gallagher verlässt das Gerichtsgebäude in San Diego

    Kriegsverbrechen im Irak – Freispruch für US-Soldaten

    © AFP 2019 / Getty Images / Sandy Huffaker
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    Ein hochdekorierter Soldat der US-Eliteeinheit „Seals“, der im Irak grausame Kriegsverbrechen begangen haben soll, wurde von einem US-Gericht freigesprochen. Der Elitesoldat hatte geprahlt, mehrere hundert Menschen getötet zu haben, darunter Kinder. Selbst Kameraden zeigten sich entsetzt.

    Im April hatte ein Bericht der „New York Times“ für Aufsehen gesorgt, in dem die Gräueltaten von Edward Gallagher beschrieben wurden. Der Scharfschütze der „Navy Seals“, der Eliteeinheit der US-Armee, war 2017 für 80 Tage im Irak stationiert. In dieser Zeit soll er täglich bewusst auf Zivilisten geschossen haben. Gallagher habe als Zugführer drei- bis viermal so viele Schüsse abgegeben wie andere Scharfschützen.

    240 Tote in 80 Tagen

    Unter anderem habe Gallagher ein Schulmädchen erschossen, das am Ufer des Tigris spazieren ging, und einen alten Mann, der Wasser holen wollte. Augenzeugen berichteten, wie der US-Soldat regelmäßig mit einem Einsatzwagen auf einer Tigris-Brücke haltgemacht habe. Von dort aus habe er mit einem schweren Maschinengewehr ohne erkennbaren Grund auf benachbarte Wohngegenden gefeuert, bis das Magazin leer war. Mehrfach soll Gallagher vor Kameraden geprahlt haben, dass er täglich mindestens drei Menschen getötet habe, einschließlich Frauen. Das ergibt in 80 Tagen 240 Tote.

    15-Jährigen in Nacken und Bauch gestochen

    Bei einer Gelegenheit soll er einen IS*-Kämpfer erstochen haben, während Sanitäter der „Seals“ den kaum 15-jährigen Jungen versorgten. Gallagher sei dazu gekommen, habe den wehrlosen Jugendlichen mit einem Messer in Nacken und Bauch gestochen und anschließend mit einer US-Flagge über dem Toten für Fotos posiert.

    Sichtlich gut gelaunt und als freier Mann

    Ein US-Militärgericht im kalifornischen San Diego sprach Gallagher am Dienstag von den meisten Anklagepunkten frei. Lediglich für das Posieren mit der Leiche des Jugendlichen könnten ihm noch bis maximal vier Monate Haft drohen. Diese wären aber bei einer Verurteilung schon abgegolten, da der Angeklagte bereits neun Monate in Untersuchungshaft saß. Gallagher verließ das Gericht mit seiner Frau sichtlich gut gelaunt und als freier Mann.

    ​Kritik an Kameraden ungewöhnlich bei den Navy Seals

    In der Anklage, die auf Aussagen ehemaliger Mitglieder seiner Einheit basiert, wird beschrieben, wie Gallagher Vergnügen daran hatte, mit Raketen oder Maschinengewehren auf Wohnhäuser und bewohnte Viertel zu schießen bis das Magazin leer war. Der Navy Seal mit dem Spitznamen „Klinge“ war zuvor in Afghanistan stationiert gewesen. Der heute 39-Jährige war oft als Leiter bei Spezialeinsätzen unterwegs. Er bildete andere „Seal“-Kämpfer aus, war Scharfschütze und Bombenspezialist.

    Sein Treiben in den Kriegsgebieten hat selbst die hartgesottenen Soldaten der US-Eliteeinheit schockiert. Die Taten wurden trotzdem zuerst womöglich von ihm und Vorgesetzten an der Marinebasis Coronado in San Diego, Kalifornien, vertuscht. Als einige Soldaten, die mit Gallagher im Irak im Einsatz waren, die Vorgänge an den für ihre Einheit zuständigen Leutnant meldeten, geschah erst einmal nichts. Auch der zuständige Kommandeur der „Seals“ in San Diego riet, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Erst eine andere Marine-Dienststelle außerhalb der Einheit in San Diego habe Ermittlungen eingeleitet.

    Kriegsheld versus Whistleblower

    Dass Mitglieder der „Navy Seals“ gegen eigene Kameraden aussagen, ist höchst ungewöhnlich. Allerdings ist die Meinung über Gallagher sowohl unter den Navy Seals als auch in der Öffentlichkeit gespalten.

    Und auch bei vielen Amerikanern genießt „Eddie“ Sympathie. Viele sehen ihn als Kriegshelden. Eine Spendenkampagne für den Soldaten erbrachte 750.000 Dollar. 40 republikanische Kongressabgeordnete sprachen sich für Gallaghers Freilassung aus. Sogar US-Präsident Donald Trump hatte sich in den Fall eingeschaltet. Er ließ Gallagher aus einer Einzelzelle in eine bessere Haft-Unterkunft verlegen.

    ​Während der mehrfach ausgezeichnete US-Elite-Soldat von den Vorwürfen freigesprochen wird, sollen die Whistleblower Chelsea Manning und Julian Assange in den USA unter anderem wegen der Aufdeckung von Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak angeklagt werden.

    * - Terrororganisation, in Russland verboten

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    Tags:
    Irak, Freispruch, Kriegsverbrechen, USA, SEALS