05:27 18 November 2019
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    Migranten werden von Crew des Rettungsschiffes Alan Kurdi im Mittelmeer gerettet

    Mit 65 Flüchtlingen an Bord: Retter fordern Hilfe Deutschlands für Migrantenschiff „Alan Kurdi”

    © REUTERS / Courtesy of Sea-eye / Social Media
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    Seit Tagen ist das deutsche Rettungsschiff „Alan Kurdi” auf Irrfahrt auf dem Mittelmeer. Niemand will die 65 von einem überfüllten Schlauchboot vor der libyschen Küste geretteten Menschen an Land lassen. Die Helfer an Bord von der Organisation Sea-Eye aus Regensburg wollen sich aber nicht unterkriegen lassen.

    „Wenn sich europäische Länder zur Aufnahme der Menschen bereiterklären, werden die Behörden in Malta sie auch an Land lassen”, zeigte sich Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler in einem Telefonat mit der Deutschen Presse-Agentur (DPA) am Sonntag zuversichtlich. Und an Bord fängt man schon mit die Integration der Migranten an: „Heute Nachmittag beginnt die erste Deutschstunde”, sagte Isler.

    Deutschland als Flaggenstaat

    Deutschland als Flaggenstaat der „Alan Kurdi” müsse nun wie schon bei früheren ähnlichen Fällen Verhandlungen mit den beteiligten Staaten aufnehmen, sagte Isler. Das Bundesinnenministerium und das Auswärtige Amt hätten das bisher immer professionell und effektiv geregelt.

    „Wir erwarten, dass Malta damit nicht alleingelassen wird”, sagte Sea-Eye-Sprecherin Carlotta Weibl der dpa. Wenn die Todesfälle im Mittelmeer aufhören sollen, dann dürften Rettungsschiffe nicht wochenlang vor den Inseln liegenbleiben, sagte sie weiter.

    Die „Alan Kurdi” - benannt nach dem dreijährigen syrischen Flüchtlingsjungen, dessen Leiche im Spätsommer 2015 an einem Strand in der Türkei angespült wurde - ist ein 38 Meter langes früheres DDR-Forschungsschiff. Am Vortag hatte es vergeblich vor Lampedusa auf die Erlaubnis gewartet, in den Hafen der italienischen Mittelmeerinsel einlaufen zu dürfen. „Auf keinen Fall”, hatte Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini dekretiert und harte Strafen angedroht. Daraufhin drehte das Schiff am späten Abend notgedrungen Richtung Malta ab, wo es am Sonntagnachmittag ankommen sollte.

    „Wirklich peinlich”

    „Dass sich nun wieder Staatschefs mit der Verteilung einzelner Migranten befassen müssen, ist wirklich peinlich”, sagte Isler. Es müsse endlich ein Verteilungsmechanismus für Flüchtlinge und Migranten in Europa gefunden werden. „Dann würden auch keine Häfen mehr für Rettungsschiffe geschlossen”, sagte Isler.

    Die Stimmung an Bord sei soweit gut. „Verletzt ist keiner der Geretteten, und die Mannschaft kümmert sich sehr engagiert um sie”, fügte Isler hinzu. Die vor der libyschen Küste von einem überfüllten Schlauchboot geretteten Menschen seien aber geschwächt. Die Verständigung laufe überwiegend auf Englisch. Wer das noch nicht könne, für den würden ältere Migranten übersetzen.

    Trinkwasser knapp

    Allerdings gingen die Vorräte langsam zur Neige. Vor allem Trinkwasser werde knapp. „Spätestens Mittwoch brauchen wir Nachschub an Trinkwasser, die Lebensmittel reichen noch etwas länger”, berichtet der Einsatzleiter: „Geduscht wird nur noch jeden zweiten Tag, und das bei mehr als 30 Grad schon um 8.00 Uhr morgens.”

    Seehofer hatte Salvini aufgefordert, die Dauerkrise der Rettungsschiffe im Mittelmeer zu beenden. „Wir können es nicht verantworten, dass Schiffe mit geretteten Menschen an Bord wochenlang im Mittelmeer treiben, weil sie keinen Hafen finden”, schrieb er am Samstag in einem Brief an Salvini. Der wies das prompt zurück. Eher würde er die Migranten per Bus direkt in die deutsche Botschaft in Rom fahren lassen, sagte er in einem im Internet verbreiteten Video.

    Beifall für seine Haltung bekam Salvini vom Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke. Er sagte am Samstag bei einem Treffen des rechtsnationalen „Flügels” der AfD, Salvini tue das, „was meinem Herzen entspricht und was nach meinem Willen hoffentlich auch irgendwann mal die Mehrheit der Partei als Grundlage ihrer Programmatik formulieren wird, nämlich die Kombination aus Identität und Solidarität”.

    Kritik von Sebastian Kurz

    Auch Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz kritisierte die privaten Rettungsaktionen. „Sie wecken damit nur falsche Hoffnungen und locken damit womöglich unabsichtlich noch mehr Menschen in Gefahr”, sagte der Politiker der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) der „Welt am Sonntag”.

    Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley (SPD), warf Salvini vor, er nehme den „Tod Hunderter Flüchtlinge in Kauf”. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte Barley, das Vorgehen des italienischen Innenministers sei „unmenschlich, unverantwortlich und beschämend”.

    Die Menschen an Bord des italienischen Rettungsschiffes „Alex” durften inzwischen in Lampedusa an Land gehen. Das Schiff mit 41 aus dem Mittelmeer geretteten Migranten war am Samstag trotz eines von Salvini ausgesprochenen Verbots in den Hafen der Insel eingelaufen. Damit folgte die „Alex” dem Beispiel des deutschen Rettungsschiffes „Sea-Watch 3”, das vor einer Woche trotz Verbots unter dem Kommando der Kapitänin Carola Rackete mit 40 Migranten nach Lampedusa gefahren war. Die „Alex” wurde beschlagnahmt; zudem wurde ein Bußgeld in zunächst unbekannter Höhe festgesetzt. Auch die „Sea-Watch 3” ist weiter beschlagnahmt.

    Der rechtspopulistische Salvini hatte zunächst gesagt, er erlaube auf keinen Fall, dass jemand von der „Alex” an Land gelange. Er werde weiter Italien verteidigen. Die gegenteilige Entscheidung habe dann am späten Abend die Finanzpolizei zu Ermittlungszwecken getroffen, teilte das Innenministerium später mit. Sie untersteht dem Wirtschaftsministerium und nicht Salvinis Innenministerium, der damit sein Gesicht wahren konnte. Die „Alex” sei beschlagnahmt worden, gegen den Kapitän werde wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung ermittelt.

    ai/dpa

     

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    Tags:
    Deutschland, Migranten