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22:32 21 August 2019
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    Protest der Verdi-Gewerkschaft vor dem Amazon-Lager in Leipzig (Archivbild)

    Perfide Amazon-Strategie: Trotz Milliardengewinn keinen Tarifvertrag

    © AFP 2019 / DPA / PETER ENDIG
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    Alexander Boos
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    Tausende Mitarbeiter legen bundesweit ihre Arbeit beim US-Versandriesen „Amazon“ in einem gewerkschaftlich organisierten Streik nieder. „Über 2000 Teilnehmer streiken“, so eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi gegenüber Sputnik. Auch in den USA und England gibt es Massenstreiks bei Amazon-Standorten. Linken-Politiker kritisieren „Lohndumping“.

    Am Sonntag und Montag streikten tausende Mitarbeiter des Online-Versandhändlers „Amazon“ an mehreren Standorten des US-Konzerns in Deutschland. Gestreikt wurde nach Angaben der Gewerkschaft Verdi an Amazon-Standorten in Leipzig, Koblenz, Werne, Rheinberg, Graben sowie an den zwei Standorten in Bad Hersfeld. Der Ausstand stehe unter dem Motto „Kein Rabatt mehr auf unsere Einkommen“.

    „Nach unseren Informationen nahmen über 2000 Teilnehmer am Streik teil“, sagte Angelika Reutter, Pressesprecherin der Bundesverwaltung von Verdi, gegenüber Sputnik am Dienstag. Sie verwies auf eine aktuelle Pressemitteilung der Gewerkschaft. Laut dieser fordern die streikenden Amazon-Mitarbeiter „Tarifeinkommen wie im Einzel- und Versandhandel durch Anerkennung der regionalen Flächentarifverträge sowie einen Tarifvertrag für gute und gesunde Arbeit“.

    Der Tarifkonflikt bei Amazon dauert in Deutschland bereits seit 2013 an. Verdi fordert seitdem für Mitarbeiter in deutschen Amazon-Versandzentren tarifliche Regelungen, wie sie im Einzel- und Versandhandel üblich seien. Die Gewerkschaft nutze nun für die Arbeitsniederlegungen den bei Amazon traditionellen Schnäppchentag („Prime-Day“), um Druck auf den Online-Versandriesen auszuüben. Verdi fordert seit langem einen „allgemeinverbindlichen Tarifvertrag“, der auch für Amazon zu gelten habe. Die Gewerkschaft nimmt dabei die Politik und den Einzelhandelsverband „HDE“ in die Pflicht.

    „Während Amazon mit satten Preisnachlässen beim Prime-Day zur Schnäppchenjagd bläst, wird den Beschäftigten eine existenzsichernde tarifliche Bezahlung vorenthalten“, kritisierte der Verdi-Handelsexperte Orhan Akman das US-Unternehmen in der Presseerklärung. „Die Rabatte an die Kundinnen und Kunden lässt sich Amazon durch Tarifflucht und Niedriglöhne der eigenen Beschäftigten bezahlen – damit muss Schluss sein. Das Unternehmen muss endlich die Tarifverträge für den Einzel- und Versandhandel anerkennen; die Löhne und Gehälter bei Amazon dürfen nicht länger nach Gutsherrenart bestimmt werden.“ Das Geld dafür sei vorhanden, allein im ersten Quartal dieses Jahres habe Amazon nach eigenen Angaben weltweit einen Rekordgewinn von rund 3,2 Milliarden Euro erzielt.

    Bislang sind Reaktionen aus der Politik dazu spärlich gesät. An vorderster Stelle hat sich Linken-Parteichef Bernd Riexinger am Montag per Twitter zu den Verdi-Streiks bei Amazon geäußert. Er kritisierte, dass der US-Konzern seinen Mitarbeitern „seit Jahren keinen Tarifvertrag“ anbiete und wünschte den streikenden „Kolleginnen und Kollegen viel Erfolg“.

    ​Bereits 2018 kritisierte der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, gegenüber Medien die Arbeitsbedingungen bei Amazon „als verheerend“. In dem Unternehmen herrsche Lohndumping und eine „permanente Kontrolle am Arbeitsplatz“.

    Der US-Konzern weist laut „n-tv“ die aktuellen Forderungen der Gewerkschaft zurück. „Amazon beweist jeden Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein kann“, wurde ein Unternehmenssprecher zitiert. Amazon biete ein kollegiales Umfeld und attraktive Löhne, so die Behauptung von Amazon. Der Konzern teilte mit, er bezahle in seinen deutschen Logistik-Zentren „am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich“ sei. In Deutschland begännen die Amazon-Mitarbeiter mit einem Lohn von umgerechnet mindestens 10,78 Euro brutto pro Stunde.

    Doch nicht nur an deutschen Standorten wurde gestreikt. „Auch in den USA, genauer in einem Amazon-Versandzentrum in Minnesota, wurden bereits vergangene Woche Streiks angekündigt“, berichtet aktuell der „Logistik-Watchblog“. „In Großbritannien wurden ebenfalls Protestaktionen ausgerufen. In den Fulfillment-Zentren in Rugeley, Swansea, Peterborough, Warrington, Coventry, Doncaster und Milton Keynes rief die britische Gewerkschaft GMB zu Arbeitsniederlegungen auf.“ Auch die Umweltorganisation Greenpeace habe sich den Demonstrationen angeschlossen.

    Amazon betreibt in Deutschland rund ein Dutzend Warenlager und beschäftigt nach eigenen Angaben bundesweit etwa 13.000 Festangestellte.

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    Tags:
    Streik, Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Amazon