19:43 20 Februar 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    10326
    Abonnieren

    Das Atomkraftwerk Grohnde in Niedersachsen soll wegen der steigenden Wesertemperatur voraussichtlich am Freitag gegen Mittag abgeschaltet werden.

    Dann wird für das Flusswasser die kritische Temperaturgrenze von 26 Grad erwartet, teilte eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums am Donnerstag mit. Zum Schutz des Ökosystems der Weser dürfe dann kein wärmeres Wasser mehr in den Fluss geleitet werden.

    Sobald sich die Weser nachhaltig abkühle, werde der Betrieb wieder aufgenommen, teilte die Betreibergesellschaft Preussen Elektra mit. Dies werde voraussichtlich am Sonntag der Fall sein.

    Atomkraftwerk Grohnde

    Das Wasser der Weser wird in Grohnde zur Kühlung des Atommeilers genutzt und anschließend wieder in den Fluss geleitet. Weil die Weser derzeit vergleichsweise wenig Wasser führe, erhitze sie sich deutlich schneller als in Zeiten höherer Pegel, sagte die Ministeriumssprecherin.

    Das Kernkraftwerk Grohnde hat eine elektrische Leistung von 1.430 MW brutto und beschäftigt rund 500 Personen. Das Kraftwerk hat im Februar 2016 als weltweit erstes Kernkraftwerk 350 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt und war seit seiner Inbetriebnahme im September 1984 acht Mal Produktionsweltmeister. Entsprechend der 13. Novelle des Atomgesetzes geht das Kernkraftwerk Grohnde spätestens zum 31. Dezember 2021 vom Netz, heißt es auf der Seite der Betreibergesellschaft Preussen Elektra.

    Beim zweiten niedersächsischen Atomkraftwerk im emsländischen Lingen sei die Lage anders, sagte die Sprecherin. Zum einen werde das Kühlwasser dort anlagenbedingt weniger stark erhitzt als in Grohnde. Zum anderen werde es zum Abkühlen zunächst in ein spezielles Becken geleitet, bevor es schließlich wieder in die Ems gelange. Trotz der gegenwärtigen Hitze sei deshalb in Lingen nicht mit einem Abschalten des Atomkraftwerks zu rechnen.

    Atomreaktoren in Frankreich heruntergefahren

    In Paris ist es mit Temperaturen von bis zu 42 Grad auch so heiß und trocken wie seit 150 Jahren nicht mehr. Wegen hoher Ozonbelastung sind nach Polizeiangaben rund 60 Prozent der zugelassenen Fahrzeuge in Paris von den Fahrverboten betroffen, berichtete die Zeitung „Le Parisien” am Mittwoch, auch in Lyon ist die Situation ähnlich. Electricite de France hat die Leistung von zwei Kernreaktoren in seinem Werk in St. Alban im Südwesten aufgrund des warmen Flusswassers um bis zu 55 Prozent gesenkt. Das Unternehmen, das rund drei Viertel des französischen Stroms produziert, hatte zuvor auch zwei Atomreaktoren in Golfech heruntergefahren, da der Fluss Garonne zu warm ist, um die Anlage zu kühlen. Zwar sollen die Kernkraftwerke laut dem Unternehmen in den kommenden Jahrzehnten auf den Betrieb bei starker Hitze vorbereitet werden, aber die Strompreise sollen schon vorübergehend auf ein Fünf-Monats-Hoch gestiegen sein.

    DWD bestätigt Hitzerekord in Nordrhein-Westfalen

    Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am Donnerstag eine Überprüfung durchgeführt und einen neuen Temperaturrekord für Deutschland bestätigt. Der Temperatur-Höchstwert, der bei einer nicht dem DWD gehörenden Messstation im nord­rhein-west­fä­lischen Geilenkirchen am Mittwoch gemessen worden war, wurde nun offiziell anerkannt.

    ​Zuvor war berichtet worden, dass es Hitzewellen wie momentan nach Ansicht von Klimaforschern künftig häufiger in Deutschland geben wird. „Ob es immer neue Rekordwerte werden oder wir einfach häufiger an diese Rekordmarken herankommen, ist aber noch ein bisschen unklar”, sagte die Direktorin des Climate Service Center Germany in Hamburg, Daniela Jacob, der Deutschen Presse-Agentur (DPA). „Wenn man aber den regionalen Klimamodellen Glauben schenkt, dann können beispielsweise im Oberrheingraben zur Mitte des Jahrhunderts auch Temperaturen bis zu 44, 45 oder 46 Grad kommen.” Alles hänge davon ab, die weitere Erderwärmung zu begrenzen. „Wenn wir weitermachen wie bisher, dann können sich diese Hitzeperioden bis zum Ende des Jahrhunderts auch um den Faktor vier verlängern.” Das wären bis zu 60 Tage pro Jahr mehr als heute, hieß es.

    ai/ae/dpa

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    „Armselige Kreatur“ – Entrüstung über Hans-Georg Maaßens Äußerungen zu Hanau
    Russische Su-24 fliegen Luftangriff gegen Terroristen in Idlib
    Neue Fakten zum Hanau-Anschlag: „Täter war Behörden bekannt“
    Tags:
    Niedersachsen, Atomkraftwerk