09:44 09 Dezember 2019
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    AKW Golfech in Frankreich (Archiv)

    So gefährdet Hitze Atomreaktoren und deutsche Naturobjekte

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    Die Hitzewelle in Europa trägt bereits ihre „Früchte“. Während in Frankreich die Atomreaktoren heruntergefahren werden, sinkt in Deutschland der Wasserspiegel des Rheins und die Ernte schlägt Alarm. Auch die Wälder sollen kurz vor dem Kollaps stehen.

    Es ist soweit: Das Atomkraftwerk Grohnde in Niedersachsen wird vorübergehend am Freitag gegen Mittag bis einschließlich Sonntag wegen der steigenden Wesertemperatur abgeschaltet werden. Der Betreibergesellschaft Preussen Elektra zufolge bedingt die aktuelle Anlagenkonfiguration des Kernkraftwerks, dass das Kraftwerk bei anhaltenden Wesertemperaturen oberhalb von 26 Grad Celsius den Leistungsbetrieb einstellen muss. Zum Schutz des Ökosystems der Weser dürfe dann kein wärmeres Wasser mehr in den Fluss geleitet werden.

    Es ist nicht erstaunlich, denn in Niedersachsen ist am Mittwoch ein neues Hitzerekord erreicht worden: 39,1 Grad wurden laut dem Deutschen Wetterdienst in der Messstation in Lingen im Emsland gemessen. Die bis dahin höchste Temperatur in Niedersachsen seit Beginn der Aufzeichnungen war am 9. August 1992 an der Wetterstation in Unterlüß im Landkreis Celle gemessen worden - damals waren es 38,6 Grad. 

    In Paris ist es mit Temperaturen von bis zu 42 Grad auch so heiß und trocken wie seit 150 Jahren nicht mehr. Wegen hoher Ozonbelastung sind nach Polizeiangaben rund 60 Prozent der zugelassenen Fahrzeuge in Paris von den Fahrverboten betroffen, berichtete die Zeitung „Le Parisien“ am Mittwoch, auch in Lyon ist die Situation ähnlich. Electricite de France hat die Leistung von zwei Kernreaktoren in seinem Werk in St. Alban  im Südwesten aufgrund des warmen Flusswassers um bis zu 55 Prozent gesenkt. Das Unternehmen, das rund drei Viertel des französischen Stroms produziert, hatte zuvor auch zwei Atomreaktoren in Golfech heruntergefahren, da der Fluss Garonne zu warm ist, um die Anlage zu kühlen. Zwar sollen die Kernkraftwerke laut dem Unternehmen in den kommenden Jahrzehnten auf den Betrieb bei starker Hitze vorbereitet werden, aber die Strompreise sollen schon vorübergehend auf ein Fünf-Monats-Hoch gestiegen sein.

    Rhein, Ernte, Wälder in Deutschland betroffen

    Im Sommer 2018 war der Schiffsverkehr auf dem Rhein zum ersten Mal seit mehreren Jahrzehnten gestoppt worden, als schrumpfende Alpengletscher und schwere Dürreperioden die Hauptverkehrsader unpassierbar machten. Kürzlich ist der Pegel in Kaub in Rheinland-Pfalz laut den „Wasserstraßen und Schifffahrtsverwaltung des Bundes“ auf etwa 142 Zentimeter gesunken – etwa 50 Prozent  im Vergleich zum Vormonat. Für den Schwerlasttransport gelten bereits Einschränkungen. Sollte der Wasserstand unter 50 Zentimeter fallen, wird der Schiffsverkehr komplett eingestellt.

    Bei der Ernte von Gerste in Brandenburg fallen die Erträge in diesem Jahr landesweit unter dem Durchschnitt aus, berichtet die dpa. Der Bauernverband befürchtet eine katastrophale Situation nach dem Dürrejahr 2018. Auch bei Winterraps soll man mit 2,5 Tonnen pro Hektar lediglich das schlechte Niveau des Vorjahres erreicht haben. Große Sorgen würden den Bauern laut dem Präsidenten des Brandenburger Landesbauernverbands Henrik Wendorff das für Tierfutter genutzte Grünland und der Silomais bereiten. Hier bedürfe es dringend kontinuierlicher Niederschläge von mindestens zehn Liter pro Woche auf den Quadratmeter.

    In Folge der anhaltenden Trockenheit und Hitze der letzten Jahre habe sich die Situation rund um die Wälder dramatisch zugespitzt, berichtet ihrerseits die Naturschutzorganisation Bund. Wälder und Waldböden sollen ausgedörrt sein, die Bäume durch den permanenten Eintrag von Luftschadstoffen und durch die Überdüngung aus der Luft geschwächt. In ihren Forderungen an die Politiker rufen die Waldexperten dazu auf, das „Waldsterben 2.0“ zu verhindern und die vor allem gefährdeten Fichten- und Kiefernwälder, aber zunehmend auch Buchenwälder zu retten, und zwar nicht in den wenigen Regionen Deutschlands, sondern im Ganzen. 

    „Waldbrände, Stürme und Massenvermehrungen von Borkenkäfer und Nonne lassen in der Folge ganze Waldbestände aus naturfernen Fichten- und Kiefernmonokulturen zusammenbrechen“, so die Botschaft. 

    In Mecklenburg-Vorpommern hatte Anfang Juli der nach offiziellen Angaben größte Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes gewütet. Betroffen waren 430 Hektar auf einem früheren Truppenübungsplatz bei Lübtheen etwa 50 Kilometer südwestlich von Schwerin gewesen.

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    Tags:
    Wald, Hitze, Hitzewellen