Widgets Magazine
04:09 13 November 2019
SNA Radio
    US-Soldaten während der Schlacht um Mossul 2003 (Archivbild)

    Im Blut ertränken: So gehen USA mit friedlichen Zivilisten bei Invasionen um

    © Foto: U.S. Army / Spc. Robert Woodward
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Von
    9026366
    Abonnieren

    Von der Erdoberfläche getilgter Boden und Dutzende Millionen Opfer – in Afghanistan ist man nach wie vor über die provokante Erklärung des US-Präsidenten Donald Trump empört, die US-Streitkräfte wären in der Lage, den seit vielen Jahren andauernden Krieg binnen einer Woche zu gewinnen, wollten jedoch allzu große Opfer unter Zivilisten vermeiden.

    Allerdings verschweigen die Amerikaner dabei, dass sie bei Invasionen in andere Länder Hunderttausende friedliche Einwohner sterben ließen. Auf die blutigsten „Kriege für die Demokratie“ geht Sputnik in diesem Beitrag näher ein.

    Gescheiterter „Blitzkrieg“

    Die US-Armee kämpft gegen die Taliban in Afghanistan schon seit 18 Jahren. Der Einsatz „Enduring Freedom“ begann am 7. Oktober 2001 – weniger als einen Monat nach dem 9/11-Anschlag gegen das World Trade Center in New York. Das US-Verteidigungsministerium plante unter Mitwirkung anderer Nato-Mitglieder eine Art „Blitzkrieg“: Binnen weniger Monate sollten alle Extremisten getötet und die al-Qaida-Anführer festgenommen werden, die für die Terrorangriffe am 11. September verantwortlich waren. Zudem wollten die Amerikaner die Taliban* entmachten, die damals den größten Teil Afghanistans kontrollierten. Aber die US-Kriegsmaschinerie geriet plötzlich ins Stocken.

    Der Einsatz „Enduring Freedom“ wurde nämlich zum längsten Krieg in der Geschichte der Vereinigten Staaten. In Afghanistan kamen Zehntausende friedliche Einwohner, fast 2500 US-Militärs und mehr als 1000 Soldaten der anderen an der Koalition beteiligten Länder ums Leben. Das ausländische Kontingent erreichte zeitweise 140 000 Soldaten (2010).

    US-Soldat vor einem ermordeten Zivilisten in Afghanistan (Archivbild)
    US-Soldat vor einem ermordeten Zivilisten in Afghanistan (Archivbild)

    Im Januar 2015 rief die Nato am Hindukusch eine neue Mission aus: „Resolute Support“. Ihr Hauptziel bestand bzw. besteht in der Ausbildung bzw. Beratung der afghanischen bewaffneten Strukturen. Aktuell befinden sich in Afghanistan etwa 14 000 US-Militärs.

    Zwar geht es dabei offiziell nicht um einen Kriegseinsatz, aber afghanische Zivilisten kommen immer wieder zu Schaden. Nach Angaben der UNO sind am Hindukusch allein im vorigen Jahr 3800 Menschen, darunter ungefähr 900 Kinder und Teenager, gestorben. Mehr als 7000 Menschen wurden verletzt. Laut dem UN-Bericht sind für Angriffe hauptsächlich die Anti-Regierungs-Kräfte verantwortlich, aber viele Experten sind überzeugt, dass Menschen wegen des falschen Vorgehens der US-Kräfte und ihrer Verbündeten sterben.

    So versetzen die Koalitionskräfte oft Luft- und Raketenschläge gegen friedliche Objekte. Kämpfer verstecken sich oft in Wohnhäusern, Krankenhäusern und Schulen. Die Nato macht sich dabei üblicherweise keine Gedanken über das Schicksal der friedlichen Bevölkerung und zerstört einfach Gebäude, wo sich Kämpfer befinden. Und manchmal kommt es zum Blutvergießen, nur weil die Soldaten der Koalition vermuten, dass diese oder jene Menschen mit den Taliban in Verbindung stünden. Dann können ja Dutzende Afghanen erschossen werden.

    Übrigens registriert die UN-Mission am Hindukusch die Verluste unter Zivilisten erst seit 2009. Dabei steigt die Opferzahl von Jahr zu Jahr: 2009 lag sie bei 5900 Toten, 2015 schon bei 11 000.

    Grausame „Charlies“

    Während des Vietnamkriegs der Amerikaner war die Situation aber noch schlimmer.

    Die USA haben dort etwa 60 000 Soldaten verloren, und bei Flächenbombardements (unter anderem wurden dabei Chemiewaffen, Napalm, Phosphorbomben eingesetzt) und Bodeneinsätzen sind etwa drei Millionen Vietnamesen ums Leben gekommen.

    Das Massaker von Mỹ Lai (Son My)
    Das Massaker von Mỹ Lai (Son My)

    Zum Sinnbild der Grausamkeit der Amerikaner wurde eine der Episoden des Vietnamkriegs: das so genannte „Massaker von Son My“. Am 16. März 1968 griffen Soldaten aus der Kompanie „Charlie“ des 1. Bataillons des 20. Infanterieregiments der US-Armee dieses kleine Dorf an und erschossen Bauern, die Reis ernteten. Dabei wurde niemand begnadigt, selbst Greise und Kinder. Viele Frauen wurden vergewaltigt. Im Laufe von nur wenigen Stunden wurden 504 Dorfbewohner getötet.

    Der Grund für diesen Angriff wurde niemals genannt – möglicherweise hatten die Amerikaner in dem Dorf nach Partisanen gesucht. Laut einer anderen Version war das die Rache für die Verluste, die die Kompanie „Charlie“ zuvor tragen musste. Egal wie, aber das Dorf wurde ausgebrannt, und alle seine Einwohner wurden ermordet.

    Versprühen von Agent Orange während des Vietnamkriegs (Archivbild)
    Versprühen von Agent Orange während des Vietnamkriegs (Archivbild)

    In Washington wies man lange jegliche Vorwürfe zurück. Später aber wurden Fotos eines der „Charlie“-Soldaten veröffentlicht, und dann musste die US-Führung dieses Kriegsverbrechen einräumen. Allerdings wurde nur ein einziger Soldat verurteilt, der jedoch auf Verfügung des Präsidenten Richard Nixon seine Haftstrafe in Amerika absaß.

    Ein Vorwand findet sich immer

    Am 20. März 2003 griffen die USA ohne Zustimmung der UNO in den Irak ein – unter dem Vorwand, der dortige Herrscher Saddam Hussein würde Chemiewaffen besitzen. Der Einsatz „Iraqi Freedom“ begann in Kuwait, wo eine 250 000 Mann starke Gruppierung von US- und britischen Soldaten stationiert wurde. Ihnen standen mehr als 700 Kampfjets, 900 Panzer und 700 Panzerfahrzeuge zur Verfügung.

    Die irakische Armee zählte  etwa 400 000 Soldaten, die unter anderem  mit veralteten Waffen (hergestellt noch in der Sowjetunion) gerüstet waren.

    Edward Gallagher verlässt das Gerichtsgebäude in San Diego
    © AFP 2019 / Getty Images / Sandy Huffaker

    Nach dem ersten Raketenschlag gegen strategisch wichtige Objekte und Regierungseinrichtungen begann der Bodeneinsatz. Schon einen Monat später eroberte die von den USA angeführte Koalition die größten Städte im Irak, und am 1. Mai 2003 verkündete Präsident George Bush den Abschluss der Kriegshandlungen. In dem in mehrere Zonen aufgeteilten Land begann ein langjähriges Chaos. Und der Partisanenkrieg dauerte noch bis 2011.

    Die Koalitionskräfte haben im Irak etwa 5000 Militärs verloren. Doch unter irakischen Zivilisten waren die Verluste riesig: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind allein von 2003 bis 2006 zwischen 150 000 und 223 000 Einwohner ums Leben gekommen. Millionen Menschen wurden obdachlos. Die humanitäre Situation im Irak bleibt immer noch instabil.

    Das Schicksal des Balkans

    Ein weiteres Beispiel für gewaltsam aufgezwungene Demokratie ist der Nato-Einsatz in Jugoslawien. Am 24. März 1999 versetzten die Koalitionskräfte um die USA die ersten Raketen- und Bombenschläge gegen Serbien. Die Bombenangriffe dauerten 78 Tage. Das jugoslawische Verwaltungssystem wurde zerstört, und das Land fiel auseinander.

    Novi Sad nach dem Nato-Luftangriff während des Kosovo-Krieges 1999 (Archivbild)
    Novi Sad nach dem Nato-Luftangriff während des Kosovo-Krieges 1999 (Archivbild)

    Neben großen Militär- und Industrieobjekten griffen die Koalitionskräfte auch etliche Zivilobjekte an. Jeden Tag hoben bis 350 Kampfjets ab. Auf Serbien und Montenegro wurden mehr als 21 000 Tonnen Sprengstoff abgeworfen. Angegriffen wurden mehr als 900 Ziele.

    Unter anderem setzte die Nato dabei verbotene Munition mit radioaktiven Stoffen (abgereichertem Uran) ein. Aus unklaren Gründen wurden solche Bomben auch auf Wohnviertel, Märkte, Krankenhäuser abgeworfen.

    Laut den serbischen Behörden haben die Bombardements etwa 3000 friedliche Einwohner, darunter 89 Kinder, das Leben gekostet. Etwa 12 500 Menschen seien verletzt worden.

    * Terroristische Organisationen, in Russland verboten

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Vietnam, Vietnamkrieg, Afghanistan, Irak-Krieg, Jugoslawienkrieg, US-Armee, USA