11:01 19 November 2019
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    Frankfurter Bahnhof nach dem tödlichen Angriff am 29.07.2019

    Tödliche Attacke in Frankfurt: Eritreer galt in Schweiz als erfolgreiches Integrationsbeispiel

    © REUTERS / RALPH ORLOWSKI
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    Der verdächtige Eritreer im Fall der tödlichen Attacke auf ein Kind am Frankfurter Hauptbahnhof galt in seiner heutigen Heimat, der Schweiz, anscheinend als Musterbeispiel für erfolgreiche Integration. Das geht aus übereinstimmenden Medienberichten hervor.

    Am Montag soll der 40-jährige Habte A., ein aus Eritrea stammender Vater dreier Kinder, am Frankfurter Hauptbahnhof eine gleichaltrige Frau und deren achtjährigen Sohn aus bisher unbekannten Gründen vor einen Zug gestoßen haben. Die Mutter überlebte, der Junge aber wurde von der Bahn erfasst und überrollt. Er starb an Ort und Stelle.

    Diese Tragödie sorgte deutschlandweit für Trauer und Entsetzen, die Heimtücke der Tat für breite Empörung.

    Über den mutmaßlichen Täter war bisher nur bekannt, dass er 2006 aus dem ostafrikanischen Eritrea unerlaubt in die Schweiz eingereist war und dort Asyl beantragt hatte. Das Asyl soll ihm nach zwei Jahren gewährt worden sein. 2011 erhielt er eine „Niederlassungsbewilligung C“, den sogenannten Ausländerausweis mit unbeschränktem Aufenthaltsrecht, so das Portal „Welt“.

    Bis zu der Tat lebte er in einer Wohnung in der Nähe von Zürich mit seiner Ehefrau und seinen drei Kindern im Alter zwischen einem und vier Jahren.

    Eritreer galt als Musterbeispiel für erfolgreiche Integration

    Neueste Informationen bezüglich seiner Person könnten einen jedoch durchaus verwundern: Habte A. galt in der Schweiz als positives Beispiel für erfolgreiche Integration.

    Laut der Kronenzeitung wurde der Eritreer aus Sicht der Ausländer- und Asylbehörden in der Schweiz als vorbildlich eingestuft.

    Vermutlich unter anderem deshalb, weil der Mann auch von seinem Arbeitgeber, den Züricher Verkehrsbetrieben (VBZ), positiv bewertete wurde.

    Im Jahresbericht 2017 des Schweizer Arbeiterhilfswerks wurde Habte A. als positives Beispiel für die Arbeit der VBZ präsentiert. Bei Vorgesetzten habe der Mann einen „sehr guten Eindruck gemacht“ und wurde als „fleißig“, „engagiert und zuverlässig“ beschrieben. Er bekam dort eine Festanstellung.

    Bis vor einer Woche blieb der 40-Jährige auch für die Polizei, mit Ausnahme eines kleinen Verkehrsdelikts, völlig unauffällig. Dann kam es bei dem Mann plötzlich zu einem Ausbruch häuslicher Gewalt.

    Offenbar psychische Probleme beim Tatverdächtigen 

    Vergangene Woche soll Habte A. seine Ehefrau und die drei Kinder in der Wohnung eingeschlossen und die Nachbarin mit einem Messer bedroht haben. Dann reiste er nach Deutschland, wo es zu der schrecklichen Tat am Frankfurter Hauptbahnhof kam.

    Den Eritreer sollen psychische Probleme geplagt haben. Denn wie die Schweizer Behörden am vergangenen Dienstag bekannt gaben, war Habte A. in diesem Jahr bereits in psychiatrischer Behandlung.

    Inwiefern der gesundheitliche Zustand des 40-Jährigen bei dem Vorfall eine Rolle gespielt haben könnte, ist den Ermittlungen zufolge noch unklar.

    awm/ae

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    Tags:
    Asyl, Integration, Schweiz, Deutschland