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    DB-Mitarbeiter vor einem ICE-Zug auf dem Frankfurter Bahnhof

    „Vorsicht, Rutschgefahr“: Deutsche Bahn Ziel rechter Satire-Aktion nach Bahnsteig-Morden

    © REUTERS / RALPH ORLOWSKI
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    Valentin Raskatov
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    Das neue Sicherheitskonzept der Deutschen Bahn sieht vor: Interkulturell geschulte Konfliktmediatoren, Rutschgefahr-Aufsteller am Bahngleis zur Verhinderung von „Stürzen ins Gleisbett“. Es stammt von „russischen Hackern“ und ist ein klarer Fall von stimmungsmachender Satire – auf einer Fake-Webseite präsentiert.

    Unter dem Deckmantel einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn macht gerade eine Fake-Pressemitteilung die Runde, in der ein neues Sicherheitskonzept vorgestellt wird. Beim Lesen stößt einem bereits der Plan einer „Geschwindigkeitsdrosselung auf Schrittgeschwindigkeit in Bahnhofsnähe“ der Züge schon sonderbar auf. Wer weiter von Warnschildern und dem Einsatz „interkulturell geschulter Konfliktmediatoren“ liest, riecht schon den Satirebraten. Auch die Empfehlung, Jugendliche unter 14 Jahren stets an der Hand zu führen, „um zufällige oder fremdverursachte Stürze ins Gleisbett zu verhindern“, liest sich wie blanker Zynismus.

    Eine Fake-Webseite unter dem Deckmantel der Bahn

    Ganz im Einklang zu diesen Beobachtungen gelangt man dann auch nicht auf die Original-Webseite der Deutschen Bahn, wenn man den Link in der Pressemitteilung klickt, sondern auf eine an die Bahn angelehnte Fake-Webseite, in der ein absurd wirkendes Sicherheitskonzept vorgestellt wird.

    Ohne direkt Hetze zu sein, lässt die Webseite dennoch die Stimmung von Hetze aufkommen, unter anderem durch das Spiel mit angedeuteten Stereotypen. Der Pressesprecher der Deutschen Bahn ist dort zum Beispiel ein schwarzer Mann mit dem sprechenden Nachnamen „Afewerki“ (so heißt auch ein renommierter eritreischer Politiker), der zu „vernünftigen Lösungen“ rät und sich gegen „vorschnellen Aktionismus“ positioniert. Die Lösungen, die die Fake-Webseite ins Spiel bringt, sind natürlich alles andere als vernünftig, und das soll auch Teil der Botschaft dieses Formats sein.

    Satire-Format spielt mit Kontrastwirkungen

    In einem zentral positionierten Video wird dann das Sicherheitskonzept von einem angeblichen und weiteren Pressesprecher der Deutschen Bahn, Philipp Ruchowski, vorgestellt - mit einer optimistischen Musik unterlegt, wie man sie von Imagefilmen her kennt. Auf der einen Seite stehen Aussagen wie, dass die Deutsche Bahn „wie kein zweites Unternehmen für sicheres und komfortables Reisen“ stehe, sowie die unbekümmert-fröhliche Musik im Hintergrund. Doch diese werden durch eingeblendete Artikel über den Vorfall am Frankfurter Hauptbahnhof sowie laute „Allahu Akbar“-Rufe durchbrochen. Das erzeugt einen starken Kontrast und soll den Eindruck erwecken, dass hier aktiv Verdrängung von den für die Sicherheit Verantwortlichen geübt wird. Dass der ganze Bahnsteig mit „Vorsicht-Rutschgefahr“-Aufstellern zugepflastert wird, verstärkt diesen Eindruck weiter.

    Das Ganze wird zum Abschluss noch komplett auf die Spitze getrieben, indem im unteren Abschnitt der Seite „© Russische Hacker“ steht. Das kann verschieden gedeutet werden: Entweder soll es darstellen, wie leicht so ein „Russenhack“ zu machen ist, oder zeigen, dass unliebsame Vorgänge gern auf andere abgewälzt werden. Und ganz unten, kaum zu sehen, steht dann die Auflösung: „Bei dieser Webseite handelt es sich um Satire. Danke Merkel“. Diese Satire-Aktion ist nicht nur kritisch gemeint, sie scheint auch politisch motiviert.

    Deutsche Bahn will den Vorgang untersuchen

    Sputnik hat der Deutschen Bahn die Fake-Pressemitteilung und die Webseite zur Prüfung gegeben, und ein Sprecher der Bahn hat betont, dass diese Seite nicht von der Deutschen Bahn stamme und dass das Ganze nun untersucht werden müsse.

    Die Fake-Webseite lässt sich als eine Antwort auf die angekündigte Ausarbeitung eines neuen Sicherheitskonzepts bei der Bahn verstehen, an dem aktuell eine Projektgruppe im Unternehmen arbeitet. Den Hintergrund für diese Maßnahmen bildet ein tödlicher Vorfall am Frankfurter Hauptbahnhof, bei dem ein Eritreer einen achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE gestoßen hatte. Die Tat des Mannes, der in psychiatrischer Behandlung gewesen sein soll, hatte eine Debatte über Sicherheit an Bahnhöfen und Gewaltrisiko bei Migranten angestoßen. Wenige Tage davor schubste ein Täter serbischer Herkunft in Voerde eine junge Frau vom Bahnsteig auf die Gleise direkt vor einen einfahrenden Zug. Die 34-Jährige starb noch am Unfallort an den Folgen ihrer Verletzungen.

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    Tags:
    Frankfurt am Main, Sicherheit, Kritik, Migranten, Deutsche Bahn, Gewalt, Satire