20:42 14 November 2019
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    Der Zug vom Typ Re-460 der Schweizer Eisenbahn (Archivbild)

    Schweizer Zugbegleiter bleibt in Zug-Tür stecken und verunglückt tödlich

    CC BY-SA 4.0 / NAC / Wikimedia Commons (cropped)
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    In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist wohl der größte Alptraum eines jeden ÖV-Nutzers wahr geworden: Ein Zugbegleiter wurde von der Tür eines Zuges eingeklemmt und mitgeschleift. Der 54-Jährige erlag daraufhin seinen Verletzungen. Doch wie konnte so etwas passieren und wie gefährlich ist diese Situation wirklich?

    Sonntagnacht um 00:08 Uhr in Baden, Aargau, hat es einen 54-jährigen Schweizer Zugbegleiter erwischt: Die Zug-Türen haben ihn eingeklemmt und der Zug fuhr los, ihn mitschleifend. Aufgrund der schweren Verletzungen ist der Chef für Kundenbegleitung verstorben. Dies berichtet die Schweizer Zeitung „20 Minuten“ in einem Artikel am Donnerstag. Wie genau sich der Unfallhergang abspielte, werde noch untersucht.

    Ursache des Unfalls

    In einem Interview mit „20 Minuten“ erklärt Philippe Thürler von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST), wie es dazu gekommen ist. Laut Thürler hat sich aus der Kontrolle am Sonntagmorgen ergeben, dass das Einklemmschutzsystem versagt hatte.

    „Die Schließkraft wurde nicht deaktiviert, als die Türflügel auf den Zugbegleiter trafen.“

    Der betroffene Fahrzeugtyp sei die Lokomotive Re 460, die Wagen seien jedoch älter, so Thürler. Da sie aus den Jahren 1985 bis 1990 stammen, verfügen sie noch über kein System, das die Abfahrt bei nicht geschlossenen Türen verhindert. Bei neueren Wagen sei eine solche Transaktionssperre vorhanden. Auch der Lokführer konnte den Kollegen nicht sehen, da der Zug mit zehn Wagen 250 Meter lang gewesen sei.

    Einzelfall?

    Für Passagiere sei ein Unfall solcher Art jedoch wesentlich unwahrscheinlicher, meinte Thürler. „Der Zugchef schließt die Türen und beobachtet, ob alle Türen zugehen. Danach schließt er seine Tür, die während der Schließung offen bleibt.“

    Doch in der Schweiz kam es auch schon zu Unfällen ähnlicher Art. Der Presse nach ereignete sich das letztverzeichnete Unglück im April 2012 in Martigny, im Wallis. Der "Aargauer Zeitung" zufolge wurde ein Mann zwei Meter mitgerissen, bevor der Zug anhielt und er befreit werden konnte. Auch 2012 hätte ein Postbeamter beim Rausholen eines Paketes seinen Arm eingeklemmt und wurde ganze drei Kilometer mit dem Zug mitgeschleift. Er trug schwere Beinverletzungen davon, überlebte aber.

    Die Situation in Deutschland

    Wenn man weitersucht, findet man unzählige weitere Fälle, in denen Ähnliches passierte: von abgetrennten Fingern, über Amputationen von Beinen bis hin zum Tod. Auch in Deutschland häufen sich Artikel über derartige Unfälle. Allein im Jahr 2019 findet man einige schockierende Meldungen über das Schicksal von Passagieren, die zwischen den Gummidichtungen der Fahrzeugtüren eingeklemmt waren.

    Im April 2019 berichtet die "Berliner Zeitung" von einem Mann, der 50 Meter von einer losfahrenden S-Bahn an der Station Südkreuz (Berlin) mitgeschleift wurde. Um das Schließen der Tür zu verhindern, hielt der Passagier sein Bein zwischen die Türen und blieb anschließend darin stecken. Zum Stopp kam die S-Bahn nach der Bedienung der Notbremse. Glücklicherweise haben sich der 38-jährige Mann und seine 29 Jahre alte Begleiterin nur leicht verletzt. Sie erlitt einen Sturz beim Versuch, ihren Begleiter festzuhalten.

    Ein weitaus gravierenderer Vorfall ereignete sich in Essen, als ein 13-jähriger Junge seinen Arm in den Fahrzeugtüren eingeklemmt hatte. Die U-Bahn hätte den Jungen ganze 250 Meter mitgetragen, bis er an eine Tunnelwand knallte, berichtet die Zeitung „Der Westen“. Die Notbremse sei zwar betätigt worden, doch laut dem Sprecher der Ruhrbahn, Nils Hoffmann, geschah dies zu spät. Der Lokführer hätte die Bahn nur in den ersten acht Sekunden nach Fahrantritt anhalten können, danach sei er verpflichtet gewesen, weiterzufahren. Der Junge sei lebensgefährlich verletzt worden, konnte aber nach mehreren Eingriffen gerettet werden.

    lm/ae

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    Tags:
    Aargau, Baden, Tod, Zugunglück, Schweiz