18:58 15 Dezember 2019
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    Wildschwein (Symbolbild)

    Auch Jahrzehnte nach Tschernobyl-Desaster: Thüringer Wildschweine radioaktiv belastet

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    In Thüringen haben Jäger im vergangenen Jahr insgesamt 81 Wildschweine nicht in den Handel bringen können. Es liegt an der zu hohen radioaktiven Belastung: Auch 33 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe sind in manchen Gebieten Deutschlands bestimmte Pilz- und Wildarten immer noch stark radioaktiv verseucht.

    Damit war die Zahl fast so hoch wie im Jahr zuvor, als bei 82 geschossenen Schwarzkitteln so viel radioaktives Cäsium-137 nachgewiesen wurde, dass sie nicht weiterverwertet werden durften.

    Dies geht laut „Focus Online“ aus der Antwort des Landwirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten und tierschutzpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, Babett Pfefferlein, hervor.

    Überschreitet ein Lebensmittel einen bestimmten Wert von Cäsium-137 (600 Becquerel - eine Maßeinheit für radioaktive Strahlung - pro Kilogramm), darf es nicht verkauft werden.

    Wildschweine sind laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) stärker als andere Wildtierarten betroffen, weil sie gerne den unterirdisch wachsenden Hirschtrüffel essen, der außergewöhnlich hoch belastet ist.

    „Dass auch 33 Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl noch immer fast 1,5 Prozent aller erlegten Wildschweine so hoch verstrahlt sind, zeigt einmal mehr, was Atomenergie anrichten kann und wie wichtig Erneuerbare Energien auch für den Naturschutz sind“, so Pfefferlein.

    Trotzdem nicht gesundheitsschädlich

    Eine akute Gesundheitsgefahr soll aber nicht bestehen: Trotz der nachweisbaren radioaktiven Belastung sei Wildfleisch in der Regel harmlos. Laut der BfS-Sprecherin Anja Lutz ist gelegentlicher Konsum unbedenklich. „Man sollte aber darauf achten, dass man seine Strahlenbelastung nicht unnötigerweise erhöht, indem man selbst erlegtes Wildbret nur in Maßen verzehrt oder Wildbret aus dem Handel bezieht.“

    Geringer Anteil an erlegten Wildschweinen

    Die Zahl der zu hoch radioaktiv belasteten Wildschweine muss man allerdings ins Verhältnis zur Gesamtmenge der erlegten Tiere setzen, erklärte der Geschäftsführer des Landesjagdverbands, Frank Herrmann. Dem Landwirtschaftsministerium zufolge waren das 2018 in den Eigenjagdbezirken der Landesforstanstalt 5.451 Wildschweine. Im Vorjahr waren es demnach 6.083 Tiere.

    Tschernobyl-Katastrophe

    Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986 im Block vier des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Prypjat. Der Reaktor wurde vollständig zerstört. Große Mengen radioaktiver Stoffe gelangten in die Atmosphäre.

    Der Super-GAU von Tschernobyl gilt als größte zivile Atomkatastrophe in der Menschheitsgeschichte, unter deren Folgen die Einwohner in den umliegenden Gebieten bis heute leiden.

    ta/mt

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    Tags:
    Tschernobyl, Deutschland, Thüringen, Wildschwein