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    Linkshändigkeit (Symbolbild)

    Das macht man doch mit links! - Linkshändigkeit zwischen Genie und Makel

    © Foto: Wikimedia Commons/Alejandro Escamilla
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    Ilona Pfeffer
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    Am 13. August ist der Internationale Tag der Linkshänder. Über Jahrhunderte hinweg als „falsch“ abgestempelt und zwangsumgeschult, gibt es für umgeschulte Linkshänder inzwischen einen Weg zurück zur „starken Linken“. Für manche ist die Rückschulung eine Befreiung und Erlösung nach einem langen Leidensweg.

    Ob Gaius Julius Caesar oder Michelangelo Buonarotti, Ludwig van Beethoven oder Marilyn Monroe, ob Charlie Chaplin oder Kurt Cobain – sie alle waren kreative und überaus erfolgreiche Menschen. Doch nicht nur das verbindet sie, denn: Sie alle waren auch Linkshänder. Auch unter den noch lebenden Stars lassen sich viele Beispiele von erfolgreichen Linkshändern finden, sei es US-Schauspielerin Angelina Jolie, Microsoft-Gründer Bill Gates oder der argentinische Fußball-Weltmeister Diego Maradona. Manche vermuten, es sei gerade der Linkshändigkeit geschuldet, wenn Menschen besonders kreativ und einfühlsam sind – wissenschaftlich erwiesen ist das jedoch nicht.

    Fakt ist hingegen, dass in vielen Ländern der Welt über Jahrhunderte hinweg Linkshändigkeit verpönt war oder bis heute noch ist und Linkshänder teils mit Gewalt auf rechts umgeschult werden. Laut Johanna Barbara Sattler, der Leiterin der Ersten deutschen Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder, war das Umschulen linkshändiger Kinder auch in Deutschland bis in die 1990er weit verbreitet.

    Dabei sei Linkshändigkeit keine „schlechte Angewohnheit“, sondern sei angeboren und vermutlich vererbt, schreibt das Portal kindergesundheit-info.de. Kinder würden zunächst beide Hände etwa gleich häufig zum Greifen benutzen, erst im dritten Lebensjahr sei die Händigkeit bei den meisten Kindern deutlich ausgeprägt. Wichtig sei, dass vor Schulbeginn festgestellt werde, welche Hand das Kind bevorzugt einsetzt.

    „Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass die Händigkeit mit der motorischen Dominanz der linken oder rechten Großhirnhälfte zusammenhängt und bestimmte Gehirnprozesse durch die Händigkeit unterschiedlich ablaufen. Durch eine Umschulung der Händigkeit kommt es zu Über- und Unterbelastungen im Gehirn. In deren Folge kann es zu Störungen und Problemen bei der Konzentrationsfähigkeit und beispielsweise beim Lernen und Behalten, beim Schreiben, Malen und Hantieren kommen. Auch seelische und psychische Probleme können durch eine Umschulung hervorgerufen werden“, so das Portal.

    Auch Johanna Barabara Sattler, die seit den 1980er Jahren zum Thema forscht, beschreibt die Umschulung der angeborenen Händigkeit als „einen der massivsten Eingriffe in das menschliche Gehirn ohne Blutvergießen“. Direkte Folgen einer Umschulung könnten starke Erschöpfung, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten oder auch Links-Rechts-Unsicherheit, feinmotorische Störungen und Sprachstörungen sein. Außerdem könne dies Minderwertigkeitskomplexe, Verhaltensstörungen, den Drang zur Überkompensation, Rückzug und emotionale Probleme wie Depressionen bis ins Erwachsenenalter nach sich ziehen.

    Die Psychologin Marina Neumann kennt die vielen Probleme der umgeschulten Linkshänder, denn auch sie habe sich nach der Umschulung jahrzehntelang mit rechts durchs Leben quälen müssen. Vor knapp 20 Jahren hat die heute 67-Jährige dann den großen Schritt gewagt und sich selbst auf links zurückgeschult. „Ich habe mir mein eigenes Programm zusammengestellt und ganz behutsam und langsam mit links schreiben gelernt. Das war unglaublich gut, hilfreich und entspannend. Die Rückschulung war für mich eine körperliche und psychische Befreiung“, zitiert sie die DPA.

    Heute bietet Neumann auch anderen einst umgeschulten Linkshändern Hilfe dabei an, zu ihrer angeborenen „starken“ Hand zurückzukehren. Viele ihrer Patienten würden  nach einer Rückschulung zu ihren wahren Interessen finden. „Ich habe bei ganz vielen Erwachsenen miterlebt, dass sie noch einmal studiert oder den Beruf gewechselt haben, weil sie plötzlich wussten, wo sie hinwollten“, so Neumann. Bei Kindern stellten sich oft schnell Erfolge ein und sie könnten sich besser konzentrieren, würden viel ruhiger und leistungsstärker in der Schule werden.

    Trotz aller positiven Ergebnisse gelinge eine Rückschulung nicht immer und sei auch nicht in jedem Falle zu empfehlen, so Johanna Barbara Sattler. So würde sie eine solche Therapie nicht für Menschen mit Multipler Sklerose oder Epilepsie empfehlen, weil sich dadurch die Krankheitssymptome verschlimmern könnten.

    Genaue Angaben zur Zahl der Linkshänder in Deutschland gibt es nicht. Die Statistiken reichen von wenigen Prozent bis zur Hälfte der Bevölkerung.

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    Linkshändigkeit, Deutschland