06:28 13 Dezember 2019
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    Eine Berliner Polizistin (Archivbild)

    Die „Hauptmännin von Köpenick“: Wie Transgender-Frau in Berlin Polizistin spielte

    © AFP 2019 / TOBIAS SCHWARZ
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    Die Berliner Presse nennt sie „Hauptmännin von Köpenick“. Zwei Jahre gelang es der geschlechtsoperierten Frau K. (22), sich als Polizistin auszugeben. Dabei nahm sie Personalien auf und half bei Einsätzen. Wie die falsche Polizistin aufflog und was daraus folgt, erklärt Stephan Kelm von der Gewerkschaft der Polizei in Berlin im Sputnik-Interview.

    „Wenn Sie bei der Polizei sind, brauchen Sie einen Dienstausweis und haben mehrere Sicherheits-Merkmale: All das hatte die Dame nicht“, erklärte Stephan Kelm, Landes-Vizevorsitzender der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) gegenüber Sputnik. „Ich glaube, dass Frau K. auch nicht die Möglichkeit gehabt hätte, eine Polizeidienststelle zu betreten. Da sind die Sicherheitsbereiche schon so ausgelegt, dass sie sich da nicht einschleusen konnte.“ Außerdem bereite die Polizei derzeit viele Maßnahmen vor, um das Phänomen der „falschen Polizisten“ noch weiter einzudämmen. Leider komme das immer mal wieder vor, dass sich Unbefugte als Polizeibeamte ausgeben.

    „Wir bekommen bei falschen Polizisten auch viele Hinweise aus der Bevölkerung. Hier war es eine Auffälligkeit durch Kollegen, die (Frau K., Anm. d. Red.) selbst gesehen und enttarnt haben. Fakt ist: Sie können sich auf dem freien Markt auch Polizei-Utensilien und Uniformen erwerben. Siehe Faschingsartikel. Die Frage ist: Wo zieht man hier die Grenze? Und wie gefährlich ist so eine Tat für die Gesellschaft?“

    Falsche „Polizistin“: Massenschlägerei auf dem Alex geregelt

    „Sie trug Polizeijacke, eine schusssichere Weste, Handschellen und Schlagstock“, meldete Anfang der Woche die „Märkische Oderzeitung“. „Seit zwei Jahren gibt sich in Berlin eine 22-Jährige als Polizistin aus, hilft bei Einsätzen mit und will laut eigenen Angaben schon auf dem Dienstwagen mitgefahren sein.“ Wie weit die dreisten Aktionen der Hochstaplerin tatsächlich gingen, „müssen jetzt ihre echten Kollegen klären“. Es gebe ein „laufendes Ermittlungsverfahren“ wegen Amtsanmaßung und Verstoß gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz. „Zu Details können wir uns noch nicht äußern“, wurde Patricia Brämer, eine Sprecherin der Berliner Polizei, zitiert.

    Die falsche Polizistin K. half nach eigener Aussage auch bei einem Großeinsatz auf dem Berliner Alexanderplatz mit. Bei einer Massenschlägerei gerieten dort im März zwei verfeindete Youtuber und ihre Fangemeinden aneinander. Dabei habe die Frau gemeinsam mit echten Beamten Personalien aufgenommen und Leute festgesetzt. Von dem Polizeieinsatz erfahren habe sie über das Internet, wo sie sich regelmäßig über Vorfälle in der Stadt informiert habe. 

    „Ich habe nichts Schlechtes im Sinn. Ich will Menschen doch nur helfen“, sagte K. der „Berliner Morgenpost“ in einem aktuellen Interview.

    In Anlehnung an den echten Hauptmann von Köpenick nennt sie die Berliner Presse nun „Hauptmännin von Köpenick“. Friedrich Wilhelm Voigt wurde als Hochstapler unter dem Namen Hauptmann von Köpenick bekannt, als er 1906 als Hauptmann verkleidet ins Köpenicker Rathaus eindrang, den Bürgermeister verhaftete und die Stadtkasse mitnahm.

    Polizei-Gewerkschafter: „Frage nach Gefährlichkeit ist entscheidend“

    „Man muss den Fall differenzierter betrachten“, urteilte GdP-Landesvize Kelm im Sputnik-Interview.

    „Wir haben es hier mit einer Person zu tun, die einen Hang zur Polizei hat. Solche Phänomene kennen wir, das sind charakterliche Züge und gewisse Neigungen. Bei einer Riesen-Behörde von über 25.000 Mitarbeitern ist es so, dass Sie nicht alles ausschließen können. Nicht alle Polizistinnen und Polizisten in Berlin kennen sich untereinander. Das ist eine Fehlentwicklung von einer einzelnen Person. Das ist ein Einzelfall, meines Erachtens können Sie solche Sachen nie ausschließen. So muss man das bewerten.“

    Die Frage sei: „Wo liegt hier eine gewisse Gefährlichkeit vor? Schädigt sie andere?“ Demnach könne Frau K. als relativ ungefährlich für die Allgemeinheit eingeschätzt werden. „Klar, es sind da auch unschöne Handlungen von ihr begangen wurden. Die Frage ist aber: Ist und war es gefährlich für einen anderen?“ Es sei leider nicht zu verhindern, dass „sich jemand hinstellt, als Polizist ausgibt und Personalien aufnimmt. Er erweckt zwar den Anschein, aber er kann mit diesen Daten ja nichts anfangen. Er kann sie nicht abfragen oder anderweitig weitergeben.“

    Trug K. echte Polizei-Dienstabzeichen?

    Nach Informationen der „Morgenpost“ ziehe die Festnahme von K. in Berlin-Gesundbrunnen nun weitreichende Ermittlungen nach sich. „Denn bei ihrer Festnahme trug K. nicht nur echte Uniformteile, sondern auch einen Schlagstock, Handschellen, Pfefferspray, eine Waffenattrappe, Hoheitsabzeichen und ein Patch der Direktion 5 (Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg).“

    Sputnik wollte wissen, wie die Person an diese angeblich echten Polizei-Dienstgradabzeichen gekommen sei. „Das wird ermittelt“, versicherte der Berliner Polizeigewerkschaftssprecher. „Ich kann aus meiner Erfahrung nur sagen: Echte Abzeichen für die Direktion 5 gibt es in dem Sinne nicht. Es war kein offizielles Hoheitsabzeichen, soviel kann man sagen. Zumindest scheint es nur den Anschein zu erwecken, dass das etwas Offizielles ist. Hier verweise ich wieder auf den Markt wie ‚ebay‘, wo man sich auch Polizei-Sammlerstücke bestellen kann.“

    Behörden kannten Frau K.

    Nach Medieninformationen war Frau K. dem Berliner Landeskriminalamt (LKA Spree) bekannt. Sie wurde in der Vergangenheit bereits wegen „sexueller Nötigung“ verurteilt. Das bedeute aber nicht, „dass solche Personen Tag und Nacht überwacht werden“, erklärt Norbert Cioma, Landesvorsitzender der Berliner Polizeigewerkschaft GdP, bereits am Montag gegenüber Berliner Medien.

    „Mit Sicherheit sind diese Delikte bei der Dame bekannt“, ergänzte GdP-Vizechef Kelm. „Aber wenn Sie die Überwachung ansprechen: Wir haben auch die islamistische und salafistische Szene in Berlin.“ Es gebe in der Hauptstadt eine hohe Anzahl von Gefährdern. „Da muss man selektieren.“ Die Polizei könne nicht jeden überwachen, weil das Gefahrenpotenzial nicht bei jeder der besagten Personen gleich sei.

    Sein Fazit: Die Behörden würden nun Frau K. kennen. „Damit ist sie jetzt amtsbekannt. Ihre Tätigkeiten ab sofort einzudämmen, dürfte uns als Polizei nicht sehr schwer fallen. Ich denke, dass es der Dame nicht gelingen wird, weiteren Unfug zu leisten. Man muss jetzt natürlich auch die laufenden Ermittlungen abwarten.“

    Das Radio-Interview mit Stephan Kelm (GdP Berlin) zum Nachhören:

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    Tags:
    Skandal, Polizistin, Frau, Transgender, Berliner Polizei