Widgets Magazine
05:42 23 September 2019
SNA Radio
    Greta Thunberg während in Hambacher Forst

    Von Regierung gelobt, von Medien gefeiert – was stimmt mit Fridays for Future-Euphorie nicht?

    © REUTERS / WOLFGANG RATTAY
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Von
    5119649
    Abonnieren

    Am Mittwoch ist Greta Thunberg mit einem Segelschiff Richtung USA aufgebrochen – unter anderem, um am UN-Klimagipfel in New York teilzunehmen. Die junge Initiatorin der Fridays for Future-Bewegung gilt heutzutage als eine Ikone. Aber was spielt sich eigentlich hinter den Kulissen ab?

    „Fridays for Future“ ist eine von Schülern und Studenten ausgehende globale soziale Bewegung, die für möglichst umfassende, schnellste und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen eintritt. Der grundsätzliche Vorwurf der Jugendlichen lautet: Die deutsche Politik bekenne sich prinzipiell zum formulierten 1,5-Grad-Ziel des Abkommens von Paris, doch trotz Unterzeichnung handle sie nicht danach. „Fridays for Future“ macht sich für drei allgemeine Forderungen für Deutschland stark:

    • Kohleausstieg bis zum Jahr 2030;
    • komplette Versorgung des Landes aus erneuerbaren Energien bis 2035;
    • Erreichen der sogenannten Nettonull bis 2030.

    Protestiert wird in vielen Ländern weltweit – jeden Freitag gehen tausende Schüler auf die Straße. Doch immer öfter erntet die Bewegung nicht nur Bewunderung, sondern sieht sich auch mit Vorwürfen konfrontiert.

    Keine Kritik erlaubt?

    Beim „Smile for Future”-Kongress in Lausanne Anfang August ließ Klima-Ikone Thunberg Journalisten aus dem Saal werfen. Bei der Veranstaltung kam es zu heftigen Streitereien, sogar Tränen flossen. Deshalb sollten die Reporter gehen, sonst würden sie den Sachverhalt so darstellen, als gäbe es „Streit“ unter den jungen Klima-Aktivisten, forderte Greta. Dabei meinte Thunberg wohl die Negativschlagzeilen, die in den vergangenen Tagen die Runde machten. Der Vorfall zeigte, wie die junge Bewegung sich demokratische Meinungsbildung vorstellt, und ist nicht das einzige Beispiel. In den sozialen Netzwerken herrscht seit langem ein aggressives Klima – die Klimaaktivisten rund um Greta lassen keine kritischen Stimmen zu. Kritik an der Bewegung zieht gleich einen Shitstorm auf Twitter und Facebook nach sich.

    Zu wenig Realitätssinn?

    Die Schulstreiks selbst sollten am Anfang ein symbolischer Akt sein, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Zu einer Dauerveranstaltung sollen sie nicht werden, warnte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne):

    „Sonst sucht sich zum Schluss jeder sein Thema aus, das er dann irgendwie moralisch auflädt, und das geht nicht“. Wie wäre es dann mit zusätzlichen Mondays for Nuclear Armament, Tuesdays for Emancipation, Wednesdays for School Meals?

    Im Laufe der Proteste geht der Realitätssinn verloren. „Greta Thunberg ist für mich eine junge Frau, die in den Medien sehr präsent ist, Forderungen aufstellt, aber dazu keinen Weg zeigt und keine Antworten gibt“, sagte Sachsens Ministerpräsident, Michael Kretschmer. „Ich nehme ‚Fridays for Future‘ sehr ernst. Dort ist aber immer wieder zu hören: Wir stellen Forderungen und ihr habt sie einzulösen. Das geht nicht auf dem Weg zu mehr Klimaschutz. Klimaschützer, zu denen ich mich auch zähle, sollten abwägen können, was machbar ist und was nicht.“ In einem Interview erklärte ebenso FDP-Chef Christian Lindner: „Ich bin für Realitätssinn. Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare, sehen. Das ist eine Sache für Profis.“ Die Aussage erntete sofort Hass und Häme in den sozialen Netzwerken.

    Undurchsichtige Struktur?

    „Eine Bewegung, die nur uns gehört“, beschrieb die 17-Jährige Schülerin Miriam Eichelbaum Fridays for Future. Unabhängig und an keine Organisation gebunden sei diese Bewegung, so das vermittelte Narrativ. Massenkundgebungen, durchorganisierte Reisen und Auftritte der jungen Greta, Organisationsstab, Medienpräsenz, Social-Media-Marketing – so etwas entsteht jedoch nicht innerhalb kürzester Zeit so von ganz allein.

    In der Selbstdarstellung von Fridays for Future heißt es: „Wir sind eine Bewegung von jungen Menschen, die aus eigenem Interesse heraus die Aktion Fridays for Future in Deutschland umsetzen und verbreiten. Dabei sind wir keineswegs an Parteien oder andere Organisationen gebunden.“ Journalist Roland Tichy stellte aber im April klar, dass dies nur die halbe Wahrheit sei. Er konnte nachweisen, dass FFF aufs Engste – auch finanziell – mit der „Plant-for-the-Planet-Foundation“ verbunden ist. Die ursprüngliche Idee der Schülerstreiks rührte ebenso von diesem Projekt her.

    Nach Tichys Artikel kam es zur Gründung eines neuen Spendenvereins namens organize future! e.V. Wie schon zuvor bei der „Plant-for-the-Planet-Foundation“, betreut man dort ebenfalls ein Spendenkonto für Fridays for Future. Es scheint durchaus möglich zu sein, dass noch viele Vereine um die Fridays for Future-Bewegung entstehen, um Gelder für die jungen Aktivisten zu sammeln.

    Kinder als „Marionette“?

    Der Anfang war Greta – die 16-jährige schwedische Schülerin ist die Gründerin und Ideologin von „Fridays For Future“. Als ihr „Entdecker“ gilt der schwedische PR-Manager Ingmar Renthzog. Am 20. August 2018 berichtete die von Rentzhog gegründete Aktiengesellschaft „We Don’t Have Time“ in den sozialen Netzwerken über Thunbergs Schulstreiks. Er habe zufällig von dieser Aktion erfahren, betonte er – und dann auch die Medien darüber unterrichtet.

    Im November 2018 nahm Thunberg einen Platz als Ratgeberin im Vorstand der Stiftung ein. Ihr Name tauchte später auch in einem Prospekt über finanzielle Investitionen auf. In einem gemeinsamen Brief an Investoren schrieb Rentzhog:

    „Die Aufgabe des Unternehmens ist es, Gewinne zu erzielen, Werbeeinnahmen inbegriffen…. es gibt keinen Interessenkonflikt zwischen Klimaschutz und Geldmachen.“

    Den Platz als Ratgeberin des Stiftungsvorstands habe Thunberg vor kurzem verlassen, teilte „We Don’t Have Time“ in einer Pressemeldung mit. Die Begründung: Sie sei nun „einer der gefragtesten Menschen auf der Welt geworden“ und habe für diese Tätigkeit „keine Zeit mehr“. Sie glaube aber weiterhin an „We Don’t Have Time“ und „We Don’t Have Time“ werde sie auch in Zukunft unterstützen.

    Die Eltern von Greta behaupteten in Interviews allerdings, nichts davon gewusst zu haben, dass ihr Kind kommerziell ausgenutzt worden sei. Rentzhog habe Gretas Namen für seine Geschäfte missbraucht und sich dafür entschuldigt. Doch die PR-Spirale geht weiter. Auch Gretas Reise über den Atlantik wird medial inszeniert: Die Sponsoren-Flaggen wurden eingeholt und ein Kameramann mit an Bord genommen.

    Der andere Vorwurf betrifft nicht nur Greta, sondern alle jungen Protestierenden. Die aktive Phase der Bewegung fand vor der Europawahl statt. Zwar wurden keine konkreten Parteien genannt, die man unbedingt bei der Wahl unterstützen sollte, doch lässt sich vermuten, dass eben die Partei, in deren Ideologie Ökologie einen ganz besonderen Platz einnimmt, der zukünftige Nutznießer dieser Werbung bei der Wahl sein könnte: Die Grünen. Schließlich ist zum Beispiel Luisa Neubauer, deutsche Klimaaktivistin und eine der deutschen Hauptorganisatorinnen der Fridays for Future, Mitglied der Grünenpartei.

    Der Finanzkonzern Ökoworld geht mit seinem Angebot, nicht nur grün zu wählen, sondern auch Geld grün anzulegen, noch weiter. Sein Vorstandsvorsitzender Alfred Platow inszeniert sich auch als „engagierter“ Teilnehmer an den Freitags-Veranstaltungen und ist aktiv bei den „Parents-For-Future“ dabei. Bei einer Demo in Freiburg kündigte er noch einmal seine Unterstützung für die Initiative „Parents-For-Future“ an und warb gleich für seinen Fond: Es sei „der erste Elternfonds der Welt, der wie maßgeschneidert passt für die Community Parents for future“ und bei dem „Erwachsene 50+ und Senioren 70+ mit gutem Gewissen und klimafreundlich Geld für ihre Kinder und Enkelkinder anlegen können“. In Ökoworld könnte Greta Thunberg investieren, mit dieser Fondgesellschaft könnte sie sich anfreunden – wie auch Zeitungen in ihre Werbekampagne aufnahmen.

    Die Monetisierung einer Initiative ist bestimmt keine neue Sache in der modernen Welt, doch offen bleibt die Frage: Inwieweit ist die Klimaschutzbewegung der jungen Generation mit dem Geldmachen vereinbar?

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Sponsoren, Klimaschutz, Populismus, Greta Thunberg