04:12 18 November 2019
SNA Radio
    Das spanische Rettungsschiff „Open Arms“ am 20. August 2019

    Brisante Lage auf Rettungsschiff: Mehrere Migranten springen ins Wasser - Landgang auf Lampedusa

    © REUTERS / Guglielmo Mangiapane
    Panorama
    Zum Kurzlink
    5233
    Abonnieren

    Das spanische Rettungsschiff „Open Arms“ ist seit fast drei Wochen auf See. Italien weigert sich strikt, nachdem bereits 27 minderjährige Migranten evakuiert wurden, weitere an Land zu lassen. Einige hielten die Lage an Bord nicht mehr aus - und sprangen ins Meer. Sie gingen an Land. Spanien schickt nun Marineschiff zur „Open Arms“ – für den Rest.

    Die Lage auf dem spanischen Rettungsschiff „Open Arms“ ist nach wochenlangem Tauziehen um einen sicheren Hafen für die Migranten außer Kontrolle geraten. Mehr als ein Dutzend Migranten sprangen am Dienstag ins Wasser und versuchten, die einige Hundert Meter entfernt liegende italienische Insel Lampedusa schwimmend zu erreichen.

    Die Hilfsorganisation „Proactiva Open Arms“ twitterte zunächst seien neun Menschen ins Meer gesprungen. Später folgten ihnen mindestens fünf nach.

    Die italienische Küstenwache barg sie aus den Fluten. Alle seien nach Lampedusa gebracht worden, schrieb Proactiva. 

    Das Fazit: „An Bord hat die Situation ihr Limit erreicht.“

    An Land seien die Migranten umgehend von Ärzten betreut worden, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Das Schiff ist seit fast drei Wochen auf See.

    Bereits am Wochenende hatten sich mehrere Migranten ins Meer gestürzt, sie waren aber von Helfern zurück aufs Schiff gebracht worden. Am Nachmittag wurden zudem zwei weitere Menschen mit gesundheitlichen Problemen von Bord gebracht, wie Medien berichteten.

    „18 Tage in einer Eisenkiste eingesperrt, Wasser und Lebensmittel rationiert ... Die Situation ähnelt der eines libyschen Lagers, aber in italienischen Hoheitsgewässern“, twitterte Proactiva-Gründer Oscar Camps.

    Die spanische Lösung

    Die spanische Regierung kündigte am Nachmittag an, ein Marineschiff zur „Open Arms“ zu schicken. Die „Audaz“ solle das Schiff mit den Migranten vom bisherigen Liegeplatz bis nach Palma de Mallorca begleiten, hieß es. Das spanische Marineschiff wurde seit dem Morgen in der Militärbasis von Rota in Andalusien für die Überfahrt vorbereitet und sollte am späten Nachmittag in See stechen. In drei Tagen soll es Lampedusa erreichen. Die Regierung in Madrid halte dies für die „angemessenste Lösung“, hieß es.

    Verteidigungsministerin Margarita Robles hatte bereits am Morgen eine Lösung in den „nächsten Stunden“ in Aussicht gestellt. Angesichts der humanitären Notlage an Bord dürfe niemand wegschauen, sagte Robles weiter. Der italienische Innenminister Matteo Salvini würde sich nicht um Menschenleben kümmern, sondern nur um seinen Wahlkampf.

    Schon bevor klar war, wie die Lösung Spaniens aussehen würde, teilte Salvini mit: „Spanische NGO, spanisches Schiff, spanischer Hafen: richtig so. Die italienische Kohärenz und die Standhaftigkeit zahlen sich aus, wir sind nicht länger das Flüchtlingslager Europas.“

    Obwohl die „Open Arms“ seit Tagen direkt vor Lampedusa liegt und sich mehrere EU-Staaten zur Aufnahme der Menschen bereit erklärt hatten, will Salvini, der der rechten Lega angehört, die Menschen weiter nicht an Land lassen. „Das, was Salvini im Zusammenhang mit ‚Open Arms‘ macht, ist eine Schande für die gesamte Menschheit“, sagte Robles.

    Zeitweise befanden sich rund 160 Migranten an Bord, jedoch waren mehrmals Menschen in prekärem Gesundheitszustand an Land nach Italien oder Malta gebracht worden. Mehrere Frauen hatten zuvor Panikattacken und Weinkrämpfe erlitten. Auch durften zuletzt 27 nicht begleitete Jugendliche in Lampedusa an Land gehen. Politiker Salvini, der einen extrem harten Kurs in seiner Flüchtlingspolitik fährt, hatte dem aber nur aufgrund des Drucks von Ministerpräsident Giuseppe Conte zugestimmt. Am Dienstagnachmittag waren Medienberichten zufolge noch 83 Migranten an Bord.

    Die Regierung in Madrid hatte dem Schiff am Montag den nächstgelegenen spanischen Hafen angeboten - jedoch sah sich die NGO nicht in der Lage, in der prekären Lage an Bord noch tagelang quer über das Mittelmeer zu fahren. Sie hatte darum gebeten, die Migranten nach Spanien zu fliegen. Wie die Menschen an Bord auf die Lösung aus Madrid reagieren würden, war unklar.

    ba/dpa

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Proactiva Open Arms, Migranten, Matteo Salvini, Italien, Spanien