06:40 06 Dezember 2019
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    Pressekonferenz von Edward Snowden in Russland (Archivbild)

    Snowden über sein Leben in Russland und Hoffnung auf politisches Asyl in Deutschland

    © Sputnik / Pawel Lissizyn
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    Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hat eine persönliche Autobiografie geschrieben, die bald erscheinen soll. In diesem Zusammenhang spricht er in diversen Interviews über sein Leben in Russland, geheime Verheiratung, potenzielle Heimrückkehr und Asyl in Deutschland. 

    In einem Gespräch mit dem „Spiegel“ unterstrich Snowden, er halte bewusst Abstand zur russischen Gesellschaft, führe jedoch im Allgemeinen ein normales Leben in Moskau – er treffe Freunde, fahre mit der U-Bahn und nehme sich ein Taxi.

    „Aber ich mache keine Selfies vor dem Kreml, da die US-Regierung dies nutzen würde, um meine Arbeit zu diskreditieren“, sagte der Ex-NSA-Mitarbeiter.

    Er glaubt nach eigenen Worten, dass Russland „für viele verurteilenswerte Aktionen auf der Welt verantwortlich ist“, fragt sich jedoch, ob die USA nicht dasselbe tun.

    „Hat es (Russland) die Wahlen manipuliert? Das ist absolut sicher. Aber haben die USA die Wahlen nicht manipuliert? Natürlich tun sie dies seit Jahrzehnten“, sagte Snowden. „Jedes Land, das größer als Island ist, wird versuchen, sich in die wichtigen Wahlen einzumischen, und jedes wird es immer bestreiten“, glaubt der Whistleblower.

    Heiraten

    In einem Interview mit „The Guardian“ legte Snowden offen, dass er vor zwei Jahren Lindsey Mills geheiratet habe  – das Paar kenne einander schon seit 14 Jahren. Laut Snowden wurde die Hochzeit geheim gehalten, die Ehe wurde in einem russischen Standesamt eingetragen.

    Der ehemalige US-Geheimdienstler sagte auch, dass er sich anfangs in Russland einsam und abgeschnitten von der Welt gefühlt und befürchtet habe, dass der amerikanische Geheimdienst ihn beobachte.

    „Ich war ein Mann, mit dem sich die mächtigste Regierung der Welt befassen wollte“, sagte er.

    Rückkehr oder Asyl in Deutschland?

    Snowden halte es für wahrscheinlich, dass er eines Tages in seine Heimat zurückkehren wird.

    Der Vorwurf von 2013, er habe die nationale Sicherheit gefährdet, sei „in sich zusammengefallen“. 

    „Mein Anwaltsteam hat die Bedingung gestellt, dass dies ein fairer Prozess würde, bei dem ich mich offen rechtfertigen kann“, sagte er in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung.“

    „Aber bisher haben sie nur versprochen, mich nicht zu foltern.“

    Gleichzeitig äußerte der ehemalige NSA-Beamte die Meinung, dass „überall Politiker und Unternehmer verstanden haben, dass sie Technologien nutzen können, um die Welt
    auf einem neuen Level beeinflussen zu können“, sagte er dem „Spiegel“. In diesem Zusammenhang betonte er, dass „der [US-Präsident Donald] Trump kein Problem ist, sondern ein Produkt des Problems“.

    „Wir müssen die massive Datenerfassung stoppen“, so Snowden. Dies gilt seiner Meinung nach nicht nur für spezielle Dienste, sondern auch für Unternehmen wie Facebook und Google.

    In einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ enthüllte der Whistleblower, er würde immer noch gern politisches Asyl in Deutschland bekommen.

    „Ich glaube, dass jeder, der einigermaßen objektiv auf die Geschichte blickt, erkennen wird, dass, wenn Deutschland mich aufnehmen würde, es inzwischen nicht mehr als ein feindlicher Akt gegen die USA aufgefasst würde“, sagte er.

    Snowden, Ex-NSA-Mitarbeiter, hatte im Juni 2013 in Hongkong streng vertrauliche Informationen zu den Spähprogrammen der Geheimdienste der USA und Großbritanniens an die US-Zeitung „The Washington Post“ sowie die britische Zeitung „The Guardian“ weitergegeben.

    Er floh daraufhin von Hongkong weiter nach Russland, wo er am 23. Juni 2013 eintraf und sich dort einige Zeit im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo aufhielt.

    Russland gewährte Snowden einjähriges Asyl. Im August 2014 erhielt der NSA-Enthüller eine Aufenthaltsgenehmigung für weitere drei Jahre, die im  Januar 2017 bis 2020 verlängert wurde.

    sm/mt

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    Edward Snowden