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09:20 23 Oktober 2019
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    Der deutsche Pop-Sänger Herbert Grönemeyer (Archivbild)

    „Wie ein Redner vor 1945“: Herbert Grönemeyer sorgt für heftige Kontroversen im Netz

    © AP Photo / Michael Sohn
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    Herbert Grönemeyer wettert bei einem Konzert gegen Rechts. Im Internet erntet der deutsche Künstler Zuspruch, aber auch Spott und Kritik. Im Netz-Streit fällt der Name des Reichspropagandaministers Goebbels. Außenminister Maas verteidigt den Künstler.

    Ein Konzertvideo von Herbert Grönemeyer (63) sorgt im Netz für heftige Kontroversen. Der deutsche Künstler hat am Donnerstag bei seinem Auftritt in Wien dazu aufgerufen, „keinen Millimeter nach rechts“ zu rücken. Grönemeyer sagte unter anderem: Auch wenn Politiker schwächelten, und das sei in Österreich nicht anders als in Deutschland, „dann liegt es an uns, zu diktieren, wie 'ne Gesellschaft auszusehen hat. Und wer versucht, so 'ne Situation der Unsicherheit zu nutzen für rechtes Geschwafel, für Ausgrenzung, Rassismus und Hetze, der ist fehl am Platze (...).“

    Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich hinter die umstrittenen Aussagen gestellt. „Es liegt an uns, für eine freie Gesellschaft einzutreten und die Demokratie gemeinsam zu verteidigen“, schrieb der SPD-Politiker am Sonntag auf Twitter. „Danke an Herbert #Groenemeyer und allen anderen, die das jeden Tag tun.“

    ​Das ist nicht das erste Mal, dass sich der Musiker derartig schroff gegen Rechts ausspricht. Diesmal bekam er jedoch heftigen Gegenwind wegen des Stils und seines Tonfalls. Vor allem das Wort „diktieren“ hat viele Gemüter erhitzt.  So gab es auf Twitter am Wochenende Kommentare unter anderem von AfD-Politikern, die Grönemeyers zum Teil brüllende Rede mit Nazi-Propaganda vergleichen. Auch Heiko Maas geriet in Visier der Rechtskonservativen: „Den Außenminister will wie ausdrücklich #Groenemeyer die #Diktatur. Das ist die furchterregendste, übelste, totalitärste Hassrede, die ich je gehört habe“, schrieb die AfD-Politikerin Batrix von Storch auf Twitter. Das sei „Ton und Furor des neuen Terrors von links“. Wer das unterstütze, sei ein Fall für den Verfassungsschutz, betonte die Abgeordnete.

    ​Kritik an der Rede kam nicht nur aus dem rechten Lager. Der Unterstützer der linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“, Autor und Dramaturg Bernd Stegemann twitterte: „Der Tonfall, mit dem Grönemeyer sein Publikum politisch anheizt, macht mir ein wenig Angst. Ich sags ungern, aber er klingt wie ein Redner vor 1945.“

    ​Kabarettist Florian Schroeder verteidigte den Musiker. „Als Besucher des Berliner Grönemeyer-Konzerts kann ich bestätigen und beruhigen: Grönemeyer brüllt alle seine Moderationen so wie diese (übrigens genau wie seine Songs)“. Und wer sich an der Diktatur-Formulierung störe: „Diktieren ist im Hinblick auf die Repräsentanten des Souveräns problematisch“. Doch es sei zu hoffen, „dass in einer Demokratie das Volk, der Souverän, bestimmt, also diktiert“, so Schroeder.

    ​Der Satiriker Shahak Shapira fragt: „Vergleichen Leute jetzt Grönemeyer mit Goebbels, nur weil er eine Rede in ähnlicher Lautstärke gehalten hat? Mein Föhn ist ungefähr so laut wie eine Kettensäge und ich bekomme trotzdem unterschiedliche Ergebnisse, wenn ich sie mir an den Kopf halte.“

    ​Bereits in der Vergangenheit äußerte sich der deutsche Pop-Star Grönemeyer politisch. So sagte er bei einem Festival in Chemnitz im Juli: „Das Land ist unser Land. Wir halten es fest und stabil und lassen es nicht nach rechts ausschwenken.“ Auch ist es nicht neu, dass Maas sich mit Musikern solidarisch zeigt. So lobte er 2016 neben Campino von den Toten Hosen die linke Punkrockband Feine Sahne Fischfilet für ihr Engagement gegen Rechts.

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    Tags:
    Sänger, Rechtsextremismus, Deutschland, Heiko Maas, Herbert Grönemeyer