01:11 11 Dezember 2019
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    Verkehr in Berlin (Archiv)

    „Bestehende Regeln auf den Kopf stellen“ – Keine Parkplätze beim Parking Day?

    © AFP 2019 / JOHN MACDOUGALL
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    Beim sogenannten „Parking Day“ werden im öffentlichen Straßenraum kurzfristig öffentliche Parkplätze umgewidmet. Der internationale Aktionstag findet jährlich am dritten Freitag des Septembers statt, auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

    „Der ‚Parking Day‘ ist ein kreativer Eingriff in den Alltag der Stadt, wo die Autos sehr dominieren“, erklärt der Koordinator „PARK(ing) Day“ vom Verein „autofrei leben!“ Heiko Bruns im Sputnik Interview. „Autorfrei leben“ organisiert den „Parking Day“ in Berlin seit 2009.

    Nicht der klassische Protestansatz

    „Das Ganze wurde das erste Mal 2005 in San Francisco vom Künstlerkollektiv ‚Rebar‘ durchgeführt“, berichtet Bruns. „Es ist nicht der klassische Protestansatz, sondern es geht um die kreative Wiederaneignung von öffentlichem Raum, indem man Rollrasen auslegt, indem man ein Straßencafé macht, indem man Fahrradständer hinstellt, was einem auch immer einfällt. Was man mit den 14 Quadratmetern, die ein Parkplatz beansprucht, doch einfach schöneres machen könnte.“

    Die zentrale Kundgebung findet dieses Jahr an der Kreuzberger Wrangelstraße statt. Zwischen 10 bis 13 Uhr wird es dort keinen Autoverkehr geben. Verschiedene Initiativen – darunter der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club), Volksentscheid Fahrrad oder Changing Cities – und Anwohner werden dann die Wrangelstraße in einen Begegnungsort ohne Autos verwandeln.

    Diskussion erwünscht

    Wenn man sich selber am „Parking Day“ beteiligen möchte, kann man im Internet unter www.parking-day-berlin.de/ nachgucken was angeboten wird, berlinweit mittlerweile 22 Aktionen, und dort mitmachen, oder sich das Ganze angucken. Die Grundidee beschreibt Bruns folgendermaßen:

    „Man zieht ein Parkticket, hat eine Parkscheibe und nutzt den Parkplatz für den Zeitraum anders als dort ein Auto zu parken.“

    Seine Empfehlung ist allerdings dies nicht alleine zu machen, denn in einer Gruppe oder mit mehreren Menschen mache das alles mehr Spaß. Man stelle bestehende Regeln auf den Kopf und normalerweise stehen dort Autos, was zu Diskussionen führen kann und soll. Darauf müsse man sich ja auch ein bisschen vorbereiten.

    Städte werden von Autos dominiert

    Auch in der Schweiz sind über 50 Projekte zum diesjährigen „Parking Day“ angekündigt. Der Aktionstag wurde dort durch Verein „umverkehR“ landesweit bekannt.

    „Den Verein ‚Umverkehr‘ gibt es seit 27 Jahren“, erzählt Kampagnenleiter Daniel Costantino. „Damals sollte der mobilisierte Individualverkehr halbiert werden. Dazu wurde eine Initiative gemacht, die ist sehr stark abgeblitzt. Wir wurden aber von Leuten unterstützt ,die gesagt haben, das Thema ist wichtig und es gibt uns immer noch nach 27 Jahren. Themen sind eigentlich die gleichen geblieben: Mehr Platz in den Städten für den Fußverkehr, den Radverkehr, den öffentlichen Verkehr, idealerweise auf Kosten des motorisierten Individualverkehrs. In den Städten gibt es immer mehr Haushalte ohne Autos – zum Teil mehr als die Hälfte – aber die Städte werden noch immer nach wie vor von Autos dominiert.“

    Das komplette Interview mit Heiko Bruns zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Daniel Costantino zum Nachhören:

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    Tags:
    Verkehr, Parkplatz, Deutschland