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00:04 20 Oktober 2019
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    Ältester Reiseveranstalter der Welt Thomas Cook ist pleite: Condor versichert weiteren Flugbetrieb

    © REUTERS / PHIL NOBLE
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    Beim britischen Reiseveranstalter Thomas Cook ist der letzte Rettungsversuch gescheitert. Der älteste Touristikkonzern der Welt hat kein Geld mehr und steht kurz vor der Zwangsliquidation. Ein entsprechender Insolvenzantrag vor Gericht wurde bereits gestellt. Das teilte die Unternehmensspitze in London am Montag auf ihrer Webseite mit.

    Zugleich versicherte der deutsche Ferienflieger Condor, ein Tochterunternehmen, kurz nach Bekanntwerden der Insolvenzpläne, dass der Flugbetrieb weitergehe.

    „Condor-Flüge werden weiterhin durchgeführt, obwohl die Muttergesellschaft Thomas Cook Group plc ‎Insolvenz eingereicht hat“, heißt es laut der Agentur dpa in einer Mitteilung vom Montagmorgen.

    „‎Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit ‎beantragt. Dieser wird derzeit von der Bundesregierung geprüft.“

    London lehnte Thomas-Cook-Anfrage über 150 Millionen Pfund ab

    Die britische Regierung hatte nach Angaben von Premierminister Boris Johnson eine Finanzierungsbitte von Thomas Cook über 150 Millionen Pfund (knapp 170 Millionen Euro) abgelehnt.

    „Das ist natürlich eine Menge Steuergeld und stellt, wie die Menschen anerkennen werden, eine moralische Gefahr für den Fall dar, dass Unternehmen künftig mit solchen wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert werden“, sagte Johnson der britischen Agentur PA zufolge in der Nacht auf Montag noch vor der Einstellung des Geschäftsbetriebs des Touristikkonzerns.

    „Es ist wahr, dass an die Regierung eine Bitte für eine Unterstützung in Höhe von etwa 150 Millionen (Pfund) ergangen ist“, erklärte Johnson. Er sagte, es müssten Wege gefunden werden, damit Reiseveranstalter wie Thomas Cook oder der Ferienflieger Monarch, der 2017 Insolvenz angemeldet hatte, vor einer Pleite geschützt werden.

    Einstellung des Geschäfts

    Zuvor hatte die Unternehmensspitze von Thomas Cook mitgeteilt, man müsse nach Gesprächen mit Banken, Gläubigern und Regierungsvertretern in London das Geschäft sofort einstellen. Noch bis Sonntagabend war mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 200 Millionen Pfund (226 Millionen Euro) verhandelt worden, jedoch erfolglos.

    ​Wie die britische Luftfahrtbehörde CAA am Morgen mitteilte, sei der Flugbetrieb in Großbritannien mit sofortiger Wirkung eingestellt, Konzernchef Peter Fankhauser bedauerte das Scheitern der Gespräche und sprach in der Erklärung von einem „tieftraurigen Tag“ für den Konzern. Nun drohen Hunderttausende Urlauber zu stranden. Touristen berichten bereits von dramatischen Szenen in Hotels.

    Der britische Außenminister Dominic Raab hatte bereits am Sonntag besorgten Urlaubern die Unterstützung der Regierung in London zugesagt. Die Regierung sei bereit, Urlauber nach Hause zu holen.

    Codename „Matterhorn“

    Die Luftfahrtbehörde CAA hatte für den Notfall bereits am Sonntag zahlreiche Flugzeuge bereitgestellt. Damit laufe „die größte Rückholaktion in Friedenszeiten“ an, um rund 150.000 Urlauber aus verschiedenen Ländern nach Hause zu holen. Die Rückholaktion trägt nach BBC-Angaben den Codenamen „Matterhorn“. In der Nacht seien bereits die ersten Flugzeuge zu verschiedenen Zielen gestartet, um britische Urlauber nach Hause zu bringen, hieß es bei CAA.

    ​Deutsche Veranstaltertöchter stoppen Reiseverkauf

    Die deutschen Veranstaltertöchter, zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, haben den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben komplett gestoppt. Man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden, teilte die Thomas Cook GmbH laut der Agentur dpa am Morgen in Oberursel bei Frankfurt mit.

    ​Thomas Cook

    Der 1841 gegründete Reiseveranstalter betrieb Hotels, Ferienressorts und Airlines und veranstaltete Kreuzfahrten. Von den 105 Flugzeugen im Konzern sind 58 für den deutschen Ferienflieger Condor unterwegs. Weltweit hat Thomas Cook rund 21.000 Mitarbeiter in 16 Ländern, davon sind etwa 4.500 in Deutschland bei Condor beschäftigt.

    Thomas Cook war in den vergangenen Jahren immer wieder in Schieflage geraten. Bereits im Jahr 2012 retteten mehrere Banken den Konzern nach immensen Abschreibungen auf das britische Geschäft und IT-Systeme mit frischem Geld vor dem Untergang. Auch dadurch sitzt Thomas Cook auf einem Schuldenberg in Milliardenhöhe und ächzt unter der hohen Zinslast. Der jüngste Preiskampf im Reise- und Fluggeschäft kam erschwerend hinzu, ebenso anhaltende Unsicherheit rund um den Brexit, die die Urlaubsfreude der britischen Kundschaft dämpft.

    Um dringend benötigtes Geld zu bekommen, hatte der Konzern im Februar sogar seine Fluggesellschaften samt Condor zum Verkauf gestellt. Im Juli blies er das Vorhaben wieder ab und präsentierte stattdessen einen umfangreichen Rettungsplan mit Investoren – der nun scheiterte.

    ns/sb/dpa/sna

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    Tags:
    Reiseveranstalter Thomas Cook, Peter Fankhauser, BBC, dpa, Großbritannien, Deutschland