08:06 07 Dezember 2019
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    US-Langstreckenbomber vom Typ B-52 Flying Fortress (Archivbild)

    „Schlimmer als Tschernobyl“: Wie Amerikas Norden einem Super-GAU gerade so entging

    © Foto : National Museum of the U.S. Air Force / Wikimedia Commons
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    Ein Bomberbrand auf der Luftwaffenbasis Grand Forks in North Dakota vor 39 Jahren wäre beinah in einer atomaren Katastrophe geendet. Es hätte schlimmer kommen können als in Tschernobyl, sagte ein renommierter Nuklearwissenschaftler aus den USA Jahre später. Das Portal „The Drive“ berichtet.

    In den letzten 20 Jahren des Kalten Kriegs hielt die US Air Force mehrere B-52 in ständiger Alarmbereitschaft. Bei drohendem Atomschlag sollten die schwer beladenen Bomber schnell zu einem Gegenschlag starten – oder sie patrouillierten gefechtsbereit in der Luft. So auch am 15. September 1980.

    Eine B-52 „Stratofortress“ war gerade für den Fall einer nuklearen Eskalation mit Atomwaffen beladen worden: acht Kurzstreckenraketen AGM-69A und vier Bomben B-28 – eine Sprengkraft von insgesamt 8,6 Megatonnen.

    Noch in den Sechzigerjahren war den US-Strategen klar geworden, dass es für die B-52 im Einsatzfall schwer sein würde, Ziele in der Sowjetunion tatsächlich zu treffen: die intensive Flugabwehr der Sowjets sperrte das Gebiet quasi ab. Also wurden die „Stratofortress“ mit nuklearen Kurzstreckenraketen zur Bekämpfung sowjetischer Fla-Stellungen bestückt. Die B-52 vom 15. September 1980 war keine Ausnahme.

    ​Das Bodenpersonal bereitete die Maschine gerade auf einen Patrouillenflug vor, als ihr fünftes Triebwerk in Brand geriet. Die Besatzung konnte den Bomber schnell verlassen, die Feuerwehr rückte an. Starker Wind erschwerte die Löscharbeiten. Vor allem aber war problematisch, dass das Flugzeug vollbetankt war: Das brennende Triebwerk wurde weiterhin mit Treibstoff versorgt.

    ​Über drei Stunden bekämpfte die Feuerwehr den Brand, drei Feuerwehrleute erhielten leichte Brandverletzungen, einer von ihnen musste zusammen mit der Bombercrew wegen Rauchvergiftung behandelt werden. Aber: Die Möglichkeit eines „nuklearen Vorfalls“ sei trotz des Brands sehr gering gewesen, erklärte das Pentagon gleich nach dem Unfall. Erst acht Jahre später kam ans Licht, wie ernst die Lage eigentlich war.

    1988 erklärte Dr. Roger Batzel, damaliger Leiter der Lawrence Livermore National Laboratory (einer wichtigen Kernforschungseinrichtung in den USA), vor einem Unterausschuss des Senats, der Vorfall mit der B-52 sei in gewisser Hinsicht etwas gewesen, „das vielleicht hätte schlimmer werden können als Tschernobyl“.

    Eine B28FI-Bombe wird aus einer B-52H entladen (Archivbild)
    Eine B28FI-Bombe wird aus einer B-52H entladen (Archivbild)

    Wäre der Wind aus einer anderen Richtung gekommen, hätten die Flammen vom brennenden Triebwerk den Bomberrumpf erfasst: weder die Crew noch die Waffenfracht hätten gerettet werden können.  Beim Brand einer B-52 drei Jahre später war es genauso gekommen, erklärte der Wissenschaftler: Die Maschine brannte völlig aus, alle Besatzungsmitglieder kamen in den Flammen um. Gott sei Dank, waren noch keine Waffen in die Maschine geladen worden.

    Am 13. September 1980 war es anders: acht Raketen und vier Bomben waren im Waffenschacht der brennenden B-52, allesamt nuklear bestückt. „Hätte das Feuer die Bombenschächte erfasst, wären die Triebwerke der Raketen und die Sprengköpfe der Bomben wahrscheinlich explodiert“, erklärte Dr. Batzel im Senat.

    Eine thermonukleare Detonation wäre dadurch zwar nicht ausgelöst worden.

    „Aber das hochradioaktive Waffenplutonium hätte sich in der Atmosphäre über das gesamte Gebiet von North Dakota und Minnesota verbreitet.“

    Radioaktive Substanzen hätten den Boden und anschließend das Grundwasser verseucht. Das Gebiet wäre – angesichts der Halbwertszeit von Plutonium – auf Abertausende Jahre kontaminiert worden. Eine Dekontamination hätte einen enormen Aufwand erfordert. „Möglicherweise hätte eine Sperrzone wie in Tschernobyl eingerichtet werden müssen“, sagte Batzel.

    Im Umkreis von 20 Meilen rund um die Luftwaffenbasis Grand Forks lebten damals 70.000 Menschen. Sie alle wären lebensgefährlicher Strahlung ausgesetzt gewesen. 

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    Tags:
    Tschernobyl, Kalter Krieg, Atomwaffen, Nuklearwaffen, USA, USAF, Bomber B-52 Stratofortress, US-Bomber B-52, B-52