19:58 14 November 2019
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    die französische Journalistin Sandra Muller am 25. September 2019

    Den eignen Belästiger entschädigen: Wie sich ein Hashtag gegen die Opfer wendet

    © AP Photo / Thibault Camus
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    Die französische Journalistin Sandra Muller hat ein Äquivalent zum englischen Hashtag #MeToo herausgebracht und muss jetzt dafür büßen: Ihr Belästiger hat sie aufgrund von übler Nachrede angeklagt. Nun wurde sie vom Gericht schuldig gesprochen. Ihre Anwälte kündigten jetzt schon an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen.

    Am Mittwoch entschied ein Gericht in Paris, die französische Journalistin Sandra Muller für schuldig zu erklären. Grund der Verurteilung war laut der Schweizer Zeitung „Tages-Anzeiger“ üble Nachrede, für die Muller 20.000 Euro Entschädigung zahlen müsste. Übersetzt mit „Verpfeif dein Schwein“ haben tausende Frauen unter dem Hashtag #balancetonporc ihre Geschichten über sexuelle Belästigung geteilt. Es war die Journalistin, die im Oktober 2017 dieses französische Pendant zum Hashtag #MeToo lancierte. Sie entblößte den Ex-Chef einer französischen Fernsehsendung über Pferdesport, Eric Brion, mit folgendem Tweet:„ ‚Du hast große Brüste. Du bist mein Typ Frau. Ich werde dich die ganze Nacht zum Orgasmus bringen.’ Eric Brion, Ex-Chef von Equidia“.

    Zwei Jahre nachdem das „Times“-Magazin Muller zur Person des Jahres kürte, wird sie als Schuldige verurteilt. Das Gericht begründet den Entscheid damit, dass sie „die Grenzen der freien Meinungsäußerung überschritten“ hätte, so der „Tages-Anzeiger“. Das Urteil wurde mit dem Wissen ausgesprochen, dass Brion selbst die Anschuldigungen eingestanden hat. Zwar hätte er sich am nächsten Morgen per SMS entschuldigt, doch die Aussagen aus dem Tweet habe er wörtlich wiedergegeben.

    Es war jedoch nicht Brions Geständnis oder die Argumentation seiner Anwältin, die den stärksten Einfluss auf das Gerichtserfahren nahm. Das Gericht habe am meisten Wert darauf gelegt, wie sich dieser Tweet auf das Leben Brions auswirkte. Dem „Tages-Anzeiger“ zufolge, sei Brion von seiner Freundin verlassen worden, in eine „soziale Isolation“ geraten und musste auch aufgrund von Depressionen zu Medikamenten greifen. Trotzdem wären die Anwälte von Muller nicht bereit, es dabei zu belassen. Sie haben schon angekündigt, in Berufung zu gehen, da die Justiz laut der Anwältin „kein positives Signal“ sendete. Außerdem würde dieses Urteil der „freien Rede das Maul stopfen“.

    lm

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    Tags:
    Schuld, Sandra Muller, MeToo, Frankreich