22:05 19 November 2019
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    Boris Johnson (Archiv)

    Hat Boris Johnson eine Journalistin begrapscht? Neuer Belästigungsskandal heizt London auf

    © AP Photo / Frank Augstein
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    Das politische Chaos in London droht sich noch zu vertiefen: Eine Journalistin wirft Großbritanniens Premierminister Boris Johnson vor, sie und eine Kollegin begrapscht zu haben. Er weist die Anschuldigung zurück.

    Auf die Frage, ob er Charlotte Edwardes, Journalistin und Autorin bei der altehrwürdigen „Sunday Times“, wie von ihr berichtet, bei einem Essen 1999 begrabscht habe, antwortete Johnson am Montag in einem Fernsehinterview: „Nein.“

    Zu dem Vorfall war es laut Edwardes während einer Feier gekommen, zu der sie die „Sunday Times“ eingeladen hatte. Johnson war zu dieser Zeit auch als Journalist tätig. Unter dem Tisch habe der heutige Premier seine Hand auf ihren Oberschenkel gelegt und sie gekniffen, so Edwardes. Gewehrt habe sie sich nicht. „Das ist Arbeit, also schweige ich“, seien ihre Gedanken gewesen. Nach dem Essen habe sie sich einer anderen Frau anvertraut, die auf der anderen Seite neben Johnson gesessen habe. Diese Frau habe ihr gesagt, dass Johnson auch sie betatscht habe.

    Aus 10 Downing Street, dem Amtssitz des britischen Premiers, hieß es von Seiten eines Regierungssprechers: „Die Behauptung ist falsch.“

    „Wenn sich der Premierminister nicht an den Vorfall erinnern kann, dann habe ich eindeutig ein besseres Gedächtnis als er“, schrieb sie bei Twitter.

    ​Unerwartete Schützenhilfe erhielt die Journalistin von Johnsons Gesundheitsminister Matt Hancock. Er erklärte in einem Interview, er „kenne sie und wisse, dass sie glaubwürdig ist“. Die Ex-Arbeitsministerin und Johnson-Kritikerin Amber Rudd pflichtete Hancock per Twitter bei: „Ich stimme ihm zu.“

    ​Von der Labour-Sprecherin für Frauen und Gleichstellung kamen drastische Worte in Richtung Johnson. Die Schilderung von Edwardes sei eine „schockierende, aber leider allzu vertraute Geschichte“, schrieb sie bei Twitter. „Boris Johnson muss ernste Fragen beantworten.“

    Boris Johnson hat indes noch mit einem weiteren Vorwurf zu kämpfen. Es geht um einen möglichen Amtsmissbrauch in seiner Zeit als Bürgermeister von London (2008 bis 2016). Er habe nichts zu erklären gehabt, sagte er auf die Frage des BBC-Moderators Andrew Marr, ob er seine Freundschaft zu der US-Geschäftsfrau Jennifer Arcuri angegeben hatte, als diese Fördergelder von der Stadt London erhielt. Die Stadtverwaltung hatte den Fall zur Prüfung an die Polizeiaufsicht weitergeleitet, sie soll nun entscheiden, ob ermittelt wird.

    sm/mt

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    Tags:
    Brexit, London, Großbritannien, sexuelle Belästigung, Skandal, Boris Johnson