08:21 09 Juli 2020
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    Die empörten Reaktionen auf ein skurriles Interview des ZDF-Moderators Claus Klebers mit Sebastian Kurz nehmen im Netz kein Ende. Im „heute journal“ des ZDF forderte Kleber Kurz mehrfach auf, eine mögliche Koalition mit der FPÖ abzusagen. Es war früher ebenfalls Kleber, der über den Krieg gegen Russland schwadroniert hatte.

    Kleber sprach diesmal im „heute journal“ des ZDF am Sonntagabend mit dem ÖVP-Chef Kurz und wollte von diesem von Anfang an lediglich hören, dass er eine Koalition mit der FPÖ ausschließen würde. Alle seine Fragen zielten gleich darauf, dass Österreichs Regierung die FPÖ nicht mehr brauche.

    „Trotzdem schließen Sie heute Abend auch eine Koalition mit den Rechtsnationalen nicht aus, warum?“, fragte Kleber. Auf die Antwort von Kurz, dass er nach der Wahl eigentlich das vollziehe, was er vor der Wahl versprochen habe, nämlich mit allen anderen Parteien zu sprechen, setzte Kleber noch energischer nach: „Wäre jetzt nicht von Ihnen eine klare Ansage genau das Richtige?“ Darauf wusste Kurz ruhig entgegenzustellen: „Vielleicht würden Sie besser wissen, was ich tun sollte, als ich das selbst weiß.“

    Nochmal legte Kleber zu und fragte Kurz, ob er die Hoffnungen der anderen Regierungen in der Frage berücksichtige. Schließlich „wissen Sie, dass die deutsche Regierung, die Benelux-Regierung und die Frankreich-Regierung sehr darauf hoffen, dass die Allianz mit den zweifelhaften Rechtsnationalen in Österreich aufhört.“ „Nein, ich bin meinen Wählerinnen und Wählern verpflichtet und nicht dem Ausland und auch nicht irgendwelchen Medienvertretern oder anderen Tippgebern“, konterte Kurz schmunzelnd. 

    In den diversen sozialen Netzwerken hat der Shitstorm gegenüber Kleber zum heutigen Mittwoch offenbar seinen Höhepunkt erreicht. Mehrere Tausend Nutzer zeigen sich über das offenbar unprofessionelle Verhalten Klebers empört. So ironisierte unter anderem der prominente deutsche Rechtsanwalt und Publizist Joachim Steinhöfel auf Twitter, „unser Meinungsführer Claus Kleber heute Nacht in seinem Befehlsstand im 'heute-journal'-Studio, bis zum letzten Atemzuge gegen den Rechtsruck in Österreich kämpfend, für Europa gefallen ist“. 

    Die deutschen Finanzexperten Marc Friedrich und Matthias Weik schämten sich ihrerseits auf der Facebook-Seit für „demokratiefeindliche Staatspropaganda auf Kosten des Deutschen Steuerzahlers“

    Der Koblenzer Kreisvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union (MIT) Dr. Adrian Nitsche hinterfragte ebenso auf seiner Twitter-Seit die Respektlosigkeit Klebers gegenüber Kurz. 

    Unter dem Video auf Youtube versammelten sich die härtesten Kritiker Klebers. „Wenn deutscher Journalismus weniger nach anderen Meinungen fragt als die eigene zu propagieren, dann sind wir beim Staatssender ZDF“, schrieb der Nutzer Ansgar Anzinger. „Schwere Klatsche gegen einen ohnehin angeschlagenen und verbrauchten Kleber. Schickt das ZDF in die Wüste“, meinte der Nutzer Travys Müller.

    Allerdings fand der harte Stil Klebers auch Befürworter wie etwa den CDU-Politiker Ruprecht Polenz, der die Fragestellung für berechtigt hielt. Später präzisierte er seine Position: „Für alle, die es ganz normal finden, dass Sebastian Kurz nach seinem Wahlsieg auch mit der FPÖ über eine Koalition sprechen will: Die FPÖ ist die österreichische AfD, nur schlimmer.“ 

    Klebers Fantasien von einem Krieg gegen Russland

    Im April hatte die deutsche Öffentlichkeit schon mal schockiert auf die saloppen Kriegsszenarien, die Kleber bei der Anmoderation im „heute journal“ leistete, reagiert. Damals hatte der Moderator wörtlich deutsche Truppen gegen Russland in den Krieg geschickt, als er mit ernster Miene sagte:

    „Guten Abend, zu Wasser und zu Luft sind heute Nacht amerikanische, deutsche und andere europäische Verbündete unterwegs nach Estland, um die russischen Verbände zurückzuschlagen, die sich dort ähnlich wie vor einigen Jahren auf der Krim festgesetzt haben.“

    Vor allem in den sozialen Netzwerken kritisierten die Nutzer Kleber heftig. Die „propagandistische Anmoderation“ solle dazu genutzt werden, „einen Gewöhnungseffekt für eine geplante und gewollte Kriegsführung“ hervorzurufen, betonten manche Nutzer. Das ZDF hielt es jedoch für angemessen, ihre Nachrichtensendung damit zu beginnen, über einen Krieg gegen Russland zu schwadronieren. Das Ziel dessen war es, zu der Nachricht überzuleiten, dass die Nato-Allianz in diesen Tagen ihren 70. Geburtstag feierte.

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    Tags:
    Freiheitspartei Österreichs (FPÖ), ÖVP, Sebastian Kurz, ZDF, Claus Kleber