01:33 21 November 2019
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    Die Schauspielerin Ludovica Pagani auf dem roten Teppich des internationalen Filmfestivals in Venedig (Archivbild)

    Nackt und stumm – Die Frau im Film

    © Sputnik / Jekaterina Tschessnokowa
    Panorama
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    Halb so viel sprechen, dafür viermal so oft nackt sein: Das Bild von Frauen und Mädchen, das die Filmindustrie zeichnet, lässt Gleichberechtigung vermissen. Weiterhin sind Frauen unterrepräsentiert, starke Frauenrollen und positive weibliche Vorbilder – Fehlanzeige.

    Die Kinderhilfsorganisation Plan International hat in ihrem Welt-Mädchenbericht 2019 untersucht, wie Frauen und Mädchen in den 56 umsatzstärksten Filmen des Jahres 2018 dargestellt wurden. Untersucht wurden jeweils die zehn Top-Filme in insgesamt 20 Ländern mit Hilfe eines Softwaretools des Geena Davis Instituts, das präzise ermitteln kann, in welchem Verhältnis weibliche und männliche Darsteller in einem Film auftreten und wie hoch ihr Redeanteil ist.

    Die Ergebnisse sind ernüchternd. So haben Frauen nur bei jedem zehnten Film am Drehbuch mitgewirkt und lediglich ein Viertel der Filme wurde von Frauen produziert. Bei keinem einzigen der 56 Top-Filme hat eine Frau Regie geführt.

    Auch vor der Kamera sah es nicht besser aus. Mit nur 36 Prozent haben weibliche Darstellerinnen sehr viel weniger Rollen besetzt und ihr Redeanteil war nur halb so hoch wie der der männlichen Gegenparts. Mit 42 Prozent wurden Männer zudem sehr viel häufiger als Führungspersönlichkeiten abgebildet (bei Frauen waren es 27 Prozent).

    „Der neue Bericht, den wir anlässlich des Welt-Mädchentages herausgeben, zeigt, wie erschreckend unterrepräsentiert Mädchen und Frauen in Filmen sind. Viel zu selten sind sie an Drehbuch, Produktion und Regie beteiligt. Das hat Auswirkungen auf das Verständnis von Gleichberechtigung bei Mädchen und jungen Frauen auf der ganzen Welt, die diese Filme schauen und darin kaum positive Vorbilder für sich finden. Die von uns befragten Mädchen wünschen sich starke weibliche Vorbilder auf der Leinwand“, sagt Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International.

    Das Einzige, worin Darstellerinnen punkten und ihre männlichen Kollegen deutlich abhängen konnten, dürfte nicht nur bei Feministinnen für Unmut sorgen: Frauen wurden doppelt so häufig halbnackt und viermal so häufig komplett unbekleidet gezeigt. „Frauen werden häufiger als Sexobjekte portraitiert: In 15 Prozent der Filme gibt es Szenen, in denen die Kamera langsam über ihre Körper fährt. Bei Männern nur in 4 Prozent der Fälle“, so der Bericht von Plan International.

    Was ist also die Botschaft, die jungen Mädchen durch diese Filme vermittelt wird? Vergiss die Chefetage, zieh dich aus und halt den Mund? Pheline Roggan, Schauspielerin und Girls-Get-Equal-Botschafterin fordert ein Umdenken in der Filmindustrie:

    „Es ist allerhöchste Zeit, dass ein Bewusstsein für dieses immense Missverhältnis geschaffen wird und zwar nachhaltig. Erst dann kann meiner Meinung nach diese Benachteiligung wirksam aufgehoben werden und eine gleichberechtigte Narration für die nächsten Generationen erfolgen. We had a lot of history. Now it’s time for her story“

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    Tags:
    Film, Feminismus, Feministin, Diskriminierung, Schauspielerin, Hollywood