14:00 20 November 2019
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    Russische Kosmonauten beim Raumspaziergang (Archiv)

    „Im Weltraum muss man leben lernen, dann geht es einfacher“ – Kosmonauten beantworten Fragen

    © Sputnik / Pressedienst der Raumfahrtkonzern „Roskosmos“
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    Am 4. Oktober 2019 jährten sich zum 62. Mal der Start des ersten Satelliten in die Erdumlaufbahn und der Beginn einer neuen Raumfahrtära. Aus diesem Anlass starteten der Russische Staatliche Raumfahrtkonzern „Roskosmos“ und die Internationale Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya” ein spezielles Projekt auf ria.ru.

    Es ist dem Auswahlverfahren der Kandidaten für das neue Kosmonauten-Corps gewidmet. Einzelheiten haben die Weltraumexperten und Raumfahrer in der Pressekonferenz bei „Rossiya Segodnya” verraten. Dabei fand auch eine Liveschaltung zur ISS zu den Kosmonauten Alexander Skwortsow und Oleg Skripotschka statt, die auf Fragen der RIA Novosti- und Sputnik-Leser geantwortet haben.

    „Das, was den Menschen in den Weltraum zieht, ist die Neugier, der Wunsch, das Unbekannte zu erforschen. Das ist wohl das wichtigste Auswahlkriterium für Raumfahrer. Nur Menschen, die davon träumen, hinter den Horizont zu blicken, können die nötige Kraft aufbringen, um sich vorzubereiten und ins Weltall zu fliegen”, sagte der stellvertretende wissenschaftliche Direktor des Instituts für medizinisch-biologische Probleme und Kosmonaut Oleg Kotow.

    Zwischen dem Auswahlverfahren und dem Raumflug selbst können viele Jahre vergehen, manchmal sogar zehn. So lange könnten nur jene durchhalten, die vom Weltraum besessen seien, so Kotow. Das Hauptkriterium bei der Auswahl sei weniger der Gesundheitszustand des Kandidaten, als vielmehr sein Lernvermögen. Im Laufe dieser zehn Jahre eigne man sich eine Reihe von Studienfächern an, um eine hohe Fachkompetenz zu bekommen.

    Die neue Auswahl läuft bis 1. Juni 2020. Es sollen vier Kandidaten ermittelt werden, so der geschäftsführende Direktor für Wissenschaft von Roskosmos, Alexander Bloschenko. 2018 seien acht Kandidaten ausgesucht worden, sie befänden sich aktuell in Ausbildung.

    Alexander Skwortsow und Oleg Skripotschka waren Teilnehmer der ersten Auswahl zur ISS 1997. Beide hatten einen eigenen Weg hinter sich. Skwortsow kam als Militärpilot in die Kosmonauten-Einheit. Damals kamen von 320 Kandidaten nur acht weiter. Skripotschka absolvierte die Technische „Bauman”-Universität Moskau und beteiligte sich als Zivilperson am Auswahlverfahren des Raumfahrtkonzerns „Energija“. 

    Auf die Frage eines Lesers aus Sankt Petersburg, wer die Berufswahl der Kosmonauten beeinflusst hatte, antworteten die beiden bei der Liveschaltung zur ISS, dass es der erste Kosmonaut des Planeten gewesen sei: „Nicht umsonst sagt man, dass Juri Gagarin uns alle ins Weltall gerufen hat”.

    Leser aus Kolumbien wollten wissen, wie die Mikrogravitation auf den Menschen im All wirkt und wie schwer es ist, sich daran zu gewöhnen.

    „Das ist die erste Erscheinung, mit der man an Bord zu tun hat. Egal, wie gut man sich an den Simulatoren auf die Schwerelosigkeit vorbereitet hat, in Wirklichkeit muss man sich daran gewöhnen: Die Bewegungen sind völlig anders, die Muskelmasse stört”, gab Alexander Skwortsow zu. 

    Ein weiteres Problem sei, dass immer etwas wegfliege. Aus diesem Grund müsse man Orte auf der ISS kennen, wo die weggeflogenen Gegenstände zu finden seien – meistens seien es Lüftungsgitter, wo die Luft angesaugt werde.

    „Falls man also etwas verloren hat, muss man unbedingt dorthin fliegen. Man muss eigentlich lernen, unter Schwerelosigkeit zu leben, dann geht es einfacher und lockerer und die Alltagsfragen nehmen weniger Zeit in Anspruch.”

    Was sagen Kosmonauten ihren Frauen und Kindern, wenn sie ins All fliegen? „Wir sagen, dass alles gut gehen wird und dass wir rechtzeitig zurückkommen”, so Oleg Skripotschka. Als er zum ersten Mal ins All geflogen sei, seien die Kinder noch klein gewesen. Das zweite Mal seien sie schon etwas älter gewesen und hätten bereits gewusst, dass der Vater im Weltraum sei, hätten aber kaum verstanden, was das eigentlich bedeute. Im Moment sei er zum dritten Mal auf der ISS und der Abschied sei diesmal traurig gewesen.

    Kosmonauten können Privatgegenstände mit zur ISS nehmen, die insgesamt höchstens ein Kilogramm auf die Waage bringen dürfen: Fotos, Erinnerungsstücke von der Familie und Freunden, kurzum, nur das Wertvollste. Freizeit ist dort quasi ein Fremdwort. Zwar gibt es wohl eine Filmothek und eine gute Auswahl an Musikaufnahmen. Die Lieblingsbeschäftigung ist es jedoch, die Erde und interessante Erscheinungen zu beobachten und sie aufzunehmen. Auf der ISS gilt eine fünftägige Arbeitswoche und zwei arbeitsfreie Tage, an denen man aufräumt: Weltall ist Weltall, aber man muss trotzdem einen Haushalt führen. Es schläft sich aber gut in der Schwerelosigkeit, denn man braucht sich nicht hin und her drehen, man fällt einfach tief irgendwohin und taucht dann einfach nach dem Weckerklingeln wieder auf.

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    Tags:
    ISS, Kosmonauten, Russland, Roskosmos, Weltraum