22:11 14 Dezember 2019
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    Krimi um Schweizer Star-Banker: Fausthiebe, Beschattungen und ein seltsamer Suizid

    © REUTERS / Mike Segar
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    Die zweitgrößte Schweizer Bank, Credit Suisse (CS), die seit gut 150 Jahren stets einen tadellosen Ruf hatte, steckt mitten in einem Skandal. Als Folge wurden zwei Top-Banker entlassen, der wichtigste Zeuge beging Selbstmord.

    Nachbarschaftsstreit auf eidgenössische Art

    Die Schweiz steht unter Schock: Top-Manager der weltweit bekannten Bank Credit Suisse sorgen für Wirbel – mit einer öffentlichen Prügelei, Beschattung und einer Leiche zu guter Letzt.
    2015 bekam der Credit-Suisse-Manager Iqbal Khan die langersehnte Lohnerhöhung und war nun Chef der globalen Vermögensverwaltung. Mit seinem neuen Top-Salär kaufte er eine Villa am Genfersee, in Nachbarschaft des Vorstandsvorsitzenden Tidjane Thiam.

    Doch der Untergeordnete und der Chef wurden keine guten Nachbarn, weil Khan und seine Ehefrau ihr Grundstück umfassend umgestalteten, beginnend mit dem Abriss des gerade gekauften Hauses. Der rege Betrieb auf der Baustelle vor der eigenen Haustür verärgerte den CEO der Credit Suisse. Bauarbeiter machten mit Bulldozer einige von Thiam gepflanzte Bäume platt, weil sie den Blick auf den See versperrten.

    Nach zwei Jahren wurden die Bauarbeiten beendet, doch die Beziehungen zu dem Nachbarn und Chef verschlechterten sich endgültig.

    Wenn Banker sich prügeln

    Der schwelende Konflikt verschärfte sich dramatisch  im Januar, als Tidjane Thiam in seinem Haus eine Party für Kollegen veranstaltete. Nachbar Khan und seine Frau wurden auch eingeladen. Als Thiam mit Verwaltungsratspräsident Urs Rohner redete, stellte sich Khan dazu. Tidjane beschwerte sich mit ein paar Witzen über seinen nervenden Nachbarn. Der Pakistaner Khan nahm dies übel und geriet in Rage. Nach wenigen Sekunden prügelten sich die beiden Top-Banker. Khans Frau brachte ihren Mann nach Hause. Nach dem Eklat auf der Party ging nun Khan regelmäßig zu Rohner und beschwerte sich über Thiam, der ihn angeblich massiv behindert, an den Karren fährt und seine Karriere verhindert. Rohners Geduldsfaden riss: Er schlug Khan vor, für drei Monate in Urlaub zu fahren und danach die Bank zu verlassen, um die Arbeitsatmosphäre nicht weiter zu stören. Am 1. Juli wurde offiziell mitgeteilt, dass der Star-Banker Iqbal Khan die Firma verlässt. Ende August wurde ihm der Posten als Co-Chef der globalen Vermögensverwaltung bei der größten Schweizer Holding UBS Group angeboten. Doch die Geschichte war damit nicht zu Ende.

    Spion, hau ab!

    Der Leitung von Credit Suisse wurde bekannt, dass Iqbal Khan UBS versprochen hatte, mindestens fünf seiner Kollegen mitzubringen. CS-Operation Officer Pierre-Olivier Bouee beauftragte den Sicherheitschef der Bank, Khan zu beschatten, um in Erfahrung zu bringen, welche Mitarbeiter jener abwerben und zum Konkurrenten mitnehmen will.

    Der Sicherheitschef wandte sich via einen Zwischenmann an die Privatdetektei Investigo. Privatermittler mussten Khan beschatten und alle Personen fotografieren, mit denen er sich traf. Doch weil die Schweiz nicht gerade ein Hort des Verbrechens ist, schienen die Ermittler bei diesem Fall etwas überfordert. Am 17. September, als Khan mit seiner Frau unterwegs war, bemerkte er, dass er beschattet wird.

    Er fotografierte das Kennzeichen des Autos des Detektivs. Als ein Detektiv aus dem Auto stieg, versuchte Khan, ihn zu fotografieren, was angeblich zu einem Handgemenge führte. Weiter unterscheiden sich die Versionen wie folgt: Nach Angaben des Star-Bankers wollte der Detektiv ihm das Smartphone aus den Händen nehmen. Der Ermittler sagte bei der Befragung, dass er einfach mit den Händen die Kamera verdecken wollte, um nicht fotografiert zu werden.

    Am selben Tag reichte Khan Klage bei der Staatsanwaltschaft Zürichs ein. Die Ermittler stellten schnell den Besitzer des von Khan fotografierten Fahrzeugs fest. Schon am nächsten Tag wurde der Privatermittler festgenommen. Etwas später auch zwei seiner Kollegen, die Khan an anderen Tagen beschatteten. Die ganze Geschichte ging nun an die Öffentlichkeit.

    Selbstmord

    Die Führung von Credit Suisse versucht nun hastig, den Skandal um die Beschattungen klein zu halten, weil er kein gutes Licht auf sie wirft. Am 1. Oktober wurden der Sicherheitschef und Pierre-Olivier Bouee entlassen.

    Dabei wurde betont, dass Bouee, der Khan beschatten ließ, in Eigenregie gehandelt habe, um „die Interessen der Bank“ zu verteidigen. Die Leitung der Bank soll davon nichts gewusst haben. Zudem wurde angegeben, dass die Beschattungen am 18. September völlig gestoppt worden seien.

    Die Staatsanwaltschaft Zürichs ermittelt weiter, doch neue Details werden wohl kaum ans Licht kommen. Der Zwischenmann, über den der Sicherheitschef die Investigo-Detektive anheuerte, der genau Bescheid wusste über die Ziele und Aufgaben der Privatermittler, beging in der vergangenen Woche überraschend Selbstmord. Der Leitung der Credit Suisse spielt dieser tragische Vorfall natürlich in die Karten.

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    Tags:
    Selbstmord, Skandal, Credit Suisse, Schweiz