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12:51 19 Oktober 2019
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    Hauptquartier der Uno in New York

    An allen Ecken und Enden sparen – wie die Uno ihre Geldkrise bekämpft

    © Sputnik / Sergej Guneew
    Panorama
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    Die Uno sieht sich mit der größten Geldkrise der letzten zehn Jahre konfrontiert. Der Grund: Die Staaten haben zu wenig in den Haushalt der Organisation eingezahlt. Nun ordnete Uno-Generalsekretär António Guterres die Ergreifung von Notfallmaßnahmen an.

    Ab 14. Oktober wird das UN-Hauptquartier den Stromverbrauch begrenzen, die Arbeitszeiten in den Kantinen reduzieren, einige Rolltreppen deaktivieren und bei Übersetzungen und Sicherheitsmaßnahmen sparen.

    Wie die stellvertretende Uno-Generalsekretärin für Strategie, Politik und Kontrolle im Bereich der Verwaltung, Catherine Pollard, meinte, stünden die Vereinten Nationen vor einer ernsten finanziellen Situation.

    So erklärte Pollard: „Das reguläre Budget war in den letzten Jahren mit schwerwiegenden Liquiditätsproblemen konfrontiert, der Abwärtstrend hat zugenommen. Und die Situation wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Die Liquiditätsdefizite treten früher im Jahr auf, halten länger an und gehen tiefer.“

    Ihren Worten nach ist diese Geldkrise dadurch zustande gekommen, dass UN-Mitgliedstaaten ihre Beiträge nicht gezahlt hätten.

    „Die finanzielle Gesundheit einer Organisation hängt davon ab, ob die Mitgliedstaaten ihre finanziellen Verpflichtungen vollständig und pünktlich erfüllen. Rechtzeitige Beiträge sind äußerst wichtig, um das ganze Jahr über eine stabile und vorhersehbare finanzielle Situation gewährleisten zu können. Wir wussten immer, dass verschiedene Staaten zu unterschiedlichen Zeiten zahlen. Aber in den letzten Jahren kann man einen wachsenden Negativtrend beobachten, in dessen Folge sich die Situation jedes Jahr verschlechtert, “ erklärte Pollard.

    Furchteinflößende Zahlen

    Chandramouli Ramanathan, der Assistent des UN-Generalsekretärs, teilte gegenüber Journalisten mit, welches Land der Organisation wieviel schulde.

    Laut Ramanathan schulden die „USA dem ordentlichem Haushaltsplan 674 Millionen US-Dollar in diesem Jahr und 381 Millionen US-Dollar für vorherige Jahre“.  Insgesamt betragen die Gesamtschulden von 65 Ländern 1385 Millionen US-Dollar. Davon sind sieben Staaten 97 Prozent der Summe schuldig, und zwar: die USA, Brasilien, Argentinien, Mexico, der Iran, Israel und Venezuela.

    Die Uno benötigt laut Ramanathan allein 92 Millionen US-Dollar, um ihre Mitarbeiter zu bezahlen. „Wir brauchen 45 Millionen US-Dollar für dementsprechende Ausgaben“, fügte er hinzu.

    Die Maßnahmen des Generalsekretärs

    Am Donnerstag schickte Uno-Generalsekretär António Guterres an alle Strukturen der Organisation einen Brief, in dem über die Extremmaßnahmen unterrichtet wird, die infolge der Geldkrise beschlossen wurden.

    Unter anderem ist von „offiziellen Dienstreisen“ die Rede, „die auf die wichtigsten beschränkt sein werden“. Im Schreiben wird außerdem dazu aufgerufen „alle außernatürlichen Ausgaben soweit wie möglich zu reduzieren“.

    Guterres erwähnte insbesondere, den Kauf von Waren und Dienstleistungen kurzweilig zu verschieben, und andere Maßnahmen zu ergreifen, um Strom zu sparen.

    Außerdem werden laut dem Dokument ab 14. Oktober die Räume der Uno nicht mehr für Veranstaltungen gebucht, die außerhalb der Öffnungszeiten und am Wochenende stattfinden.

    „Die Führungskräfte sollen im letzten Quartal 2019 Wege für eine weitere Kostenbegrenzung finden“, hieß es im Dokument.

    Im letzten Quartal des Jahres 2019 wird außerdem die Einstellung neuer Mitarbeiter begrenzt – trotz vakanter Stellen, die aus dem ordentlichen Haushaltsplan finanziert werden.

    Auch das Hauptquartier der Vereinten Nationen werde diese Maßnahmen betreffen.
    Wegen des Budgets werden „alle Erklärungen von Nichtregierungsorganisationen nur in der Originalsprache veröffentlicht – ohne Übersetzung in andere Sprachen“.

    Die Klimaanlagen werden laut Dokument von 18:00 Uhr bis 8:00 Uhr am nächsten Morgen begrenzt betrieben, und am Wochenende und an Feiertagen ausgeschaltet bleiben. „Die Temperatur des Thermostats ist auf 70 Grad Fahrenheit (etwa 21 Grad Celsius) eingestellt“, wird im Brief erwähnt.

    „Rolltreppen, die unter keiner großen Belastung stehen, und auch an Orten, wo Aufzüge im Betrieb sind, werden geschlossen“, heißt es weiterhin. Guterres ordnete auch die Abschaltung des Brunnens an.

    Wie das Dokument besagt, werden im Zeitraum von 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr an Wochentagen einige regelmäßige Aktivitäten im Sicherheitsbereich und bei der Kontrolle beim Gebäudezugang beschränkt.

    Informelle Veranstaltungen (zum Beispiel Empfänge, Veranstaltungen mit Service) werden nicht vor 9:00 Uhr und nicht nach 18:00 Uhr stattfinden. Dasselbe gilt für den Abgeordnetensaal – dieser wird bereits um 17:00 Uhr geschlossen.

    Im sogenannten „Abgeordnetensaal“ kommen normalerweise die Missionsvertreter der Uno zusammen, auch bietet er informellen Diplomaten-Treffen und Konferenzen der UN-Mitarbeiter Raum. Oft werden dort auch Gäste eingeladen. Seit vielen Jahren hat sich in den Vereinten Nationen eine Tradition entwickelt, der gemäß sich UN-Mitarbeiter (Diplomaten, Journalisten, Experten) am Freitag, am Ende der Arbeitstage, im Abgeordnetensaal versammelten, um sich in informeller Atmosphäre miteinander auszutauschen. Diesen Freitag fand wegen der neuen Sparmaßnahmen ein solches Treffen zum letzten Mal statt – zumindest solange, bis die Schulden beglichen sind.

    dg/ae

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    Tags:
    Schulden, Israel, USA, António Guterres, Uno