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    Gebühren-Hammer 2020: Höhere Beiträge bei der gesetzlichen Krankenversicherung möglich – Studie

    © AP Photo / Ferdinand Ostrop
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    Kommendes Jahr müssen viele Kunden mit höheren Zusatzbeiträgen bei der gesetzlichen Krankenversicherung rechnen. Eine aktuelle Studie des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung warnt vor einem heftigen Defizit bei den Krankenkassen. Nun müssen diese gegensteuern, was allerdings auf Kosten der Versicherten gehen kann.

    Das Defizit für die gesetzlichen Krankenkassen werde sich im Jahr 2040 auf fast 50 Milliarden Euro belaufen, wenn die Politik nicht frühzeitig gegensteuere, verlautet es aus der am Mittwoch veröffentlichten Berechnung des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung. Der Beitragssatz müsste demnach von derzeit 14,6 Prozent bis zum Jahr 2040 schrittweise auf 16,9 Prozent erhöht werden, um erwartete Ausgabensteigerungen abzudecken.

    Allerdings bedeutet das für die einzelnen Kassen nicht zwingend, dass die Beiträge steigen. Je nach Kassenlage können sie auch ohne Beitragsanhebung auskommen. Bei Kassen mit zu hohen Finanzreserven sind ab nächstem Jahr sogar Senkungen möglich. Denn die  Krankenkassen können auf finanzielle Reserven zurückgreifen.

    Die gesetzlichen Kassen haben inzwischen Reserven von mehr als 20 Milliarden Euro angespart. Allein von 2015 bis 2019 legten die Gesamtreserven nicht zuletzt dank guter wirtschaftlicher Konjunktur von 14,5 Milliarden auf 21,2 Milliarden Euro zu. Ob der Gesamtbeitrag also tatsächlich steigt oder eher fällt, hängt von der Finanzlage jeder einzelnen Krankenkasse ab.

    Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gab der Deutschen Presse-Agentur gegenüber Entwarnung.

    „Der durchschnittliche Zusatzbeitrag ist eine rein statistische rechnerische Größe. Entscheidend für die Versicherten ist, was sie bei ihrer Kasse wirklich zahlen müssen. Dank der übermäßig hohen Rücklagen vieler Krankenkassen, werden die tatsächlich zu zahlenden Beiträge für sehr viele Versicherte unterm Strich 2020 gleich bleiben oder sinken. Das ist die entscheidende Botschaft.“

    Letztlich wird das Ministerium bis November entscheiden, wie hoch der Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitrages tatsächlich ausfällt.

    Trotz des möglichen Ausgleichs durch die staatlichen Krankenkassen gibt es Grund zur Sorge: Laut dem Institut für Gesundheits- und Sozialforschung zeichnet sich spätestens ab  Mitte der 2020er Jahre eine Schere zwischen Gesundheitsausgaben und Beitragseinnahmen „wieder in Richtung Defizit“ ab.

    Ein wesentlicher Faktor sei die demografische Entwicklung mit einem steigenden Anteil älterer Menschen, die eher Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen. Vor allem aber sinke mit dem Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter deren Beitrag zu den Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherungen.

    mk/ae

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    Tags:
    Jens Spahn, Gesundheitsministerium, Krankenversicherung, Deutschland