22:20 06 Dezember 2019
SNA Radio
    Der sowjetische Kosmonaut Alexej Leonow (Archivbild)

    Alexej Leonow, ein weiterer Pionier des Weltraums, ist tot

    © Sputnik / Ruslan Kriwobok
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Von
    23315
    Abonnieren

    Er war nach Juri Gagarin, laut dem Weltraumhistoriker Gerhard Kowalski, der wohl legendärste russische Kosmonaut. Am 18. März 1965 ging er als erster „Weltraumspaziergänger“ über Nacht wie sein großer Landsmann in die Geschichte ein. Jetzt ist er im 86. Lebensjahr gestorben.

    Der deutsche Journalist, der den Kosmonauten persönlich kannte, beschreibt dessen Heldentat: „Der Blonde, wie er einst wegen seiner Haarfarbe genannt wurde, verließ sein Raumschiff ,Woschod 2‘ für 20 Minuten und verbrachte 12 Minuten und 9 Sekunden außerhalb der Schleusenkammer im freien Weltraum, umgeben nur von seinem Anzug. Nur mit einer Sicherungs- und Versorgungsleine verbunden, entfernte er sich, purzelbaumschlagend, fünf Meter von der Schleuse. Die Bilder gingen um die Welt. Dass er dabei haarscharf am Tode vorbeischrammte, wurde erst Jahrzehnte später bekannt.“

    Er konnte durch die enge Luke nicht ins Raumschiff zurückkehren, weil sein Raumanzug durch den Sauerstoff innen und das völlige Vakuum außen aufgeblasen war. Er musste schnell reagieren, nachdem er an einem Schraubverschluss die nötige Menge Sauerstoff abgelassen hatte, um nicht die gesamte Atemluft zu verlieren. So rettete er sich in letzter Minute.

    Alexej Leonow im offenen Weltraum
    © Sputnik / Archiv
    Alexej Leonow im offenen Weltraum

    Das wäre das erste, so Kowalski, aber nicht das letzte Mal, dass Leonow dem Tod von der Schippe gesprungen sei.

    „Schon bei der Landung von „Woschod 2“ hatten er und sein Freund Pawel Beljajew erneut eine lebensgefährliche Situation zu meistern, als die Automatik versagte. Die Kosmonauten landeten schließlich in der tief verschneiten Taiga und konnten erst nach zwei Tagen geborgen werden.“

    Kowalski weiter: „Mit dem Sojus-Apollo-Test-Projektmachte Leonow 1975 wieder Schlagzeilen. Damals, in der Zeit des Kalten Krieges, trafen sich drei Amerikaner und zwei Russen –  Leonow und sein inzwischen auch verstorbener Freund Walerij Kubassow – zum Shakehands auf der Umlaufbahn. Im Grunde ging es darum, ein System zu schaffen, um sich im Notfall gegenseitig im Weltraum zu Hilfe zu kommen. Aber wegen der im Zuge des Helsinki-Prozesses eingeleiteten Politik der friedlichen Koexistenz gewann diese Geste enorme symbolische Bedeutung. Denn das Unternehmen zeigte, dass man auch in schwierigen Zeiten zusammenarbeiten kann, wenn man nur will, wie auch heute in der Internationalen Raumstation ISS.“

    • Alexej Leonow (R) mit Nasa-Astronauten Thomas Stafford und Donald Slayton im Raumschiff Sojus-Apollon (Archivbild)
      Alexej Leonow (R) mit Nasa-Astronauten Thomas Stafford und Donald Slayton im Raumschiff Sojus-Apollon (Archivbild)
      © Sputnik / Moltschanow
    • Alexej Leonow nach einem Trainingsflug (Archivbild)
      Alexej Leonow nach einem Trainingsflug (Archivbild)
      © Sputnik / Alexander Moklezow
    • Alexej Leonow mit seiner Frau und Tochter kurz vor dem Abflug nach Baikonur (Archivbild)
      Alexej Leonow mit seiner Frau und Tochter kurz vor dem Abflug nach Baikonur (Archivbild)
      © Sputnik / Archiv
    • Alexej Leonow (L) und Walerij Kubassow im Gagarin-Zentrum während ihrer Vorbereitung auf die Weltraum-Expedition (Archivbild)
      Alexej Leonow (L) und Walerij Kubassow im Gagarin-Zentrum während ihrer Vorbereitung auf die Weltraum-Expedition (Archivbild)
      © Sputnik / Alexander Moklezow
    • Alexej Leonow beim Malen (Archivbild)
      Alexej Leonow beim Malen (Archivbild)
      © Sputnik / Alexej Moklezow
    1 / 5
    © Sputnik / Moltschanow
    Alexej Leonow (R) mit Nasa-Astronauten Thomas Stafford und Donald Slayton im Raumschiff Sojus-Apollon (Archivbild)

    Das letzte Mal erwies sich Leonow 1971 als “Alexej im Glück“. Der Raumfahrt-Historiker erinnert sich:

    „Wegen einer plötzlichen Erkrankung seines Teamkameraden Walerij Kubassow musste die Doublebesatzung den Flug mit dem Raumschiff ‚Sojus 11‘  antreten. Und sie kam bei der Landung ums Leben, weil ein Frischluftventil versagte. Sicher ist die Tatsache, dass er oft gerade noch einmal der Katastrophe entronnen ist, der Grund für Leonows teils überschäumende Lebensfreude.“

    Nach dem Zerfall der UdSSR bewies Leonow Geschäftssinn und wechselte als erster russischer Kosmonaut in das Big Business. „Er wurde Vizepräsident eines US-Investmentfonds und vermarktete auch sonst seinen Namen und Ruhm sehr erfolgreich, was ihm nicht nur Freunde machte. Auch die Familie Gagarin ging auf Distanz zu ihm, weil er mit seiner sprühenden Fantasie und Leutseligkeit so manche zweifelhafte Story in Umlauf gebracht hat. So verbreitete er, dass Gagarin durch ein zwar offenbar zufälliges, aber dennoch gefährliches Flugmanöver eines Piloten umgebracht wurde“, so Kowalski

    Unverkäuflich seien indes die vielen Weltraum-Gemälde, die der begnadete Künstler Leonow im Laufe der Jahrzehnte geschaffen habe, merkt der Experte an. „Keiner konnte wie er die Farben darstellen, die die Erde aus dem Kosmos bietet. Er könne sich einfach von diesen Arbeiten nicht trennen, weil sie ihm so sehr ans Herzen gewachsen seien, sagte der zweifache ,Held der Sowjetunion‘ einmal.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    „Was ist los?“: Putin spricht in Sotschi plötzlich Deutsch – Video
    Geflüchteter ukrainischer Oligarch in Deutschland festgenommen – Medien
    Deutschland leitet eigene Ermittlungen gegen mutmaßliche Skripal-Attentäter ein – Medien
    Tags:
    Gerhard Kowalski, Kosmonaut, UdSSR, Sowjetunion, NASA, Alexej Leonow