05:36 15 November 2019
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    Bauernhof in Ruinerwold

    Neun Jahre im niederländischen Keller: Österreicher Kopf von isolierter Gruppe?

    © REUTERS / Piroschka van de Wouw
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    Ein 58-Jähriger und sechs junge Leute haben neun Jahre lang in einem Keller eines Bauernhofes in den Niederlanden auf „das Ende der Zeit gewartet“, wie am Dienstag zahlreiche internationale Medien berichtet. Nun wurden neue Details bekannt: Beim Kopf der isolierten Gruppen handelt es sich offenbar um einen Wiener.

    Bereits gestern war mitgeteilt worden, dass der 58-Jährige festgenommen worden sei.

    Neues zum Thema: Am Mittwochnachmittag wurde berichtet, dass gegen den 58-Jährigen ein Haftbefehl beantragt worden sei. Zunächst erschienen Berichte, denen zufolge ein weiterer Mann wegen des Entführungsverdachts festegnommen wurde. Dabei handelt es jedoch offenbar über den 58-jährigen Österreicher. Der Mann soll am Donnerstag wegen rechtswidriger Freiheitsentziehung und Verletzung der Gesundheit anderer Menschen vor einem Gericht erscheinen.

    Wer ist er?

    Er sei nicht der Vater der jungen Leute, die heute zwischen 18 und 25 Jahre alt sind. Der Sprecher des österreichischen Außenministeriums in Wien bestätigte am Dienstagabend Berichte von niederländischen Medien mit Verwies auf lokale Behörden, dass sich bei dem Mann um einen Österreicher handle. Laut der „Kronen Zeitung“ geht es um den gebürtigen Wiener Josef B., der im Jahre 2010 von Oberösterreich in die Niederlande ausgewandert sein soll.

    Der Sender „RTV Drenthe“ verbreitete unter anderem Berichte verschiedener Nachbarn. Der Mann soll von den Anwohnern „Joseph, der Österreicher“ genannt worden sein. Laut einem Einheimischen soll der Mann im Garten eine Ziege und Gänse gehalten, Gemüse gepflanzt haben. Er sei täglich mit einem Volvo gekommen sein und habe freundlich gegrüßt. Der andere sagte: „Wenn man nur in die Nähe kam, schickte er einen weg. Er beobachtete immer alles mit einem Fernglas.“ Ein weiteres Kommentar: „Der Mann war jeden Tag da. Von Kindern hatte ich keine Ahnung. Ich bin völlig überrascht.“

    Bürgermeister Roger de Groot kommentiert

    Die Menschengruppe „lebte in sehr provisorischen Räumen“, so der Bürgermeister Roger de Groot.

    „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

    Warum die Menschen dort so isoliert wohnten, sei unbekannt. Die Menschen sollen laut früheren niederländischen Medienberichten auf „das Ende der Zeiten“ gewartet haben. Die Ermittler wollten diese Darstellung zunächst nicht bestätigen. Laut dem Bürgermeister gebe es noch sehr viele offene Fragen: Es ist nicht bekannt, in welchem Verhältnis der Mann zu den mittlerweile erwachsenen Kindern steht.

    Hintergrund

    Der Wirt der Dorfkneipe in Ruinerwold, circa 50 Kilometer von der Grenze nach Deutschland entfernt, hatte die Polizei am Montag alarmiert. Bei ihm war ein fremder junger Mann im Lokal aufgetaucht. Kneipenwirt Chris Westerbeek sagte gegenüber der „Bild“-Zeitung: „Er sagte, dass er Jan heiße, weggelaufen sei und Hilfe brauche.“ Dieser erzählte dem Wirt, er sei von einem nahen Bauernhof weggelaufen und neun Jahre lang nicht draußen gewesen. Neben den fünf Geschwistern des 25-Jährigen (das jüngste Kind soll heute 18 Jahre alt sein) soll im Keller auch der Vater gewohnt haben. Er lag Medienberichten zufolge seit einem Infarkt vor einigen Jahren im Bett.

    Über die genauen Lebensumstände und den Gesundheitszustand der Gruppe wollte die Polizei vorerst keine Angaben machen. Die Untersuchungen laufen demnach.

    „Alle Szenarien sind noch offen“, sagte eine Sprecherin.

    ak/tm/sna/msch

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    Tags:
    Österreicher, Gruppe, Menschen, Polizei, Keller, Niederlande