11:56 15 November 2019
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    Pro-türkische Rebellen an der Grenze zu Syrien am 17. Oktober 2019

    Türkei-Offensive in Syrien: Asylbewerber aus Deutschland womöglich an Hinrichtungen beteiligt

    © REUTERS / MURAD SEZER
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    Die türkische Offensive gegen kurdische Verbände in Syrien hat auf der internationalen Bühne für scharfe Kritik gesorgt. Nun werden schwere Vorwürfe laut. Denn pro-türkische Gruppierungen sollen für Hinrichtungen an Kurden verantwortlich sein, wobei auch ein Asylbewerber aus Deutschland mitgewirkt haben könnte.

    Die türkische Offensive in Syrien, die nun vorläufig nach einem türkisch-amerikanischen Deal pausiert, führen nicht nur reguläre Streitkräfte Ankaras durch, sondern sie wird auch von pro-türkischen Rebellen begleitet.

    Einige dieser Rebellen-Gruppierungen sollen für schwere Kriegsverbrechen verantwortlich sein. So kursieren im Netz mittlerweile Fotos und Videos, die unter anderem brutale Hinrichtungen von Kurden, darunter auch von einer kurdischen Politikerin und Menschenrechtsaktivistin, zeigen.

    Eine brisante Recherche des niederländischen Journalisten Harald Doornbos liefert nun Hinweise darauf, dass in einer dieser Gruppierungen auch ein Asylbewerber aus Deutschland aktiv ist und anscheinend an Kriegsverbrechen beteiligt war.

    ​Konkret geht es um Alhareth R., der als Mitglied der Miliz Ahrar al-Sharqiyeh bei Hinrichtungen von mindestens neun kurdischen Gefangenen dabei gewesen sein soll.

    Leben als Flüchtling in Deutschland

    Doornbos stieß in seiner Recherche auf Hinweise darauf, dass Alhareth R. im Jahr 2015 als Flüchtling über Griechenland und Ungarn in die Bundesrepublik eingereist war.

    Als Asylbewerber soll er dann über die Zentrale Erstaufnahmestelle Halberstadt im Kloster Helfta in Eisleben Sachsen-Anhalt Zuflucht gefunden haben.

    Neues zum Thema: Auf Anfrage von Sputnik kommentierte Sr. Klara Maria vom Kloster Hefta den Sachverhalt wie folgt: „Den Namen müßten Sie mit den Listen des Landkreises vergleichen. Wir haben das sogenannte ‚Herrnhaus‘ zur Verfügung gestellt als Flüchtlingsunterkunft, aber wir haben es nicht betrieben. Ich kann den besagten ‚Asylsuchenden‘ auf dem Foto, das Sie gesandt haben, nicht erkennen, weder auf jenem in der Stadt noch auf jenem auf dem Klostergelände. Es ist allerdings so, dass die Asylsuchenden sich gegenseitig besucht haben – es gab ja weitere Unterkünfte in Eisleben. Das Klostergelände war natürlich beliebt, sich zu treffen.“ 

    Gästehaus beim Kloster Helfta in Lutherstadt Eisleben auf dem Foto aus Instagram von Alhareth R.
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    Gästehaus beim Kloster Helfta in Lutherstadt Eisleben auf dem Foto aus Instagram von Alhareth R.

    Bestätigung für diese Hinweise lieferten mitunter Alhareths Accounts in sozialen Netzwerken, wo er zahlreiche Fotos und Videos postete, darunter in Helfta, auf dem Marktplatz und dem Weihnachtsmarkt in Halle und auch in dem besagten Kloster.

    Trotz dieser scheinbar gelungenen Integration soll er Mitte 2016 aus Deutschland wieder ausgereist und in die Türkei gegangen sein, von wo er sich schließlich nach Syrien abgesetzt und der Miliz Ahrar al-Sharqiyeh angeschlossen habe.

    Alhareth R. während seines Aufenthalts in Deutschland (Screenshot aus Instagram)
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    Alhareth R. während seines Aufenthalts in Deutschland (Screenshot aus Instagram)

    Die radikal-islamische Gruppe ist Teil der Syrischen Nationalarmee (SNA), einem Bündnis von Rebellengruppen, das als pro-türkisch gilt.

    Keine „Zufallsreise“ – bereits bestens vernetzt

    Dass sich Alhareth R. so schnell in Syrien einer bewaffneten Gruppierung anschließen konnte, liegt womöglich daran, dass er dort bereits bestens vernetzt war.

    Alhareth R. unter Rebellen in Syrien im Januar 2018 (Screenshot aus Instagram)
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    Alhareth R. unter Rebellen in Syrien im Januar 2018 (Screenshot aus Instagram)

    Er soll nämlich schon vor seiner Einwanderung in Deutschland an der Seite dschihadistischer Gruppen gekämpft haben, darunter im Jahr 2012 in den stark umkämpften syrischen Städten Deir ez-Zor und Aleppo.

    Zuständig für „Medienpräsenz“?

    Während der jüngsten türkischen Offensive in Nordsyrien tauchte er jedenfalls in den Reihen der Ahrar al-Sharqiyeh auf und postete hierzu auch ein Video, in dem er in voller Kampfausrüstung und schwer bewaffnet vor Militärfahrzeugen steht.

    Foto vom 5. Oktober 2019 (unmittelbar vor dem Beginn der jüngsten türkischen Offensive in Nordsyrien) aus dem Instagram von Alhareth R.
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    Foto vom 5. Oktober 2019 (unmittelbar vor dem Beginn der jüngsten türkischen Offensive in Nordsyrien) aus dem Instagram von Alhareth R.

    Laut Doornbos soll Alhareth R. unter anderem für die mediale Präsenz der radikalen Gruppierung verantwortlich gewesen sein. Dazu soll auch das Filmen der Exekutionen von Kurden gehört haben.

    So sei in den verbreiteten Videos zu sehen, wie Kämpfer der Miliz aus kurzer Distanz zwei Männer erschießen, die mit verbundenen Händen auf dem Boden sitzen oder liegen. An einer anderen Stelle werde auch gezeigt, wie zivil gekleidete Menschen erschossen werden, darunter die kurdische Politikerin und Frauenrechtlerin Hevrin Khalaf.

    Ankara kommentiert Berichte über Exekutionen

    Die Hinweise auf Kriegsverbrechen und Exekutionen seien derweil so eindeutig gewesen, dass auch die höchsten Stellen in der Türkei darauf reagieren mussten.

    So erklärte der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdogan, dass offenbar solche Verbrechen von einigen Kämpfern dieser Gruppierungen begangen worden seien.

    „Es gibt jetzt in Syrien welche unter der Syrischen Nationalen Armee, die solche Fehler machen“.

    Die türkische Armee werde sich nun „dieser Sache annehmen“ und die Verantwortlichen finden, so Erdogan.

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    Tags:
    Eisleben, Sachsen-Anhalt, Kurden, Türkei, Rebellen, Islamisten, Recep Tayyip Erdogan, Hinrichtung, Kloster, Asylbewerber, Deutschland, Syrien