12:43 20 November 2019
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    Polizisten nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche (Archiv)

    Kurz vor Anschlag in Berlin: Kundschaftete Anis Amri Merkels Wohnhaus aus?

    © AFP 2019 / ODD ANDERSEN
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    Der Berliner Attentäter vom Breitscheidplatz, Anis Amri, soll Medienberichten zufolge im Vorfeld des Anschlags wohl den Wohnsitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausspioniert haben.

    Dem ARD-Politikmagazin „Kontraste“ und rbb24-Recherche liegen Fotos aus dem Herbst 2016 vor, die das Bundeskriminalamt auf dem Handy von Anis Amri sichergestellt habe. Darunter sei ein Selfie, das den späteren Attentäter vor dem Wohnhaus der Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt. Zahlreiche Aufnahmen soll er am selben Tag in der Umgebung des Berliner Doms gemacht haben. Nach Einschätzung des Bundeskriminalamts können diese Bilder dazu gedient haben, mögliche Anschlagsziele auszukundschaften.

    Die Fotos sollen demnach am 23. Oktober 2016 entstanden sein, also knapp sieben Wochen vor der Weihnachtsmarkt-Attacke. 

    Berliner Dom „als potenzielles Ziel“?

    Auf dem Foto vor dem Berliner Dom zeigt Amri den Tauhid-Finger, sein Bekenntnis zum Islam. Die Ermittler des Bundeskriminalamts kamen in ihrem Auswertevermerk vom 24. April 2017 zu dem Schluss, dass Amri den Bereich um den Berliner Dom zu diesem Zeitpunkt „als potenzielles Anschlagsziel in Betracht gezogen haben könnte“. 

    Wenige Minuten zuvor fotografierte der Mann sich selbst mit seinem Handy in schwarzer Daunenjacke aus wenigen Metern Entfernung vor dem Wohnhaus von Angela Merkel, das 24 Stunden am Tag von Polizeibeamten bewacht wird.

    Suche nach einem Ziel

    Dass Anis Amri, der zu diesem Zeitpunkt in engem Kontakt zu Hintermännern der Terrormiliz IS* („Islamischer Staat“; auch Daesh) stand, zufällig hier vorbei kam, hält der Grünen-Innenexperte Konstantin von Notz für nahezu unmöglich.

    „Wenn man die Fotos anschaut, kommt man zu dem Schluss: Er war sicher, einen Anschlag begehen zu wollen, aber er hat noch das genaue Ziel gesucht“, sagte er gegenüber „Kontraste“.

    Der Rbb verweist darauf, dass die BKA-Ermittler in ihrer Auswertung nur das benachbarte Magnus-Haus, seit Jahren Sitz der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, erwähnen würden.

    „Dass hier nicht mal die Option, dass hier auch das Haus der Kanzlerin betroffen sein könnte, in den Akten vermerkt ist, hat uns sehr irritiert. Darüber werden die Sicherheitsbehörden Auskunft geben müssen. Das ist ein relevanter Sicherheitsaspekt für unser Land“, so von Notz weiter.

    Die für die Ermittlungen zuständige Bundesanwaltschaft wollte den Vorgang auf Anfrage des rbb nicht kommentieren.

    Anschlag auf Breitscheidplatz 

    Der Tunesier Anis Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen gestohlenen Lkw in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche gesteuert. Bei dem islamistischen Terroranschlag starben zwölf Menschen, mehr als 60 weitere Weihnachtsmarktbesucher wurden verletzt. Amri flüchtete nach der Tat nach Italien, wo er später von Polizisten erschossen wurde.

    *Terrororganisation, in Russland verboten

    ak/tm

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    Tags:
    Bundeskriminalamt (BKA), Fotos, Anschlag, Anis Amri, Wohnhaus, Angela Merkel, Deutschland