22:45 16 November 2019
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    Karl-Johan Persson, Generaldirektor der schwedischen Firma H&M

    „Schreckliche soziale Konsequenzen“: H&M-Chef über Gefahren von „Konsum-Shaming“

    © REUTERS / Anna Ringstrom
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    Der Generaldirektor der schwedischen Kleidungsfirma H&M, Karl-Johan Persson, ist besorgt, dass die neue Welle gegen den Konsum „furchtbare Konsequenzen“ mit sich bringen kann.

    Karl-Johan Persson ist der Ansicht, dass die Bewegung gegen den Konsum eine ernsthafte soziale Bedrohung darstellt, berichtet die Agentur Bloomberg am Sonntag. Dabei fügte er hinzu, dass zu einem großen Teil die 16-jährige schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg zu diesem Prozess beigetragen hätte. Ihre Mitstreiter sprechen sich auch für die Notwendigkeit einer Konsumverringerung aus, indem die Menschen beispielsweise auf Flüge verzichten. Persson zeigte sich über diese Haltung sehr beunruhigt.

    „Ja, das kann zu einer geringeren Umweltbelastung führen, hat aber schreckliche soziale Konsequenzen“,  meinte er in einem Interview in Stockholm.

    Neben Klimaschutz auch soziale Probleme vorhanden

    Persson gab zu, dass das „Klimaproblem unglaublich wichtig“ sei, und eine große Bedrohung darstelle. Deswegen müssten alle, auch Politiker, Unternehmen und Einzelpersonen, das Thema ernst nehmen. Allerdings sagte er zugleich, dass „die Beseitigung der Armut“ auch ein „mindestens genauso wichtiges“ Ziel sei.

    „Wir müssen die Umweltbelastung reduzieren“, sagte Persson. „Gleichzeitig müssen wir auch weiterhin Arbeitsplätze schaffen, die Gesundheitsversorgung verbessern und all die Dinge, die mit dem Wirtschaftswachstum einhergehen.“

     Die Firma plant bis 2040 klimapositiv zu werden. Im Klartext heißt es, dass sie planen, mehr Treibhausgase zu verringern, als ihre Wertschöpfungskette schafft.

    Laut dem Analysten von Bloomberg Intelligence, Charles Allen, wollen Konsumenten von den Einzelhandelsketten dabei unterstützt werden, „umweltfreundliche Entscheidungen zu treffen“.

    „Günstige Mode ermutigt die Verbraucher offensichtlich, häufiger einzukaufen und noch tragbare Kleidungsstücke wegzuwerfen“, sagte er.

    Laut Persson sind Dinge, wie „Umweltinnovationen, erneuerbare Energien und verbesserte Materialien“ bessere Mittel zur Bekämpfung des Klimawandels, als ein Moratorium für Konsum.

    Recycling

    H&M ist laut der Analyse von Textile Exchange, einer Non-Profit-Organisation, einer der größten Abnehmer von Bio-und Recycling-Baumwolle. Sie fingen vor kurzem auch an, einige unkonventionelle Stoffe, wie etwa Zitrusschalen und alte Fischnetze mit Baumwolle zu vermischen, um den Stoff für ihre Kleidung zu bekommen.

    Zudem nimmt die Firma auch alte und unnütze Kleidung in ihren Geschäften von den Kunden an, um den Stoff wiederzuverwerten und ihm neues Leben einzuhauchen.

    „Konzentrieren Sie sich weiterhin auf das Umweltproblem, diskutieren Sie jedoch offen, wie die Lösung aussehen könnte“, so Karl-Johan Persson.

    Die 16-jährige Klimaaktivistin aus Schweden und Initiatorin der weltweiten Klimabewegung „Fridays for Future“, Greta Thunberg, hatte zuletzt für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Sie hielt eine Rede vor der UN-Vollversammlung, wo sie die Staats-und Regierungschefs mit schweren Vorwürfen konfrontierte und bekam für ihre Anstrengungen den Internationalen Kinder-Friedenspreis zugesprochen.

    dg/ae

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    Tags:
    Klimawandel, Greta Thunberg, H&M