13:56 20 November 2019
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    Lockheed R7V-1 Super Constellation

    Ursache – ein Fragezeichen: Diese Flugzeugkatastrophen sind bis heute unerklärt

    © Foto: USN/Wikimedia Commons
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    Über das Schicksal der 42 Passagiere weiß man nichts: Vor 65 Jahren verschwand eine „Super Constellation“ über dem Atlantik. Mehr als eine Woche lang wird gesucht: 111 Rettungswesten, fünf Flöße und 660 Pappbecher waren an Bord – die müssten auf dem Wasser treiben. Doch wie bei anderen Vorfällen auch: Von Menschen und Fracht fehlt jede Spur.

    Fünf amerikanische Torpedobomber vom Typ „Avenger“ hoben tagsüber am 5. Dezember 1945 vom Stützpunkt Fort Lauderdalе in Florida ab. Es war sonnig, bestes Wetter für einen Trainingsflug. Das Geschwader hatte eine simple Mission: Punkt A ansteuern, Bombenabwurf üben, umkehren, Punkt B anfliegen, umkehren, zurück zum Fliegerhorst. Die Route war den Piloten wohlvertraut, die Navigationspunkte wurden durch sichtbare Orientierungsmerkmale ergänzt. Zwei Stunden hatte das Kommando für den gesamten Übungseinsatz angesetzt, für fünfeinhalb Flugstunden wurden die Bomber betankt, als Reserve.

    Anfangs lief alles nach Plan. Die „Avenger“ hatten das Übungsziel geortet, der Bombenabwurf gelang, um circa 15:30 Uhr setzten die Maschinen zum Rückflug an. Fünf Minuten später funkte der Staffel-Kommodore jedoch, die Flugzeuge hätten sich verirrt und sähen die Küste nicht. Mehrfach änderten die Piloten die Flugrichtung, erreichten das Land aber nicht. Um circa 19:00 Uhr meldete sich die Staffel zum letzten Mal. Eine Stunde danach muss den Flugzeugen der Treibstoff ausgegangen sein, wahrscheinlich wasserten sie irgendwo.

    Das Navy-Kommando begann eine der stärksten Suchaktionen, die es bis dato gegeben hatte. Mehr als 300 Flugzeuge und 21 Schiffe waren beteiligt. Die Küste von Florida wurde skrupulös abgesucht, auch die Florida Keys und die Bahamas. Keine einzige Spur. Nach mehreren Wochen wurde die Suche eingestellt, die „Avenger“-Crews gelten bis heute als vermisst. In die Luftfahrtgeschichte ist der Vorfall als das rätselhafteste Flugzeugunglück eingegangen.

    Die Navy-Ermittler zogen den Schluss, die Ursache sei auf menschliches Versagen zurückzuführen: Der Staffel-Kommodore Charles Taylor habe die Flugrichtung verwechselt und seinen Verband in den Atlantik hinausgeführt, so die offizielle Version. Daneben existieren unzählige Vermutungen, darunter paranormale. Schließlich verschwanden die „Avenger“ mitten im Bermuda-Dreieck. Eine offizielle Bestätigung haben diese Spekulationen nie bekommen.

    Mit Bomben verschwunden

    Mit zwei Atombomben an Bord verschwand ein B-47 „Stratojet“ am 10. März 1956 über dem Mittelmeer. Vier dieser Maschinen waren an dem Tag von der MacDill Air Force Base in Florida gestartet, Richtung Marokko. Mit einer Luftbetankung überquerte die Gruppe den Atlantik, die nächste Luftbetankung war über dem Mittelmeer vorgesehen. Die Bomber gingen in den Sinkflug über, bei sehr schlechter Sicht wegen starker Bewölkung. Als der Himmel sich aufklärte, fehlte einer der vier Bomber. Der Pilot hatte sich weder gemeldet noch war er anzufunken.

    Suchmannschaften wurden nach den letzten bekannten Positionsdaten des Bombers losgeschickt. In die Suchaktion vor der Küste Algeriens war französisches und marokkanisches Militär eingebunden, die britische Marine schickte Schiffe in das mutmaßliche Absturzgebiet. Gefunden wurde nichts. Die drei Besatzungsmitglieder gelten bis heute als vermisst.

    Lichtblitz am Himmel

    In der Nacht auf den 16. März 1962 verschwand eine „Super Constellation“ über dem Pazifik. Die amerikanische Passagiermaschine sollte US-Soldaten nach Vietnam bringen. Nach einer Nachbetankung auf Guam nahm das Flugzeug Kurs auf die Clark Air Base auf den Philippinen. Aber dort kam die „Super Constellation“ nie an, auf halber Strecke war der Funkverkehr mit der Maschine abgebrochen. Über 1000 Mann, dutzende Schiffe und Flugzeuge wurden zur Suche entsandt – ergebnislos.

    Die Ursache für das Verschwinden des Flugzeugs sei nicht festzustellen, weil „Beweisstücke fehlen“, erklärte die Ermittlungskommission. Das Flugzeug war technisch in einwandfreiem Zustand, die Wetterbedingungen waren nahezu ideal, Meldungen über Notfälle o. ä. gab die Crew nicht ab. Das einzige Indiz: Die Zeugenaussage von Seeleuten vom Tankschiff „Lenzen“, das sich zu der Zeit im selben Gebiet aufhielt. Die Matrosen gaben an, einen hellen Lichtblitz am Himmel gesehen zu haben, ähnlich einer Explosion. Die Suche auf dem Gewässer brachte jedoch kein Ergebnis. Die elf Besatzungsmitglieder und 96 Passagiere gelten als verstorben. Nach der Anzahl der Betroffenen an Bord ist es der größte ungeklärte Flugzeugverlust des 20. Jahrhunderts.

    Notwassern und verschwinden

    Am 23. März 1951 verschwand eine amerikanische Douglas C-124 von den Radarschirmen. Das Transportflugzeug sollte 44 Militärangehörige von der Walker Air Force Base in New Mexico nach Großbritannien bringen. Unter den Passagieren war auch Brigadegeneral Paul Thomas Cullen, unterwegs nach England, um dort mit seinen Männern einen strategischen Luftwaffenverband aufzustellen.

    Das Flugzeug befand sich 1500 Kilometer südwestlich von Irland, als der Funker ein SOS-Signal abgab: Die Fracht hatte Feuer gefangen. Die Crew wasserte das Flugzeug, alle Menschen an Bord kletterten auf Rettungsflöße. Ein B-29-Bomber war aus England zur Hilfe herbeigeeilt, die Bomberbesatzung entdeckte die Flöße und drehte Runden darüber, solange der Treibstoff reichte. Danach kehrte der Bomber zur Heimbasis zurück.

    Damit begann das Unerklärliche. Die Rettungsmannschaften erreichten den Unglücksort erst nach 19 Stunden. Aber sie fanden dort weder die verunglückte Maschine noch die Rettungsflöße vor. Tausende Quadratkilometer wurden abgesucht. Was mit dem Flugzeug, mit seiner Besatzung und seinen Passagieren passiert ist, weiß man bis heute nicht.

    Der Kreml habe dabei seine Finger im Spiel, wurde gemunkelt: Sowjetschiffe hätten die amerikanischen Militärs aufgelesen und entführt, weil General Cullen für die Sowjets besonders wertvoll gewesen sei. Eine Bestätigung hat dieses Gerücht nie bekommen.

    Ein Jahr lang auf Suche

    Nicht nur US-Flugzeuge verschwanden spurlos. Am 12. August 1937 hob ein sowjetischer Langstreckenbomber vom Typ DB-A nahe Moskau ab und nahm Kurs auf Archangelsk. Die Crew, geführt von Sigismund Lewanewski, hatte einen transarktischen Flug nach Fairbanks in Alaska vor sich.

    Gemäß anfänglichen Funkaufzeichnungen von Bord des Flugzeugs lief alles wie geplant. Doch am 14. August meldete Lewanewski, er fliege bei starkem Wind und dichter Bewölkung, das Cockpitfenster sei vereist, eines der Triebwerke beschädigt. Da war das Flugzeug schon in der Gegend bei Alaska. Danach brach die Funkverbindung mit dem Bomber ab.

    Rund ein ganzes Jahr suchten Piloten aus der Sowjetunion, aus Kanada und den USA die Maschine von Lewanewski. Es wurden weder Trümmer noch Leichen gefunden. Mehrere Vermutungen wurden angestellt – eine davon: Lewanewski sei in den Endicott Mountains gelandet, einem Gebirgszug in Alaska. US-Piloten suchten die Gegend gründlich ab, ohne Ergebnis.

    Womöglich war der sowjetische Bomber auf einer driftenden Eisscholle gelandet und wurde darauf in den Atlantik hinausgetrieben.  Eskimos sollen gesehen haben, wie die Maschine unweit der Tethys-Insel notwasserte. Aber auch dort ergab die Suche nichts, die Crew wurde für tot erklärt.

    Crew beim Langstreckenbomber vom Typ DB-A am 12. August 1937
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    Crew beim Langstreckenbomber vom Typ DB-A am 12. August 1937
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    Tags:
    Spuren, Ursache, Ermittlung, Verschwinden, Flugzeuge