04:08 18 November 2019
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    Parade in Moskau, 7. November 1941

    Weshalb Hitler in Raserei verfiel – Sechs Fakten über Moskauer Militärparade am 7. November 1941

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    Vor 78 Jahren fand auf dem Roten Platz in Moskau, als vor der Stadt Gefechte tobten, eine legendäre Militärparade statt. Am heutigen Donnerstag haben mehr als 3000 Militärs und Kursanten von Offiziersschulen mit einem Marsch über den Roten Platz die Teilnehmer der damaligen Parade geehrt.

    Sputnik berichtet über historische Fakten von Ende 1941.

    Fakt 1: Die Entscheidung wurde nicht sofort getroffen

    Militärparaden auf dem Roten Platz fanden am 7. November schon seit mehreren Jahren traditionell statt und galten als die wichtigste Festveranstaltung am Jahrestag der Oktoberrevolution 1917. Aber im Jahr 1941, als Panzer der Wehrmacht immer weiter in  Richtung Moskau rollten, war das ein ziemlich ungünstiger Zeitpunkt.

    Ende Oktober und Anfang November 1941 – das war wohl die allerschwerste Zeit für die Hauptstadt. Es wurden etliche Industriebetriebe ins Hinterland evakuiert, viele Brücken und Fabriken wurden vermint. Der Feind war immerhin nur noch etwa 30 Kilometer von Moskau entfernt.

    Die Entscheidung zur Ausrichtung der Parade wurde am 28. Oktober in einer Beratung des Politbüros des ZK der Kommunistischen Partei unter Beteiligung von hochrangigen Militärs getroffen. Die Teilnehmer einigten sich darüber, dass die Parade den Kampfgeist der Menschen sowohl an der Front als auch im Hinterland stärken würde. Für die Vorbereitung der Parade blieb nicht viel Zeit.

    Ein Foto der Parade in Moskau, 7. November 1941
    © Sputnik / Arkadi Scheichet
    Ein Foto der Parade in Moskau, 7. November 1941

    Fakt 2: Heimliche Orchesterproben

    Am 2. November erfuhr der Kapellmeister der sowjetischen Division „Felex Dserschinski“, Autor des berühmten Marsches „Abschied der Slawin“, Wassili Agapkin, dass er der Chefdirigent der bevorstehenden Parade werden sollte. Gleichzeitig wurde er beauftragt, ein Orchester zusammenzustellen. Zu dem Zeitpunkt befand sich ein Großteil der Musiker aus dem ständigen zusammengesetzten Orchester in den Truppenteilen der Garnison; viele waren an die Front gegangen. Angesichts dessen brauchte der Dirigent Unterstützung, die er von einem Orchester aus Gorki (jetzt Nischnij Nowgorod) bekam.

    Die Parade wurde streng vertraulich vorbereitet – das war die wichtigste Bedingung. Niemand durfte wissen, wofür das Orchester übte. Also wurde beschlossen, dass die Proben in einer Manege im Stadtteil Chamowniki stattfinden sollten. Der stellvertretende Volkskommissar für Verteidigung, Marschall Semjon Budjonny, der die Parade abnehmen sollte, wohnte den Orchesterproben teilweise bei. Das Kommando über die Parade wurde Generalleutnant Pawel Artemjew, Befehlshaber des Militärbezirks Moskau und der Moskauer Verteidigungszone, anvertraut.

    Ein Foto der Parade in Moskau, 7. November 1941
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    Ein Foto der Parade in Moskau, 7. November 1941

    Fakt 3: Moskauer Stadtrat tagt in U-Bahn-Station „Majakowskaja“

    Die Festsitzung des Moskauer Stadtrates, die dem 24. Jahrestag der Oktoberevolution  gewidmet war, wurde auf den 6. November angesetzt. Sie fand  nicht wie üblich im Bolschoi Theater statt, das zu dem Zeitpunkt schon vermint war, sondern in der U-Bahn-Station „Majakowskaja“, in deren Halle sich 2000 Menschen versammeln konnten.

    Die U-Bahn-Station wurde verstärkt bewacht, in der Halle wurden Lautsprecher aufgestellt.

    Am 6. November wurde von der benachbarten U-Bahn-Station „Belorusskaja“ ein spezieller Zug aus zehn Waggons losgeschickt, der die Staatsführung fünf Minuten vor der Sitzung zur „Majakowskaja“ brachte. Auf der anderen Seite des Bahnsteigs stand bereits ein anderer Zug – ebenfalls aus zehn Waggons – in dem das Orchester, mehrere Garderoben und Buffets für die Teilnehmer sowie ein Tonstudio untergebracht waren.

    Das Motto „Unsere Sache ist recht, der Sieg wird unser sein!“ wurde gerade in diesem Raum in der „Majakowskaja“-Station ausgerufen.

    Erst nach der Versammlung, gegen 23.00 Uhr, teilte der Befehlshaber der Parade, Pawel Artemjew, den Kommandeuren der betreffenden Truppenteile mit, dass sie an der Parade auf dem Roten Platz teilnehmen würden. Bis zum Beginn der Parade blieben noch zehn Stunden.

    Ein Foto der Parade in Moskau, 7. November 1941
    © Sputnik / Alexander Ustinow
    Ein Foto der Parade in Moskau, 7. November 1941

    Fakt 4: Eine Stunde, eine Minute und 20 Sekunden, die die ganze Welt hörte

    Die Militärs hatten berechnet, dass die Parade eine Stunde, eine Minute und 20 Sekunden dauern würde.

    Um 08.00 Uhr (die Parade wurde aus Sicherheitsgründen um eine Stunde vorverlegt) wurde das gesamte Territorium von der Moskrorezki-Brücke bis zum Historischen Museum von Soldaten überflutet.  Insgesamt nahmen daran 28 467 Militärs (Infanteristen, Kavalleristen, Schützen, Artilleristen, Panzersoldaten, Volksheerkämpfer) teil. Ihnen standen 296 Maschinengewehre, 18 Minenwerfer, zwölf Flak-Gewehre, zwölf Kleinkaliber- und 128 Mittel- und Großkaliber-Waffen sowie 160 Panzer (70 BT-7, 48 T-60, 40 T-34 und zwei KW-Panzer) zur Verfügung.

    Es sollten auch 300 Flugzeuge zum Einsatz kommen, aber wegen des starken Schneesturms wurde ihre Teilnahme an der Parade abgesagt.

    Die Organisatoren hatten sich auf alle möglichen Szenarien vorbereitet: Für den Fall eines Bombenangriffs auf den Roten Platz wurden 35 Medizinposten (ihnen standen mehrere Krankenwagen zur Verfügung), fünf Rettungsmannschaften, 15 Feuerwehrwagen und andere Kräfte aufgestellt, die im Falle der Zerstörung von Gebäuden, Gas- und Stromleitungen oder bei Bränden zum Einsatz kommen sollten.

    Als erste durften Kursanten der ersten Moskauer Artillerieschule, begleitet vom Marsch „Parade“ von Alexander Tschernezki, über den Roten Platz marschieren; die Reiter erschienen zur Melodie „Kavalleristen-Trab“ auf dem Platz.

    Die Rundfunkreportage vom Roten Platz, die der bekannte Radiomoderator Wadim Sinjawski führte, hörte die ganze Welt.

    Ein Gemälde, das die Parade in Moskau am 7. November 1941 zeigt
    © Sputnik / Alexander Krasavin
    Ein Gemälde, das die Parade in Moskau am 7. November 1941 zeigt

    Fakt 5: Hitler verfiel in Raserei

    Auch Adolf Hitler hörte angeblich zu – und wurde wütend. Historiker behaupten, er hätte zum Telefon gegriffen und gefordert, ihn mit dem Stützpunkt der deutschen Bomber zu verbinden, der sich Moskau am nächsten befand: „Ich gebe Euch eine Stunde, um Eure Schuld zu tilgen. Ihr müsst die Parade zerbomben, koste es, was es wolle!“

    Aber kein einziges deutsches Flugzeug konnte Moskau erreichen. Wie einen Tag später bekannt wurde, waren am 7. November insgesamt 34 deutsche Bomber  abgeschossen worden.

    Moskau, 7. November 1941
    © Sputnik / Anatoli Garanin
    Moskau, 7. November 1941

    Fakt 6: Das wurde in Zeitungen geschrieben

    Die ganze Welt wusste die Tapferkeit des sowjetischen Volkes hoch zu schätzen. Die britische Zeitung „The News Chronicle“ schrieb beispielsweise: „Die Organisation einer üblichen Parade in Moskau in dem Moment, wo kurz vor Moskau blutige Gefechte stattfanden, ist ein faszinierendes Beispiel für Mut und Tapferkeit“.

    Und die „Daily Mail“ bezeichnete die Moskauer Parade am 7. November 1941 als „eine der besten Demonstrationen der Tapferkeit und Zuversicht, die es während des ganzen Kriegs nur geben konnte“.

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    Moskau, Parade