14:46 16 Dezember 2019
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    Mitglieder der Zivilschutz-Organisation Weißhelme während eines Einsatzes in der syrischen Provinz Idlib (Archivbild)

    Gründer der Weißhelme James Le Mesurier in Istanbul tot aufgefunden – Berichte

    © AFP 2019 / ABDULAZIZ KETAZ
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    Le Mesurier, ein ehemaliger Offizier des britischen Geheimdienstes MI6, soll im Jahr 2013 einst die umstrittene Organisation für „Rettungseinsätze unter Stadtbedingungen” gegründet haben. Der Organisation, gut bekannt unter dem Namen „Weißhelme”, wird die Inszenierung von Giftgasangriffen in Syrien vorgeworfen.

    Zunächst erschienen die Meldungen in oppositionellen türkischen Medien, später wurden sie auch von anderen Stellen bestätigt.

    So haben die „Weißhelme” dem israelischen öffentlich-rechtlichen Sender KAN gegenüber bestätigt, dass der Gründer der Gruppe, James Le Mesurier, in seinem Haus in Istanbul, Türkei, tot aufgefunden wurde.

    ​Seine Leiche soll am frühen Montagmorgen im Stadtteil Beyoglu gefunden worden sein.

    "Sözcü", eine bedeutende türkische Tageszeitung, berichtete unter Berufung auf polizeiliche Quellen, Le Mesurier habe möglicherweise Suizid begangen. Er soll vor seinem Tod einige Zeit lang Antidepressiva eingenommen haben.

    Nach Angaben der Zeitung soll sich der Vorfall heute Morgen um 05:30 Uhr ereignet haben. Le Mesuriers Frau soll der Polizei die Tür geöffnet haben, als sie am Tatort ankam.

    Die Polizei hat Ermittlungen eingeleitet.

    Suizid als Hauptversion

    Laut der Zeitung "Sabah", die sich auf Quellen in den türkischen Strafverfolgungsbehörden beruft, ist im Moment die Hauptversion für Le Mesuriers Tod ein Suizid.

    Der ehemalige britische Geheimdienstoffizier soll vom Balkon seiner Wohnung im 3. Stock gesprungen sein.

    Am Leichnam des Verstorbenen sollen keine Spuren von Schüssen und Messerverletzungen gefunden worden sein.

    Le Mesuriers Frau soll Folgendes erklärt haben:

    „Gestern haben wir zusammen zu Abend gegessen. Danach haben wir Schlaftabletten genommen und sind ins Bett gegangen. Ein paar Stunden später bin ich an der Türklingel aufgewacht. Es war die Polizei, sie hat mir erzählt, dass mein Mann vom Balkon gefallen ist und gestorben ist.”

    Eine Quelle bei den Istanbuler Strafverfolgungsbehörden bestätigte unterdessen in einem Kommentar für Sputnik den Tod von James Le Mesurier. Im Moment gebe es jedoch „keine Klarheit darüber, ob dies ein Mord war oder ob er Selbstmord begangen hat”.

    Wer war Le Mesurier?

    Le Mesurier, ein britischer privater Sicherheitsspezialist und ehemaliger britischer Militärgeheimdienstler, soll im März 2013 die „Weißhelme” in der Türkei gegründet haben. Davor war er als Geheimdienstoffizier auch in anderen Konfliktgebieten tätig, unter anderem in Pristina im Kosovo während der Nato-Intervention im Jahr 1999.

    In einem Interview aus dem Jahr 2014 sagte Le Mesurier, dass er schnell rund 300.000 US-Dollar für die Schaffung der „Weißhelme” aus Großbritannien, den USA und anderen Ländern gesammelt habe. 

    Bald verfügte die Organisation über mehr als 100 Millionen US-Dollar, nachdem zahlreiche westliche NGOs, Golfstaaten, mehrere Europäische Länder und Japan Geld und Ausrüstung an die „Weißhelme” geschickt haben.

    Der Ruf der „Weißhelme”

    Syrien betrachtet die „Weißhelme” als eine terroristische Organisation und verweist darauf, dass die Gruppe ihre Operationen vor allem in Gebieten ausführte, die von militanten Dschihadisten kontrolliert wurden, darunter der Al-Qaida-Ableger Nusra-Front*.

    Die „Weißhelme” sollen für die Inszenierung von zahlreichen angeblichen Giftgasangriffen verantwortlich gewesen sein, die eine großangelegte militärische Intervention des Westens in Syrien auslösen sollten.

    So hatten die USA, Großbritannien und Frankreich im April 2018 eine Reihe von Luft- und Marschflugkörperangriffen gegen Syrien gestartet, nachdem die „Weißhelme” ein Video eines angeblichen chemischen Angriffes in Douma, einer Stadt bei Damaskus, veröffentlicht haben.

    Der Douma-Angriff wurde später durch verifizierte Aussagen von mehreren Augenzeugen, die in dem Video auftraten, als ein Fake entlarvt, darunter durch die eines 11-jährigen Jungen, der offenbarte, dass er und seine Mutter Essen erhalten hatten, um an dem gefälschten Clip teilzunehmen.

    Russland forderte Untersuchung gegen Le Mesurier

    Erst letzte Woche hatte das russische Außenministerium London aufgefordert, die möglichen Verbindungen von Le Mesurier zur Al-Qaida zu untersuchen. Bei einer Pressekonferenz am Freitag wies die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, auf Recherchen hin, die auf mögliche Verbindungen des ehemaligen Spions zu terroristischen Organisationen hinwiesen.

    „Es gibt Daten, die darauf hindeuten, dass Al-Qaida-Mitglieder in seinem Team waren”, erklärte Sacharowa und fügte hinzu, dass Moskau „sehr gerne hören würde, was London zu diesen Fakten zu sagen hat”.

    *Nusra-Front, jetzt Dschabhat Fath asch-Scham – Terrororganisation, in Russland verboten

    ng/sna

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    Tags:
    Britischer Geheimdienst MI6, Istanbul, Syrien, Weißhelme