21:31 15 Dezember 2019
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    Kartoffelchips (Symbolbild)

    Italiener ärgern sich über Chips mit Prosecco

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    Prosecco aus Venetien, Wein aus Chianti oder Schinken aus Parma – das alles kommt aus Italien. Kein anderes EU-Land hat so viele Lebensmittel, deren Herkunft geschützt ist, und deswegen engagiert sich Italien besonders stark für sein Erbe. Besondere Chips aber haben neulich für Aufregung gesorgt – es waren Chips mit Prosecco.

    Prosecco ist ein solcher Schaumwein, dessen Trauben einzig auf den sanft geschwungenen Hügeln in bestimmten Provinzen in Venetien und Friaul-Julisch-Venetien ausreifen und in dieser Gegend auch verarbeitet werden. Das heißt, dass der geschützte Name Prosecco nur auf den Produkten stehen darf, in denen auch echter Prosecco drin ist. Und in Italien hatte man tief bezweifelt, dass  in Prosecco-Chips der Marke Pringles auch wirklich echter Prosecco enthalten war, meldet die dpa heute.

    So lässt sich auch erklären, warum vor einiger Zeit gewisse Kartoffelchips in der Region um Venedig gerade für Aufregung sorgten: Es waren nämlich Chips mit Prosecco-Geschmack – das stand eben auf der Verpackung. In der Tat war es Prosecco-Pulver.

     „Wir können nicht mehr tolerieren, dass jemand unerlaubt eine geschützte Herkunftsangabe benutzt“, beklagte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia. Die italienische Exzellenz in puncto Essen und Trinken dürfte nicht durch Betrug untergraben werden. Agrarministerin Teresa Bellanova sprach gar von „Identitätsdiebstahl“.

    Politiker für Schutz des Essens 

    Für Politiker in Italien gehört es dazu, sich mit dem Schutz des Essens einer bestimmten Region zu profilieren. Ministerpräsident Giuseppe Conte kämpfte unlängst in der Emilia-Romagna gegen die US-Zölle auf Parmesan, Ex-Innenminister Matteo Salvini machte sich mit einem Biss in sizilianische Cannoli bei einem Besuch auf der Insel beliebt, und der Regionalpräsident von Ligurien, Giovanni Toti, zeigt sich gerne mit Pesto Genovese, das er zum Unesco-Kulturerbe ernannt haben will. Und der Bürgermeister von Bologna, Virginio Merola, startete vor nicht allzu langer Zeit einen Aufruf, den falschen Namen „Spaghetti Bolognese“ im Ausland auszurotten. Denn die Pasta mit Fleischsoße heißt in Italien gar nicht nach der Stadt in der Emilia Romagna - sondern „al ragù“.

    Essen ist einer der wichtigsten Wirtschafts- und Tourismusfaktoren in Italien. „Made in Italy“ gilt als Qualitätssiegel für Lebensmittel, wie „Made in Germany“ für Autos. Italiener sind besonders stolz auf ihre Essenskultur. In sozialen Medien gibt es extra Seiten, auf denen sich Italiener über die „Sünden“ von Ausländern lustig machen - zum Beispiel Pasta nicht ins kochende Wasser zu werfen, sondern ins kalte. Oder Obst mit Gemüse in Salaten zu vermischen.

    "Wie wichtig die Essenskultur ist"

    Kein anderes EU-Land hat so viele Lebensmittel mit geschützter Herkunftsangabe wie Italien. Zu den 823 Produkten gehören Wein aus Chianti und Schinken aus Parma genauso wie unbekanntere „Champions“, wie Linsen aus Norcia in Umbrien oder Basilikum aus Genua. „Das verdeutlicht, wie wichtig die Essenskultur ist“, erklärt Enrico Bonadio, Experte für Urheberrecht an der City University of London. „Wenn man die geografische Herkunft schützt, schützt man auch ein Erbe, eine Identität. Man kann nicht einfach Wein in Finnland herstellen und ihn Prosecco nennen.“ In den letzten zwölf Jahren sei der Export von italienischen Lebensmitteln um 140 Prozent gestiegen.

    Kein Wunder also, dass man nicht will, dass „Fake-Prosecco“-Produkte in den Regalen stehen und verkauft werden. In Deutschland hingegen wurden die Chips ohne große Aufregung vertrieben. „Es war nie geplant, die Packungen in Italien zu verkaufen, so dass wir erst noch herausfinden müssen, wie die Produkte dorthin gelangt sind“, sagte ein Sprecher des Unternehmens Kellogg's, das Pringles produziert. „Diese limitierte Variante wurde für den Verkauf in wenigen europäischen Ländern produziert, darunter zum Beispiel in England und Deutschland.“ Es sei aber eine limitierte Variante gewesen, die mittlerweile auch nicht mehr in Deutschland erhältlich sei.

    ek/mt/dpa

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    Schutz, Cappuccino, Erbe, Lebensmittel, Chips