08:45 10 Dezember 2019
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    Lockheed M-21 mit Drohne auf dem Heck (Archivbild)

    Geheime Drohne aus den USA landet vor 50 Jahren in der UdSSR

    © Foto : US Air Force / Public Domain
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    Ein Bomber B-52H startet am 9. November 1969 auf der Andersen Air Force Base auf der Insel Guam. An Bord: Eine Aufklärungsdrohne D-21B. Es ist die erste Mission des unbemannten Luftvehikels. Sie geht schief.

    Der US-Bomber nimmt Kurs auf die chinesische Küste: Das Ziel der Aufklärungsdrohne (Bordnummer 517) ist das Atomtestgelände am Salzsee Lop Nor in der Mandschurei. An Chinas Grenze trennen sich die Wege von Bomber und Fluggerät: die B-52 setzt das unbemannte Vehikel ab und kehrt um Richtung Heimbasis um – die D-21B startet zu ihrer Mission.

    Zunächst läuft alles nach Plan. Die chinesische Flugabwehr erkennt den kleinen Eindringling nicht, was nicht verwundert: Das Gerät düst in 27 Kilometern Höhe bei über Mach 3. Dann passiert der Fehler im System.

    B-52H mit zwei D-21 (Archivbild)
    © Foto : US Air Force
    B-52H mit zwei D-21 (Archivbild)

    Nachdem sie das Testgelände abfotografiert hat, hätte die Drohne hin zum Pazifik umkehren und das gesammelte Bildmaterial an einem bestimmten Punkt abwerfen müssen. Eine Navi-Störung führt jedoch dazu, dass die D-21B ihren Flug schnurrgerade fortsetzt.

    Erst über sowjetischem Gebiet geht dem Fluggerät der Treibstoff aus. Die Drei-Tonnen-Drohne gleitet im Sinkflug zur Erde und landet ohne großen Schaden in der kasachischen Steppe auf dem Raketengelände Toretam, besser bekannt als Weltraumbahnhof Baikonur.

    Schnell gelangt die „Himmelsgabe“ in das Konstruktionsbüro Tupolew. Das Geheimgerät erhält die Bezeichnung „Objekt R“. Untersuchungen zeigen, dass die amerikanische Drohne aus Titan gefertigt ist, beschichtet mit einem schwarzen elastischen Film. Im Geräteschacht (ausgerüstet mit einem Selbstzerstörungsmechanismus mittels einer Sprengladung) war eine Kamera mit der enormen Brennweite von 400 bis 600 mm untergebracht.

    Drohne vom Typ D-21 im National Museum of the United States Air Force
    © Foto : U.S. Air Force
    Drohne vom Typ D-21 im National Museum of the United States Air Force

    Nach dem peinlichen Vorfall unternehmen die Vereinigten Staaten drei weitere Aufklärungsflüge mit der D-21B. Nur einer dieser Einsätze liefert auch Aufklärungsdaten. Am 23. Juli 1971 wird das Programm in den USA eingestellt, zwei Jahre später die Drohne ausgemustert.

    Die verschwundene D-21B wird allerdings zur technischen Vorlage für das sowjetische Fluggerät „Woron“ („Rabe“). Der für das D-21-Programm in den USA zuständige Ingenieur Ben Rich erhielt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einige Teile des einst verschwundenen Apparats.

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    Tags:
    Spionage, Kalter Krieg, Baikonur, China, Aufklärungsdrohne, B-52, USA, UdSSR, Sowjetunion, USAF, Drohne